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Monday, September 21, 2026

Milena (20): «Ich hasse es, dass hier alle mit Twint zahlen»

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  • Die 20-jährige Deutsche Milena ist für ihr Studium der Gesundheitswissenschaften nach Luzern gezogen.
  • Hier schätzt sie die Schweizer Politik, die Freundlichkeit, die Natur und die pünktlichen öffentlichen Verkehrsmittel.
  • Aus Deutschland vermisst sie vor allem Drogeriemärkte wie DM und Rossmann.
  • Die hohen Preise und die starke Verbreitung von Twint nerven sie dagegen – trotzdem kann sie sich vorstellen, dauerhaft in der Schweiz zu leben und zu arbeiten.

Zügig läuft Milena am Ufer des Vierwaldstättersees entlang. Vor ihr glitzert das Wasser, darüber ragen die Berge in den Himmel. Ihr Ziel: die Uni Luzern. Erst seit wenigen Wochen gehört dieser Anblick zum Alltag der 20-jährigen Deutschen. Grund dafür ist ihr Vollzeitstudium der Gesundheitswissenschaften.

«Ich wollte schon immer in der Schweiz studieren», sagt Milena gegenüber 20 Minuten. Zunächst habe sie mit einem Studium an der HSG geliebäugelt, sich dann aber für Luzern entschieden. Auch die aktuelle politische Lage in Deutschland habe ihren Entschluss bestärkt. «Ich stimme hier viel mehr mit der Politik überein – sie ist viel näher an den Bürgerinnen und Bürgern.»

«Ich habe angefangen, ‹öpis› statt ‹etwas› zu sagen»

Weil sie nahe der Schweizer Grenze aufgewachsen ist, habe sie in Luzern keinen klassischen Kulturschock erlebt. Etwas sei ihr aber vom ersten Tag an aufgefallen: «In der Schweiz muss man nirgends lange warten. Egal, ob bei den Behörden oder an der Uni – mir wurde immer schnell und freundlich geholfen. In Deutschland sind die Leute oft grimmiger.»

Milenas Uni-Alltag in Luzern: Auf dem Laptop die Lernplattform der Uni Luzern – im Hintergrund der Pilatus.

Milenas Uni-Alltag in Luzern: Auf dem Laptop die Lernplattform der Uni Luzern – im Hintergrund der Pilatus.Privat

Neben der Freundlichkeit habe sie an ihren ersten Unitagen rasch gemerkt, dass Schweizerinnen und Schweizer eher zurückhaltend seien. «Freundschaften zu schliessen, war am Anfang gar nicht so leicht», erzählt Milena. Auch die Sprache sei nicht immer einfach gewesen: «Vor allem mit dem Berner Dialekt habe ich Mühe. Der Zürcher und Aargauer Dialekt sind beispielsweise viel leichter.»

Könntest du dir vorstellen, im Ausland zu studieren?

Inzwischen rutsche ihr selbst schon ab und zu Schweizerdeutsch über die Lippen: «Ich habe angefangen, ‹öpis› statt ‹etwas› zu sagen oder ‹uf Zürich› statt ‹nach Zürich›.» Um die richtige Aussprache bemüht, fügt sie hinzu: «Ihr sagt auch ‹huere› statt ‹sehr› – das mache ich teilweise auch schon.»

Pünktliche Busse, aber teure Gym-Abos

Am Leben in der Schweiz gefalle ihr vor allem die Natur. «Man kann super wandern gehen oder nach der Uni noch im See baden», schwärmt sie. Auch von den öffentlichen Verkehrsmitteln ist Milena begeistert: «Die Busse fahren hier so pünktlich und sind so gut verbunden.»

Weniger begeistert ist die Deutsche von den Preisen. «Hier ist schon alles spürbar teurer – zum Beispiel das Gym-Abo. In Deutschland zahlte ich ungefähr 25 Euro im Monat, hier geht es schon gegen 100 Franken.» Als sie erstmals gehört habe, dass sogar Müllsäcke in der Schweiz kostenpflichtig sind, habe sie hart schlucken müssen.

Worüber sie sich besonders ärgert: «Ich hasse es, dass hier alle mit Twint zahlen. Warum hat niemand Paypal?» Mehrmals sei sie bereits in Situationen geraten, in denen sie nur mit Twint hätte bezahlen können. Doch für Twint braucht es ein Schweizer Konto – und dafür wiederum eine Aufenthaltsbewilligung, die bei Milena noch aussteht. Das Schweizer Zahlungsmittel habe sie deshalb bisher nicht installieren können.

«DM und Rossmann fehlen mir»

Was sie aus Deutschland am meisten vermisst? «Ganz klar die Drogeriemärkte wie DM oder Rossmann. In der Schweiz habt ihr nur Müller – und das ist nicht das Gleiche», sagt sie. Auch Biomärkte wie Alnatura fehlten ihr. Mit diesen Produkten decke sie sich jeweils zu Hause in Deutschland ein.

Das sei aber nur ein kleiner Wermutstropfen angesichts des morgendlichen Blicks auf die Berge und das Ufer des Vierwaldstättersees. Und auch der Uni-Alltag werde langsam zur Normalität. «Bisher macht mir das Lernen sehr Spass, und ich freue mich auf die nächsten Semester», erzählt sie. Schon jetzt kann sie sich vorstellen, nach dem Studium endgültig in die Schweiz zu ziehen und hier zu arbeiten.

Melissa Greiter

Melissa Greiter (mgr) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist seit Februar 2025 Redaktorin im Ressort News, Wirtschaft und Videoreportagen.

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