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Sunday, October 11, 2026

Flüchtlingskatastrophe am Roten Meer: Mehr als 100 Flüchtlinge vor Dschibuti ertrunken

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Ein Boot mit Menschen aus Äthiopien kentert auf dem Weg nach Jemen. Die Kriege in beiden Ländern eskalieren gleichzeitig, mit dramatischen Folgen.

Dominic Johnson

Auf der Fluchtroute aus dem Horn von Afrika auf die Arabische Halbinsel hat sich eines der tödlichsten bekanntgewordenen Bootsunglücke ereignet. Wie die UN-Migrationsbehörde IOM (Internationale Organisation für Migration) am Sonntag mitteilte, sind in der Nacht zu Freitag beim Kentern eines Schiffes auf dem Weg von Dschibuti nach Jemen mindestens 109 Migranten ertrunken, darunter 15 Kinder. Über 116 weitere würden noch vermisst, insgesamt hätten sich 350 Menschen auf dem überladenen Boot befunden, so IOM.

Die Überlebenden des Unglücks, über 80 Menschen, sind laut IOM sämtlich Äthiopier. Sie wurden auf hoher See geborgen und zurück nach Obock in Dschibuti gebracht.

Die Migrationsroute aus dem Horn von Afrika nach Jemen, von wo aus es weiter ins reiche Saudi-Arabien geht, ist eine der gefährlichsten der Welt. 4.200 Tote sind auf dieser „Ostroute“ aus Afrika seit 2014 dokumentiert worden. Das Jahr 2025 war das bisher tödlichste mit 922 Toten oder Vermissten.

Mehrere hunderttausend Menschen unternehmen diese Reise jedes Jahr. 90 Prozent davon stammen aus Äthiopien, das mit gut 130 Millionen Einwohnern mehr Menschen zählt als alle anderen Länder der Region zusammen. Rund ein Drittel der äthiopischen Migranten kommen laut Erhebungen aus der Bürgerkriegsregion Tigray. Saudi-Arabien schickt jedes Jahr Zehntausende Äthiopier mit Charterflügen in die Heimat zurück und es gibt Berichte über verbreitete Gewalt gegen Migranten in der jemenitisch-saudischen Grenzregion, aber dies hält die Menschen nicht ab. Das zweitwichtigste Herkunftsland ist Somalia.

Flüchtlingszahlen auf historischem Hoch

Die Zahlen der Migranten steigen neuerdings stark. Laut IOM wuchs die Zahl der Ausreisen auf der „Ostroute“ von rund 430.000 im Jahr 2024 auf rund 507.000 im Jahr 2025. Dieses Jahr ermittelt das IOM einen erneuten Anstieg auf bereits knapp 153.000 im ersten Vierteljahr 2026 – neuere Gesamtzahlen gibt es nicht.

Die Äthopier starten ihre Überfahrt zumeist im Kleinstaat Dschibuti, der von Jemen nur durch die Meerenge Bab el-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres getrennt liegt. Die Reise von rund 30 Kilometern dauert nicht lang. Der dschibutische Hafen Obock, von wo aus das jetzt gesunkene Flüchtlingsboot startete und wo die Geretteten jetzt versorgt werden, ist daher auch Zielort für Fluchtbewegungen in umgekehrter Richtung: aus Jemen nach Afrika.

Seit 2015 betreibt das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bei Obock das für 5.000 Menschen ausgelegte Flüchtlingslager Markazi. Vor der erneuten Kriegseskalation in Jemen vor gut einem Monat lebten dort 2.700 Flüchtlinge aus Jemen und 1.500 aus Eritrea. Inzwischen wurden bis vergangenen Donnerstag 3.807 neue Flüchtlinge aus Jemen in Dschibuti registriert.

Nun kommen die ersten Fluchtbewegungen aus dem neu ausgebrochenen Krieg in Äthiopien dazu – rund 20.000 seit Ausbruch der Kämpfe vor drei Wochen. Und die Meerenge zwischen Dschibuti und Jemen, neuerdings unter Kontrolle der jemenitischen Huthi-Rebellen, ist gefährlicher denn je.

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