Militär an Publikumsmesse – Olmaauftritt der Schweizer Armee sorgt für Kritik

Militär an Publikumsmesse Olmaauftritt der Schweizer Armee sorgt für Kritik
Der Auftritt der Armee an der Olma ist umstritten. Politiker finden Grösse, Kosten und Gamecharakter fragwürdig.
Die Präsenz ist unübersehbar: Auf rund 2000 Quadratmetern zeigt die Schweizer Armee an der traditionellen Messe für Landwirtschaft und Ernährung in St. Gallen, was Verteidigungsfähigkeit des Landes heute und in Zukunft heisst. Es geht um Panzer, Waffen, Cybersicherheit und Pferde. Während der elf Messetage stehen 250 Militärdienstleistende im Einsatz.
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Bild 1 von 4. Am Olmaumzug gibt es Militärschoggi aus dem Panzer. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Bild 2 von 4. Wer will, kann mit einem Raketenrohr ein Ziel anvisieren. Bildquelle: SRF/Tagesschau.
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Bild 3 von 4. Waffen liegen zum Ausprobieren bereit. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Bild 4 von 4. Grosses Thema: Drohnen. Bildquelle: Keystone/Gian Ehrenzeller.
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Der Auftritt stösst auf Widerstand. Im Nationalrat reichte Barbara Gysi (SP/SG) einen parlamentarischen Vorstoss zu Kosten und Nutzen ein. Er ist noch nicht beantwortet.
Vorwurf der «Gamifizierung» von Krieg
Der St. Galler SP-Nationalrat Arbër Bullakaj findet es bedenklich, wenn Kinder auf Panzer klettern, Panzerfäuste in die Hand nehmen und Abschüsse simulieren: «Das Ganze wird geradezu gamifiziert und das angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage.»
Hier erleben wir eine extreme Beschönigung von Kriegsgeräten, Lärm und Panzern.
Arbër Bullakaj kritisiert vor allem die Verharmlosung: «Wir haben Soldatinnen und Soldaten, die durch ihre Erlebnisse psychisch zerstört sind. Hier hingegen erleben wir eine extreme Beschönigung von Kriegsgeräten, Lärm und Panzern.» Und dies in Zeiten, in denen jeder Franken zusammengekratzt werde, um die Armee zu finanzieren. Gleichzeitig werde eine Sonderschau an der Olma durchgeführt.
Wir sind ein Publikumsmagnet und die Olma ist froh um unsere Sonderschau.
Divisionär Brülisauer, selbst Ostschweizer und einer der höchsten Militärs des Landes, hält dagegen: Man wolle nichts beschönigen. Die Menschen würden solche Waffen aus den Medien und der Kriegsberichterstattung kennen. «Wir können die Waffen erklären und aufzeigen, dass die Schweizer Armee die Bevölkerung schützen würde.»
Die Sachkosten für den Olma-Auftritt beziffert die Armee auf rund 300'000 Franken – das Dienstpersonal nicht eingerechnet. Für die Armeeführung ist der Auftritt dennoch gut investiertes Geld: «Wir sind ein Publikumsmagnet, und die Olma ist froh, dass wir unsere Sonderschau hier zeigen», sagt Divisionär Willy Brülisauer.
Uneinigkeit in bürgerlichen Reihen
Selbst innerhalb bürgerlicher Kreise und der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK) des Nationalrates scheiden sich die Geister. Zu reden gibt vor allem die Grösse der Ausstellung.
Den Charme kann man sich auch im kleineren Rahmen holen.
Der St. Galler SVP-Nationalrat Walter Gartmann zeigt sich gegenüber den Ausgaben skeptisch: «Den Charme kann man sich auch im kleineren Rahmen holen.» Es sei zumindest fragwürdig, so viel Geld für eine Messe auszugeben, während man gleichzeitig jeden Rappen zusammenkratzen müsse, um die Armee zu finanzieren.
Sein Parteikollege Michael Götte (SVP/SG) sieht das anders: «Wir müssen zeigen, was wir haben und können. Aber auch, was wir noch brauchen, um unsere Aufgabe der Verteidigungssicherheit zu gewährleisten.» Die Olma sei genau der richtige Ort dafür.
Armeechef verteidigt «Balanceakt»
In den letzten zwei Jahren strich die Armee aus Spargründen publikumswirksame Auftritte fast gänzlich. Der neue Armeechef Benedikt Roos sieht die Präsenz in St. Gallen als wohlüberlegten Kompromiss: «Es ist ein Balanceakt.»
Einerseits handle es sich um Steuergelder. Andererseits habe die Bevölkerung das Recht zu sehen, was die Armee sei und mache. Die Sonderschau an der Olma sei gross, aber «finanziell absolut vertretbar». Ganz grosse Shows seien abgesagt worden.
Die Olma Messen haben die Schweizer Armee eingeladen. «Sonderschauen sind für die Handschrift der Messe wichtig», sagt CEO Christine Bolt. «Wir wollen einen Dialog ermöglichen.»
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