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Monday, November 2, 2026

Berner Bau-Bürokratie aus der Papier-Steinzeit!

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«Unverständlich und mühsam»

Berner Bau-Bürokratie aus der Papier-Steinzeit!

Zürich verbietet Papier, Bern hält daran fest: Obwohl Baugesuche längst digital abgewickelt werden, verlangen die Behörden weiterhin fette Aktenbündel. Das sorgt für viel Unmut – doch in den Berner Amtsstuben geht man es eher gemächlich an.

Publiziert: vor 13 Minuten

  • In Bern müssen Bauherren ihre Gesuche digital und zusätzlich auf Papier einreichen
  • Politiker kritisieren die teure Doppelspurigkeit, doch ein Ende der Papierpflicht ist noch nicht absehbar
  • Zürich stellt vollständig auf digitale Baugesuche um, viele Gemeinden akzeptieren bereits kein Papier mehr

Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Wer ein Haus bauen will, braucht nicht nur Geld und gute Nerven. Je nach Wohnort empfiehlt sich auch ein Drucker, der für den Dauereinsatz gerüstet ist. Denn während alle von Digitalisierung reden, stapelt sich auf manchen Bauämtern noch immer das Papier.

Wie weit da die Welten auseinanderliegen können, zeigt exemplarisch der Vergleich zwischen Zürich und Bern: Die beiden einwohnerstärksten Kantone liefern sich seit je einen gewissen Wettstreit. Hier die gemütlichen Berner, dort die geschäftstüchtigen Zürcher? Das mögen abgenutzte Klischees sein. Doch ausgerechnet bei Baugesuchen bekommen sie plötzlich neuen Auftrieb.

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Während Zürich gerade das Papierzeitalter definitiv hinter sich lässt, klammert sich Bern hartnäckig an die Akten. Bauherren müssen hier ihr Gesuch zwar ebenfalls digital einreichen – aber auch ausdrucken, unterschreiben und im Doppel bei der Gemeinde abliefern.

SVP-Mann kritisiert «Berner Halb-Digitalisierung»

Seit März 2022 sind in Bern sämtliche Baugesuche über die kantonale Plattform eBau hochzuladen. Trotzdem sind bis heute die ausgedruckten Unterlagen rechtlich massgebend. Und selbst der Bauentscheid flattert weiterhin ausgedruckt ins Haus.

«Das ist schlicht unverständlich und mühsam», sagt Reto Zbinden (41) zu Blick. Immer wieder vernimmt der SVP-Grossrat aus Mittelhäusern BE Klagen über die umständlichen Abläufe. Bei Bauherren und Gemeinden führten die Doppelspurigkeiten zu unnötigen Kosten. Zbinden spricht von der «Berner Halb-Digitalisierung». Denn: «Die Behörden wollten Bürokratie abbauen, behalten aber gleichzeitig alte Abläufe bei.» Unter dem Strich habe man damit sogar noch mehr Aufwand.

Wie absurd das werden kann, zeigt sich laut Zbinden schon bei kleineren Bauvorhaben, etwa beim Einbau einer Wärmepumpe. Auch hier könnten sich Pläne und Gutachten rasch zu einem dicken Dossier summieren.

Regierung gibt sich selbstkritisch

Warum produziert Bern noch immer solche Papierberge? In Umfragen beklagen Berner Firmen die umständlichen Verfahren bei ihren Bauvorhaben. Und im Kantonsparlament wächst der Druck auf die Regierung: Die Thuner Grünen-Politikerin Andrea de Meuron (53) forderte bereits vor Monaten in einem Vorstoss, der Kanton solle bei Baugesuchen endlich ganz auf Papier verzichten. Für sie ist das Nebeneinander von digitalen und gedruckten Unterlagen schlicht eine «systemwidrige Doppelspurigkeit».

Bemerkenswert: Der Vorstoss wurde von Politikern aus sechs Parteien von links bis rechts mitgetragen. De Meuron sitzt inzwischen im Nationalrat, doch der Vorstoss steht diesen November im Kantonsparlament auf der Traktandenliste.

Auch die Regierung gab sich selbstkritisch: Sie räumte ein, dass die heutige Mischform zu mehr Aufwand führt. Zudem warnte sie vor widersprüchlichen Planinhalten, wenn Papierdossiers und digitale Akten parallel geführt werden. Die Regierung bekräftigte, man wolle ganz vom Papier wegkommen.

Der Wille ist da. Doch wie steht es ums Tempo? Aus dem Parlament kommt weiter Druck, zu gross ist der Unmut über die Verzögerungen. SVP-Mann Zbinden hakte beim Regierungsrat nach. In seiner jüngsten Stellungnahme verwies dieser auf die laufende Gesetzesrevision und offene technische Fragen. Doch einen konkreten Termin für die Abschaffung der Papierpflicht nannte er nicht. Selbst die künftige Ausgestaltung des Verfahrens sei «zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bekannt».

Zbinden fehlt es an einem klaren Fahrplan. Immer wieder bekomme man zu hören, dass der Kanton Bern mit seiner Geografie, den vielen Gemeinden und der Zweisprachigkeit komplexer sei als andere, sagt er. «Das ist zweifellos so. Aber es darf keine Ausrede sein, die Prozesse nicht an die digitalen Möglichkeiten anzupassen.»

Fertig Papier! Das ist Zürichs Devise

Ganz anders das Tempo in Zürich. Seit zweieinhalb Jahren ist die vollständig digitale Abwicklung von Baubewilligungsverfahren rechtlich möglich. Seither stellen die Gemeinden schrittweise um. Bis Ende März 2027 müssen alle den Wechsel vollzogen haben.

Wie das aussieht, demonstriert aktuell etwa Winterthur: Seit dem 1. Oktober werden neue Baugesuche ausschliesslich elektronisch entgegengenommen. Wer sie trotzdem auf Papier einreicht? Der bekommt seine Unterlagen von der Stadt kurzerhand zurückgeschickt. Adieu, Aktenberg!

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