Wie ein epileptischer Anfall entsteht und behandelt wird
Mit Epilepsie verbinden viele Menschen Bilder von starken Zuckungen und verdrehten Augen. Doch solche schweren Anfälle machen nur einen kleinen Teil der Erkrankung des zentralen Nervensystems aus. Viel häufiger äußert sie sich durch leichtere Anfälle, die manchmal kaum bemerkt werden.
Was einen epileptischen Anfall auslöst
Bei einem epileptischen Anfall funktioniere die Weiterleitung von Impulsen über die Nervenzellen in manchen Gehirnregionen nicht richtig, erklärt Felix Rosenow vom Epilepsiezentrum Rhein-Main am Universitätsklinikum Frankfurt.
An bestimmten Stellen feuern die Nervenzellen über das normale Maß hinaus Signale ab.
Prof. Dr. Felix Rosenow, Facharzt für Neurologie
Normalerweise steuert das Gehirn dagegen an und bremst die übermäßige Aktivität. Bei einer Epilepsie fehlt diese Hemmung. Als Ursache kommen diverse Erkrankungen in Betracht, zum Beispiel eine Hirnhautentzündung, Tumore oder genetische Defekte. Oft lässt sich gar kein Auslöser ermitteln.
FC Bayern-Spieler Jamal Musiala leidet an einer neurologischen Dysfunktion. Nach eigenen Angaben führt diese zu "temporär kurz auftretenden, aber gut behandelbaren Absencen."
18.08.2026 | 0:25 minEpileptische Anfälle sind keine Seltenheit
Etwa fünf Prozent aller Menschen erleiden in ihrem Leben einen einzelnen epileptischen Anfall. Die Anfälle können in jedem Alter auftreten. Beruhen sie auf einer heilbaren Grunderkrankung, kann es in deren Verlauf bei einmaligen oder mehrmaligen Ereignissen bleiben, ohne dass sich eine echte Epilepsie entwickelt.
Fokale Anfälle machen etwa zwei Drittel aller epileptischen Anfälle aus und betreffen nur bestimmte Regionen im Gehirn. Je nach Lokalisation zeigen sie sich durch unterschiedliche Symptome. Das können zum Beispiel unwillkürliche Bewegungen von Arm oder Bein oder eine kurze Geistesabwesenheit sein.
Generalisierte Anfälle betreffen von Anfang an das gesamte Gehirn und gehen in der Regel mit einem Verlust des Bewusstseins einher. Zu den generalisierten Anfällen zählen auch sogenannte Absencen - wie im Fall von Jamal Musiala. Dabei handelt es sich um kurze Bewusstseinsausfälle, die meist nur wenige Sekunden andauern.
Komplettaussetzer vor laufender Kamera
:Musialas Blackouts - was sind eigentlich "Absencen"?Seine Blackouts auf dem Spielfeld hat Nationalspieler Musiala mit sogenannten "Absencen" erklärt - kurze neurologische Aussetzer. Was bedeutet die Diagnose für den Bayern-Star?
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Wann man von Epilepsie spricht
Eine Epilepsie wird diagnostiziert, wenn zwei Anfälle ohne erkennbaren Auslöser im Abstand von mehr als 24 Stunden auftreten oder wenn nach einem Anfall ein deutlich erhöhtes Risiko für einen weiteren besteht. Solch ein erhöhtes Risiko lässt sich aus Befunden von Gehirnstrommessungen (EEG) oder einer Magnetresonanztomografie (MRT) ableiten.
Das Gehirn ist das komplexeste Organ des Menschen. Fünf spannende Fragen und Antworten rund um die Schaltzentrale des Körpers.
22.07.2025 | 5:10 minWie sich ein generalisierter tonisch-klonischer Anfall äußert
Beim generalisierten tonisch-klonischen Anfall werden Betroffene ohne Vorwarnung bewusstlos. Für etwa eine Minute versteift sich ihr Körper, was als tonische Phase bezeichnet wird. Danach kommt die klonische Phase, in der Arme und Beine unkontrolliert zucken.
Viele Betroffene beißen sich dabei auf die Zunge und verlieren unbemerkt Urin. Die tonische Phase dauert etwa drei bis fünf Minuten. Dann folgt ein tiefer Schlaf, der Minuten bis Stunden anhalten kann. Nach dem Aufwachen können sich die meisten Patienten nicht an den Anfall erinnern.
In einem Interview spricht Skisprung-Weltmeister Severin Freund über seine eigene Epilepsie-Erkrankung, den Umgang mit der Diagnose und die Risiken im Leistungssport.
20.08.2026 | 13:19 minWas bei einem generalisierten tonisch-klonischen Anfall zu tun ist
Zeugen eines generalisierten tonisch-klonischen Anfalls sollten Gegenstände aus dem Umfeld der betroffenen Person entfernen, an denen sie sich verletzen könnte. Auf keinen Fall darf man die Person festhalten oder ihr etwas in den Mund stecken, da die Gefahr von Verletzungen, zum Beispiel Knochenbrüchen, besteht. Nach dem Anfall sollten Betroffene in die stabile Seitenlage gebracht werden.
Dauern generalisierte tonisch-klonische Anfälle länger als fünf Minuten oder fokale Anfälle und Absencen länger als zehn bis fünfzehn Minuten, sprechen Experten von einem Status epilepticus. Auch eine Serie mehrerer aufeinanderfolgender Anfälle wird als Status epilepticus bezeichnet, wenn die Betroffenen dazwischen bewusstlos bleiben.
Ein Status epilepticus mit generalisierten Krämpfen gilt als lebensbedrohlicher Notfall, da diese die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen können. Als Erstmaßnahme werden vom Notarzt schnellstmöglich Beruhigungsmittel vom Typ der Benzodiazepine intravenös verabreicht.
Wie Epilepsie diagnostiziert wird
Für die Diagnose einer Epilepsie ist es wichtig, die genaue Art des Anfalls zu kennen. Ärzte sind oft auf Beschreibungen von Angehörigen angewiesen, weil sich viele Betroffene nicht daran erinnern können. Weiteren Aufschluss gibt das EEG. Mediziner achten bei der Beurteilung vor allem auf steil verlaufende elektrische Wellen, spitze Potentiale genannt.
Spitzes Potenzial heißt, dass die Nervenzellen im Gehirn zu diesem Zeitpunkt sehr synchron ihre Impulse abgeben. Das ist ein Merkmal von Epilepsie.
Prof. Dr. Felix Rosenow, Epilepsiezentrum Rhein-Main
Es folgen in der Regel eine Magnetresonanztomografie des Gehirns und die Untersuchung von Nervenwasser, dem Liquor. Mögliche Auslöser der Anfälle, etwa Infektionen oder Tumore, können so erkannt werden.
Musiala kein Einzelfall
:Wie Profisportler mit Epilepsie umgehenEpilepsie im Profisport: Berichte von Athleten zeigen, welche Herausforderungen die Diagnose mit sich bringt. Einer der Betroffenen ist der ehemalige Skispringer Severin Freund.
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Wie sich Krampfanfälle unterdrücken lassen
Je nach Art der Anfälle werden verschiedene krampfunterdrückende Medikamente (Antikonvulsiva) eingesetzt. Sie müssen oft über Jahre, manchmal lebenslang eingenommen werden. Reichen sie nicht aus, um Anfälle zu verhindern, kommen weitere Maßnahmen in Betracht. In einer Operation können zum Beispiel verantwortliche Nervenbahnen entfernt oder blockiert werden.
Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 05.10.2026, ab 09:05 Uhr.
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