Ewigkeitschemikalien PFAS – Kann der nationale Aktionsplan das PFAS-Problem lösen?

PFAS, auch Ewigkeitschemikalien genannt, können unsere Gesundheit gefährden. Sie gelangen in unseren Körper und reichern sich an. Ein nationaler Aktionsplan versucht, die Lage zu erfassen und Massnahmen zu formulieren. SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg hat sich damit befasst.
Christian von Burg
SRF-Wissenschaftsredaktor
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Der 1972 geborene Journalist arbeitet seit 2017 für die SRF-Wissenschaftsredaktion. Vorher war er Inlandredaktor bei Radio SRF und bei der Zeitung «Der Bund».
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Was sieht dieser Aktionsplan vor?
Es ist ein Potpourri von Vorschlägen und Massnahmen: ein Verbot von PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) in Feuerlöschern zum Beispiel – das wird schon bald umgesetzt, die Messung von PFAS in der Muttermilch oder die Frage, wie man PFAS am besten ersetzen kann. Das zeigt die Breite dieses Aktionsplans und auch die Breite des Problems. Die Federführung hat das Bundesamt für Umwelt. An einer Informationsveranstaltung wurden kürzlich Fachleute aus allen Bereichen informiert und angehört. Die Einschätzungen zu diesem Aktionsplan gehen weit auseinander.
Das sieht der Aktionsplan derzeit vor
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Der Aktionsplan ist erst in der Entstehungsphase. Er ist eine breite Sammlung. Verschiedene Massnahmen oder Projekte können sich noch verändern oder ganz rausfallen. Hier einige ausgewählte Aspekte:
- Gestaffelter Abschied von PFAS-haltigen Löschschäumen in Feuerlöschgeräten ab Dezember 2026 bis 2037 (für grosse Erdöltanklager)
- Verbot von PFAS-haltigen Lebensmittelverpackungen
- Messung von PFAS in Abwasser und Klärschlamm
- Studien zur Suche nach Alternativen für PFAS für die Industrie
- Sammel- und Entsorgungsaktion für PFAS-haltige Skiwachse
- Routinemässiges PFAS-Monitoring in Boden und Wasser
- Untersuchung von PFAS-Hotspots wie Feuerwehrlöschplätzen
- Messung von PFAS in der Muttermilch
- Messung von PFAS im Niederschlag
- Messung von PFAS in der Luft
- Entwicklung von PFAS-Schnelltests für Lebensmittel
- Klärung des Umgangs mit stark belasteten Böden
- Einführung eines Grenzwerts für die Grundwasserqualität
- Klärung der PFAS-Kontamination in der Nahrungskette
- Spezialgesetz zum Umgang mit Härtefällen in der Landwirtschaft
Wie kann man PFAS vermeiden?
Das ist eben das Problem. Wie viel PFAS wir zum Beispiel über die Lebensmittel zu uns nehmen, ist oft unklar, und wie viel davon für wen schädlich ist, ist bei niedrigen Dosen ebenfalls unklar. Um das zu klären, bräuchte es ein umfassendes Gesundheitsmonitoring für alle Gebiete der Schweiz, weil die Belastungen lokal sehr verschieden sind. Doch das Parlament hat dieses Langzeit-Gesundheitsmonitoring Ende 2025 aus Spargründen gestoppt. Jetzt versucht man, dieses Monitoring über andere, bereits laufende Studien wenigstens teilweise umzusetzen, zum Beispiel durch Analysen der Muttermilch oder durch Zusätze in anderen bereits laufenden Studien. Aber das bleibt ein Flickwerk. Verschiedene Wissenschaftler, mit denen ich gesprochen habe, sagen, wir seien im Blindflug unterwegs und der vom Bund neu vorgeschlagene Höchstwert für das Trinkwasser sei deutlich zu hoch.
Der Aktionsplan soll erst nächstes Jahr verabschiedet werden. Wieso geht das so lange?
Der Aktionsplan wird von den beteiligten Bundesämtern weiter ausgearbeitet, mit den Kantonen besprochen und dann vom Bundesrat Ende 2027 verabschiedet. Aus Konsumentensicht ist das lang, aber das Problem ist so komplex, dass die Koordination wohl ihre Zeit braucht. Mein Eindruck bisher ist jedoch: Das ist kein energisches Durchgreifen bei diesen gesundheitsgefährdenden Chemikalien. Andere umliegende Länder reagieren deutlich vehementer – auch die EU insgesamt kennt strengere Grenzwerte. Gleichzeitig sind im Schweizer Parlament viele Vorstösse zum Thema in Diskussion, die in ganz verschiedene Richtungen gehen. Es kommt also auch auf die Mehrheitsentscheide in der Politik an, ob dieser Aktionsplan am Ende Früchte trägt oder ob er eher zu einem zahnlosen Tiger verkommt.
Wer kämpft in der PFAS-Debatte für welche Interessen?
Die Lebensmittelverarbeiter, insbesondere die Grossmetzgereien, möchten mehr Transparenz, weil sie wissen wollen, in welchem Fleisch wie viel PFAS steckt. Die Bauernbetriebe hingegen wollen erst klar geregelt haben, wie sie finanziell entschädigt werden, falls ihre Böden zu stark mit PFAS verseucht sind. Auch die Industrie steht auf der Bremse und verlangt viele Ausnahmen, weil für verschiedene Anwendungen von PFAS noch keine guten oder günstigen Alternativen vorliegen und der Konsumentenschutz wiederum fordert, dass jetzt endlich etwas geht und mehr Klarheit für die Bevölkerung geschaffen wird. Um die Regulierung der Ewigkeitschemikalien wird also absehbar noch lange gestritten.
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