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Saturday, October 10, 2026

«Wohlstandsverwahrlosung»: Rheinmetall-CEO kritisiert die Schweiz

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  • Oliver Dürr (55), Chef der Luftverteidigungssparte bei Rheinmetall in Zürich Oerlikon, tritt nach fünf Jahren überraschend zurück.
  • Als Grund nennt er Erschöpfung – vor sechs Jahren erlitt er einen Schlaganfall, nun müsse er auf seinen Körper hören.
  • Im NZZ-Interview kritisiert er die Schweizer Sicherheitspolitik scharf und warnt, dass Rüstungsunternehmen das Land verlassen könnten.

Nach fünf Jahren verlässt Oliver Dürr (55) überraschend den Rüstungskonzern Rheinmetall und damit auch die Leitung des Standorts für Air Defence in Zürich Oerlikon. Der bisherige Chef der Luftverteidigungssparte spricht in einem Interview mit der NZZ über seinen Rücktritt.

«Weil ich müde bin», begründet Dürr seinen Abgang. Er habe sich in den vergangenen Jahren aufgerieben und spüre die Belastung inzwischen körperlich. Selbst nach den Ferien sei er ausgelaugt. Vor sechs Jahren erlitt er einen Schlaganfall. Nun müsse er auf seinen Körper hören.

Dabei verlässt Dürr das Unternehmen mitten im Aufschwung. Unter seiner Führung hätten sich Umsatz und Belegschaft verdreifacht. Gerüchte, er sei entlassen worden, weist er zurück. Er habe selbst gekündigt.

«Wir müssen aufwachen»

Kritik übt Dürr an der Schweizer Sicherheitspolitik. Die Bedrohung durch Drohnen werde unterschätzt. Andere europäische Staaten seien längst weiter. «Wir sind längst nicht mehr die Insel der Glückseligen», sagt er gegenüber der NZZ. Dann wird er deutlich: «Womöglich braucht es eine fremde Drohne auf dem Bundesplatz – ohne dass jemand zu Schaden kommt, versteht sich.»

Die Schweiz sei auf solche Bedrohungen kaum vorbereitet. Nicht einmal die Zuständigkeit für die Abwehr einer fremden Drohne sei geklärt.

Warnung vor Abwanderung der Rüstungsindustrie

Die bürgerlichen Parteien würden zwar eine starke Armee fordern, bei der Finanzierung aber nicht geschlossen handeln. «Auf dem Papier haben wir ein bürgerliches Parlament, in der Realität sehe ich davon wenig», so Dürr weiter.

Für die rasche Aufrüstung hält er inzwischen sogar eine moderate Mehrwertsteuererhöhung für notwendig, obwohl er Steuererhöhungen als Unternehmer grundsätzlich ablehne. Gleichzeitig warnt Dürr vor den Folgen eines Neins zur Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes. Mehrere Rüstungsunternehmen könnten die Schweiz verlassen.

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«Das ist Wohlstandsverwahrlosung»

Dürr wirft der Schweiz vor, sich zu sehr auf ihren Wohlstand und ihre Neutralität zu verlassen. Die Gesellschaft sei verwöhnt und blende unangenehme Realitäten aus. «Das ist Wohlstandsverwahrlosung», sagt er.

Gegenüber der NZZ kritisiert er zudem eine aus seiner Sicht widersprüchliche Haltung bei Waffenexporten. Europa kaufe beispielsweise israelische Waffen, wolle selbst aber nicht nach Israel liefern. Das sei «Heuchelei in Reinkultur».

Jonas Bucher

Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.

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