Gen-Z-Proteste: Den Erfolg nicht von rechten Krawallmachern kapern lassen

Trotz rechter Panikmache gingen Zehntausende mit der Gen Z auf die Straße. Zeit, über ihre Forderungen zu reden.
Foto: David Ebener/dpa
W as war das jetzt eigentlich, mag man sich mit Blick auf die zurückliegenden Gen-Z-Proteste in vielen deutschen Städten am Wochenende fragen. Über was müssen wir denn nun reden? Darüber, dass es gewaltsame Ausschreitungen gab, teils sogar Plünderungen von Geschäften, wie in Frankfurt am Main geschehen? Oder sollte man nicht eher bemerken, dass angesichts der großen Panikmache aus konservativen Kreisen und ihren medialen Sprachrohren eigentlich sogar sehr wenig Krawalle und Gewalt passiert sind? Und was macht man mit der Zahl von – laut aufrufendem Bündnis „Gen Z regelt“ – 120.000 Teilnehmer*innen bundesweit: Top oder Flop?
Vielleicht fängt man genau hier mal an: 120.000 Teilnehmer*innen, die an einem nasskalten Oktobernachmittag für reichlich weit gefasste Forderungen – „für ein bezahlbares Leben“, „mehr Geld für Schulen“, „Nein zur Wehrpflicht“ – auf die Straße gehen, sind selbstverständlich ein Erfolg. Auch Familien, ältere Menschen und Gewerkschaftsmitglieder sind dem Protestaufruf gefolgt, obwohl sich keine namhaften Organisationen dem Aufruf angeschlossen hatten, im Gegenteil: Die Bundesschüler*innenkonferenz hatte sich im Vorfeld sogar noch klar distanziert, weil nicht erkenntlich sei, wer genau hinter „Gen Z regelt“ stehe und was eigentlich der Fokus der Proteste sein solle.
Viele sind dennoch solidarisch mit der Gen Z auf die Straße gegangen. Und das, obwohl im Vorfeld besonders aus den Reihen der Union, fleißig unterstützt von Polizeigewerkschaft und Springer-Medien, massiv Ängste vor Randale à la Frankreich geschürt wurden – gerne mit rassistischen Ressentiments versehen. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm, sprach von einer „Kaperung“ der Proteste durch Linksextremisten und Kriminelle aus dem migrantischen Milieu, der Bundesvorstand der Polizeigewerkschaft via Bild gleich von „Krawallmigranten“, die von der Polizei „keine Gnade“ erwarten dürften.
Dass die Sicherheitsbehörden unmittelbar vor dem Protesttag überhaupt „keine weitergehenden Erkenntnisse zu konkreten Gewaltaufrufen oder zu geplanten gewalttätigen Ausschreitungen“ hatten, ging als Randnotiz unter.
Es ist also ein Erfolg, dass 120.000 Menschen solidarisch und friedlich protestiert haben, obwohl nach Kräften versucht wurde, das zu verhindern. Oder vielmehr: Obwohl von rechts maximal versucht wurde, das Krawallnarrativ für die eigene Agenda zu instrumentalisieren. Es ist übrigens auch positiv, dass es Krawallmachern, ob nun von antikapitalistischer Dringlichkeit erfüllt oder nur an neuen Sportschuhen interessiert, höchstens punktuell gelang, die Demos zu „kapern“.
Nun wird die Frage sein, worüber die Politik eigentlich nach diesem Wochenende zu reden hat. Die SPD hat inzwischen einen Bildungsgipfel gefordert. Gute Idee und höchste Zeit, sich endlich inhaltlich mit den sehr legitimen Forderungen der Gen Z zu beschäftigen.
Anna Klöpper Leiterin taz.eins
Seit 2011 bei der taz. Leitet gemeinsam mit Sunny Riedel das Ressort taz.eins. Hier entstehen die ersten fünf Seiten der Tageszeitung, inklusive der Nahaufnahme - der täglichen Reportage-Doppelseite in der taz. Davor Ressortleiterin, CvD und Redakteurin in der Berliner Lokalredaktion. Themenschwerpunkte: Bildungs- und Familienpolitik.
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