Zurück in die Armee – Rettungssanitäter müssen wieder einrücken

Der Bundesrat hat ohne eine Konsultation die Verordnung über die Militärdienstpflicht geändert. Neu müssen dienstpflichtige Rettungsfachleute wieder in den Militärdienst einrücken.
Davon betroffen wären je nach Kanton bis zu 50 Prozent des Rettungssanitäts-Bestands, so etwa im Kanton Jura.
«Um der Bevölkerung Sicherheit mit der Armee zu bieten, will der Bundesrat jene Dienste zurückfahren, welche bereits 24 Stunden am Tag Sicherheit bieten», sagt der Präsident der Konferenz der Verbände professioneller Rettungsdienste, sowie Präsident des Genfer Rettungssanitäts-Verbands, Romuald Cretin, gegenüber dem Radio und Fernsehen der Westschweiz RTS.
Der Audiobericht von RTS:
«Diese Rettungssanitäter arbeiten in einem bereits angespannten System. Die Auslastung ist gross. Wir haben jetzt schon Mühe, Absenzen zu ersetzen. Das Problem wird sich katastrophal verschärfen», so Cretin weiter.
Verlust einer Vollzeitstelle
Cretin ist selbst seit 30 Jahren Rettungssanitäter und weiss, wie schwierig es ist, Personal in diesem Bereich zu rekrutieren. «Es ist kein Beruf, in dem es viel Personal auf dem Markt gibt. Ich leite einen Dienst mit 74 Rettungsfachleuten. 13 sind von dieser Änderung betroffen. Das ist jährlich eine Vollzeitstelle, die wegfällt.»
Jedoch beschwichtigt er auch: «Ich glaube nicht, dass wir zum Beispiel einen Herzstillstand nicht mehr werden versorgen können.» Die Auswirkungen könnten sich aber bei anderen Fällen bemerkbar machen. So könnte ein Einsatzfahrzeug, welches wegen eines Oberschenkelbruchs ausfährt, zu einem dringenderen Einsatz umgeleitet werden.
Die von Romuald Cretin geleitete Konferenz der Verbände bezeichnet den Entscheid als willkürlich. Auch andere Verbände haben reagiert: Der Interverband für Rettungswesen, die Dachorganisation der medizinischen Rettungsdienste in der Schweiz, hat die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren kontaktiert.
Parteiübergreifende Motion
Auf der politischen Bühne hat der Waadtländer SVP-Nationalrat Yvan Pahud eine Motion dazu eingereicht. Dieser wird parteiübergreifend unterstützt und fordert den Bundesrat dazu auf, zum bisherigen Status zurückzukehren.
«Der Bundesrat kann seinen Entscheid zurücknehmen, der keine Auswirkung auf die Armeebestände haben wird, aber enorme Auswirkungen auf die Organisation des Rettungswesens hat», so Pahud gegenüber RTS.
«Ein Rettungssanitäter, der während 20 oder 25 Tagen Militärdienst leistet, bringt die Planung in Schwierigkeiten, damit Ambulanzen einen Dienst für die Bürgerinnen und Bürger gewährleisten können», so der SVP-Nationalrat weiter.
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