«Ich will nicht die nächste Lara Gut-Behrami sein»

- «Ich will nicht in Laras Fussstapfen treten»: Das sagt Riesenslalom-Talent Sue Piller vor dem Saisonstart in Sölden.
- Die 21-jährige Freiburgerin landete letzten Winter in Spindlermühle auf Platz 6, fiel danach aber kurzzeitig in ein mentales Loch.
- Piller trägt die olympischen Ringe als Tattoo und träumt von Olympia-Gold.
Wenn am Samstag um 10 Uhr im Starthaus das berühmte Piepen ertönt, blickt die Ski-Welt nach Sölden. Wie üblich findet der Saisonstart auf dem Rettenbachgletscher statt. Bei den Frauen stehen zehn Schweizerinnen am Start – eine davon ist Sue Piller.
Die 21-jährige Freiburgerin startet im Ötztal bei ihrem 13. Weltcuprennen. Bisher ist ihre Bilanz ausgeglichen: Sechsmal gab es Weltcup-Punkte, sechsmal musste sie ohne Zähler wieder abreisen. «Dass diese Bilanz auf die positive Seite kippt, ist sicher mein Ziel für diesen Winter», erzählt Piller im Vorfeld des Rennens.
«Nur noch über Resultate identifiziert»
In der letzten Saison katapultierte sich die junge Athletin beim Riesenslalom im tschechischen Spindlermühle aus dem Nichts auf den sechsten Platz. «Ab und zu denke ich noch daran zurück. Das Rennen ist vor allem im Mentaltraining für mich ein Referenz- und Anhaltspunkt», erklärt Piller.
Doch nach dem grossen Erfolg sei sie kurzzeitig in ein Loch gefallen. «Nach diesem sechsten Platz habe ich begonnen, mich nur noch über Resultate zu identifizieren. Der Fokus lag nur noch auf den Ergebnissen. Ich hatte das Gefühl, dass ich jetzt liefern muss, und habe mich viel zu wenig auf mich selbst konzentriert.»
Sie habe gemerkt, dass sie ungeduldig werde. «Nicht nur im Skifahren, auch gegenüber anderen Leuten – mit mir selbst am meisten. Dann habe ich mich nicht mehr wohlgefühlt in meinem Kopf.» Nach ein paar Rennen, in denen es nicht wirklich lief, habe sie glücklicherweise wieder aus dieser Spirale herausgefunden.
«Lara war noch direkter als ich»
Piller hat grosse Ambitionen. In Kindheitstagen habe sie jeweils als Traumberuf «Olympiasiegerin» in Freundschaftsbücher geschrieben, erzählte sie bei blue. Ihr Stiefvater und Trainer Fred Labaune sagte über sie: «Der Charakter von Sue ist ein wenig wie der von Lara Gut-Behrami. Sie hat auch keinen Filter. Wenn etwas zum Beispiel nicht geht, dann geht es nicht und sie sagt dann einfach nein.»
Darauf angesprochen, sagt Piller vor dem Sölden-Rennen mit einem Schmunzeln: «Dass er das gesagt hat, hat mich etwas überrascht. Ich bin sicher sehr direkt und ehrlich, aber Lara war noch etwas direkter.» Dann stimmt sie ihrem Stiefvater doch noch zu. «Ich weiss haargenau, was ich will und was ich brauche. Das hatte sie sicherlich auch.»
Trotzdem betont die junge Athletin: «Ich will nicht in Laras Fussstapfen treten. Sie hat ihre Karriere gemacht und war eine fantastische Skifahrerin. Auch als Person war sie mega cool, auch wenn ich sie nicht so gut gekannt habe.»
Sie sei früher selbst Fan von ihr gewesen, sagt sie lachend. «Ich will einfach meine eigene Karriere machen und meinen eigenen Weg gehen. Mein Ziel ist es gar nicht, die nächste Lara Gut-Behrami zu sein.»
Darum versuche sie auch nicht, ihre Vorbilder auf den Ski nachzuahmen. «Zum Beispiel fährt Camille Rast genial Ski. Aber ich könnte niemals so fahren wie sie. Ich kann ihre Videos anschauen und analysieren, warum sie schnell ist. Aber ich versuche nicht, sie zu kopieren. Ich will mit meinem eigenen Stil so schnell wie möglich sein.»
So schnell, dass Sue Piller eines Tages nicht nur die olympischen Ringe als Tattoo auf der Haut trägt, sondern auch Olympia-Gold um den Hals tragen darf.
Nino Vinzens (nvi) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Seine Expertise verteilt sich hauptsächlich auf die Sportarten Fussball, Ski Alpin und Eishockey.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.
