Antidepressiva reduziert: «Heule, wenn ein Blatt vom Baum fällt»

- Die Luzerner Komikerin Julia Steiner (26) reduziert nach zehn Jahren schrittweise ihre Antidepressiva.
- Nach der Senkung von Sertralin von 100 auf 75 Milligramm litt sie vier Wochen unter Schlafproblemen und Angstanfällen.
- Heute fühlt sie sich wieder stabil und erlebt ihre Gefühle intensiver, was sie positiv findet.
Vor einigen Wochen machte Julia Steiner öffentlich, dass sie ihre Antidepressiva nach rund zehn Jahren schrittweise reduzieren möchte. Nun zieht die 26-jährige Luzerner Komikerin erstmals eine ausführliche Zwischenbilanz – und erzählt, wie schwierig die ersten Wochen tatsächlich waren.
Vor zehn Wochen reduzierte Steiner ihre tägliche Sertralin-Dosis von 100 auf 75 Milligramm. «Die ersten vier Wochen waren wirklich interessant – im Sinne von Scheisse», sagt sie in einem neuen Instagram-Video. Die Comedienne betont erneut, dass sie das Medikament nicht wegen einer Depression einnimmt. Sie leide bereits seit ihrer Kindheit an einer Angst- und Panikstörung.
Julia hat Angstanfälle beim Einschlafen
Nach der ersten Reduktion habe sie vor allem nachts einen deutlichen Unterschied gespürt. Steiner schlief schlechter, war nervöser und bekam beim Einschlafen wieder vermehrt Angstanfälle.
Nach ungefähr einem Monat habe sich ihr Zustand jedoch verändert. «Ziemlich genau nach einem Monat wurde es deutlich besser», erzählt sie. Mittlerweile sind zehn Wochen vergangen – und Steiner zieht eine positive Bilanz: «Ich muss sagen, dass ich mich wieder sehr stabil fühle.»
Trotzdem will sie die nächste Reduktion nicht überstürzen. Wahrscheinlich werde sie noch rund zwei Monate warten, «bis Neujahr oder so». Zuerst wolle sie beobachten, ob die aktuelle Stabilität anhält.
Sie weint wegen eines fallenden Blatts
Eine Veränderung ist allerdings geblieben: Steiner erlebt ihre Gefühle offenbar intensiver als zuvor. «Ich bin sehr nah am Wasser gebaut, seit ich die Medis am Reduzieren bin», sagt sie.
Manchmal reichen dafür kleinste Momente. «Manchmal heule ich auch einfach, wenn ich sehe, wie ein Blatt vom Baum fällt.» Dann tue es ihr leid, «dass das Blatt alleine vom Baum fallen musste». Stören tut sie diese neue Emotionalität nicht. Im Gegenteil: «Das finde ich ehrlich gesagt noch geil.» Gerade wenn man lange kaum habe weinen können, empfinde sie das als etwas Positives.
Bereits im Oktober hatte Steiner erzählt, dass sie sich seit der Reduktion nervöser und emotionaler fühle. Damals berichtete sie etwa, wegen eines älteren Mannes geweint zu haben, der eine Katze streichelte. Nun zeigt sich: Die besonders schwierige Anfangsphase scheint vorerst überwunden.
«Den Humor verlieren wir nie»
Steiner begleitet den Prozess bewusst öffentlich, weil sie selbst nur wenige persönliche Erfahrungsberichte über das schrittweise Reduzieren von Antidepressiva gefunden habe. Sie hatte bereits zu Beginn betont, dass ihr Schritt nach langer Therapie und in fachlicher Begleitung erfolge.
Auch bei dem ernsten Thema bleibt die SRF-Comedienne ihrem Stil treu. «Vergesst nicht, den Humor verlieren wir nie», sagt sie am Ende ihres Updates – und fügt hinzu: «Vielleicht den Verstand, aber den Humor kann man uns nicht nehmen.»
Wie findest du es, wenn jemand die Dosis von Antidepressiva schrittweise reduziert und darüber öffentlich spricht?
Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Depression?
Hier findest du Hilfe:
Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen
VASK, regionale Vereine für Angehörige
Psyfinder, qualifizierte Fachpersonen in deiner Nähe
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?
Hier findest du Hilfe:
Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen
Psyfinder, qualifizierte Fachpersonen in deiner Nähe
Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
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Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
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