Nach Sabotage in Polen vier Festnahmen in Deutschland
"Auf Antrag der polnischen Geheimdienste hat die deutsche Polizei zwei türkische Staatsbürger festgenommen, die verdächtigt werden, die Starlink-Station in Masowien angezündet zu haben", schrieb Polens Regierungschef Donald Tusk auf der Plattform X. "Die Täter dieser Sabotageaktion werden sich vor der polnischen Justiz verantworten müssen."

Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) bestätigte inzwischen, dass in Nürtingen zwei Männer auf polnisches Ersuchen hin festgenommen wurden - ohne Angaben zu den Hintergründen zu machen. Sie sollen demnach im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden.
Laut einem Bericht des polnischen Radiosenders RMF FM wurden inzwischen zwei weitere Verdächtige in Berlin gefasst, ein Mann und eine Frau. Die Frau stehe im Verdacht, als Fahrerin für die beiden zuvor festgenommenen Beschuldigten agiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft werde nun das Ausmaß ihrer Beteiligung prüfen und entscheiden, ob ihre Auslieferung beantragt werde.
Die Rolle des festgenommenen Mannes sei ebenfalls Gegenstand von Ermittlungen. Angaben zur Nationalität der Verdächtigen machte der Radiosender nicht.
Starlink ist wichtig für ukrainische Streitkräfte
Am 23. September war in einem Terminal des Satelliteninternetdienstes Starlink in Wola Krobowska, etwa 50 Kilometer südlich von Warschau, ein Brand ausgebrochen. Starlink wird vom Raumfahrtunternehmen SpaceX des US-Tech-Milliardärs Elon Musk betrieben und spielt für die Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte eine wichtige Rolle.

Die attackierte Station, die bei dem Brand nicht zerstört wurde, wird nach Angaben der polnischen Behörden unter anderem dazu genutzt, Internetdaten durch Polen in die Ukraine zu leiten. Die polnische Regierung sprach kurz nach dem Anschlag von einem wahrscheinlichen Sabotageakt.
"Keinerlei Zweifel" an russischer Beteiligung
Polens Innenminister Marcin Kierwinski sagte, sobald die nun gefassten Tatverdächtigen nach Polen gebracht würden, werde man ihnen Sabotage und die Tätigkeit im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes zur Last legen. Der Minister für die Koordinierung der Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, betonte, es gebe "keinerlei Zweifel daran, dass hinter diesem Sabotageakt russische Geheimdienste stehen". Diese würden immer häufiger auf Personen zurückgreifen, die Verbindungen zur kriminellen Welt hätten.
Polens Polizeichef Marek Boron sagte, die Ermittler hätten nach dem Brandanschlag die Vorbereitungen auf die Tat sowie die Flucht vom Tatort rekonstruieren können. "Wir verfügen über Fingerabdrücke, DNA-Spuren der Täter sowie Informationen darüber, wie sie sich bewegt haben, wann sie nach Polen eingereist sind und wann sie aus unserem Land ausgeflogen wurden", sagte er.
Seinen Angaben nach besitzt einer der in Baden-Württemberg festgenommenen Tatverdächtigen die türkische Staatsangehörigkeit und ist in Deutschland ansässig. Der andere Festgenommene habe ebenfalls die türkische Staatsangehörigkeit, für ihn gebe es in Deutschland eine Abschiebungsanordnung. Man hoffe, dass beide schnell an die polnischen Behörden überstellt würden.
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