Boykottgefahr: Bundesregierung sucht Lösung für Eishockey-WM
Der Weltverband im Eishockey (IIHF) wirkt auch nach tagelangen Beratungen wie gelähmt. Dafür hat sich die Bundesregierung eine Woche nach dem umstrittenen Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS zur sofortigen Wiedereingliederung Russlands nun positioniert.
Unser Ziel muss sein, das Turnier wie geplant durchzuführen. Das wäre angesichts der Boykotte bei Zulassung Russlands faktisch aber nicht möglich.
Stefan Kornelius, Sprecher der Bundesregierung
Mehrere Nationen kündigen WM-Boykott an
Vor dem Hintergrund der von mehreren Nationen angekündigten Boykotte der Weltmeisterschaft 2027 bei einer Teilnahme Russlands "wollen wir jetzt tatsächlich auf dem Gesprächswege Möglichkeiten ausloten, wie wir das Turnier dennoch stattfinden lassen können", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius.
Der CAS hatte die seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine von der IIHF ausgesprochene Suspendierung russischer Teams von Weltmeisterschaften für 2027 aufgehoben und damit für großes Unverständnis gesorgt.
Breiter Widerstand mit Boykott-Ankündigungen regt sich bei vielen Ländern gegen eine Teilnahme Russlands an der Eishockey-WM 2027 in Deutschland. ZDF-Redakteur Kontantin Klostermann ordnet ein.
04.11.2026 | 2:56 minEishockey-Bund bat Bundesregierung um Hilfe
WM-Sponsoren kündigten ihren Rückzug an. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hatte erwogen, auf Ausrichtung des Turniers zu verzichten und sich dabei auch an die Bundesregierung gewandt.
Laut Regierungssprecher Kornelius habe es in den vergangenen Tagen viele Gespräche gegeben: Mit dem DEB, aber auch mit dem frisch gekürten IIHF- und ehemaligen DEB-Präsidenten Franz Reindl sowie dem Deutschen Olympischen Sportbund.
Nach einem Urteil des CAS darf die russische Eishockey-Nationalmannschaft wieder an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Was das für die WM in Deutschland bedeutet, ist unklar.
30.10.2026 | 1:28 minKanada will Russen Visa für U20-WM verweigern
Längst hat das Thema auch die internationale Politik erfasst. Kanadas Premierminister Mark Carney schloss öffentlich aus, dass eine russische Auswahl an der U20-WM am Jahresende in Kanada teilnimmt, und verwies auf die Möglichkeit, Visa für russische Sportler zu verweigern. Dies schließt auch die Bundesregierung für die WM 2027 nicht aus.
Auch Kremlchef Wladimir Putin schaltete sich in die Debatte ein. Der Eishockey-Fan warf einigen nicht näher genannten Ländern politische Beschränkungen gegen russische Sportler vor.
André Rankel hat einen erfolgreichen Einstand als Eishockey-Bundestrainer gefeiert. Sein DEB-Team gewann zum Auftakt beim Deutschland Cup in Düsseldorf mit 3:0 gegen Österreich.
06.11.2026 | 1:11 minCAS: Keine ausreichenden Beweise für weiteren Ausschluss
Der CAS selbst sah sich bemüßigt, sein Urteil zu verteidigen. Das Gericht bescheinigte der IIHF dabei grobe Versäumnisse. Der Weltverband habe keine ausreichenden Beweise vorgelegt, um die rechtlichen Voraussetzungen für den Ausschluss russischer Mannschaften zu belegen.
Diese möglichen Versäumnisse wurden vor der Kür Reindls zum IIHF-Präsidenten begangen. Dennoch droht der frühere deutsche Nationalspieler nun früh an seinem Vorhaben zu scheitern, den Weltverband zu einer Einheit zu formen. Denn dort stehen sich viele pro-russische und russisch-kritische Akteure gegenüber.
Zerrissenheit im Eishockey-Weltverband
Wie groß die Zerrissenheit ist, zeigt auch die Dringlichkeitssitzung des IIHF-Council. Die sollte eigentlich am vergangenen Montag stattfinden und wurde immer weiter verlängert. Bis zum Freitag konnten sich die Mitglieder indes nicht auf ein gemeinsames Vorgehen nach dem Urteil verständigen.
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