Zwei Dörfer verlieren ihre Schulen: Stimmung ist «explosiv»

- Die Gemeinde Scuol GR will ab dem Schuljahr 2028/29 die Primarschulen in Ftan und Tarasp schliessen.
- Als Gründe nennt der Gemeinderat Einsparungen und sinkende Schülerzahlen in den kommenden Jahren.
- In den betroffenen Dörfern ist die Stimmung «explosiv» – Kritiker sehen den Fusionsvertrag von 2015 verletzt.
Die Grossgemeinde Scuol will ab dem Schuljahr 2028/29 die Primarschulen in Ftan und Tarasp schliessen. Das berichtete die «Südostschweiz».
Grund für die Schliessung der Schulen sei die Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde, sagt Gemeindepräsidentin Aita Zanetti auf Anfrage von 20 Minuten. «Die Zahl der Kinder in der Gemeinde Scuol geht zurück, und diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren auf die einzelnen Schulstandorte auswirken.»
Die Schülerzahl sinkt
Die Gemeinde wolle die Schulen langfristig pädagogisch sinnvoll und finanziell tragbar organisieren. Künftig sollen Kinder aus Ftan in Ardez und jene aus Tarasp in Sent zur Schule gehen. «Der Entscheid ist uns nicht leichtgefallen. Er schafft aber langfristig verlässliche Strukturen für die Schule in der gesamten Gemeinde», so Zanetti.
Gemeindepräsidentin versteht die Sorgen
Zanetti verstehe die Sorgen der Bevölkerung in Ftan um ihre Traditionen. «Die Schule ist in Ftan eng mit dem Dorfleben, der romanischen Sprache und lokalen Traditionen verbunden.» Diese Bedeutung verschwinde nicht mit einer neuen Organisation des Schulbetriebs, sagt die Gemeindepräsidentin.
«Die Identität eines Dorfes hängt nicht allein von einem Schulstandort ab, sondern vor allem von den Menschen, die sie leben und weitergeben.» Für Zanetti ist nun wichtig, gemeinsam mit der Bevölkerung nach Lösungen zu suchen. «Traditionen und die Verbindung der Kinder zu ihrem Dorf sollen auch künftig erhalten bleiben.»
Was passiert mit den leeren Schulhäusern?
Die Stimmung in der Bevölkerung wird im Artikel der «Südostschweiz» als «derzeit generell explosiv» beschrieben. Für die Pläne des Gemeinderates gebe es kein Verständnis.
Gab es in deiner Region ebenfalls Schulschliessungen?
20 Minuten hat bei der Gemeindepräsidentin nachgefragt, ob es bereits Pläne für die Schulhäuser nach der Schliessung gibt. «Für die Gemeinde ist wichtig, dass die Gebäude nach Möglichkeit weiterhin einen sinnvollen Nutzen für das Dorf und die Bevölkerung haben», teilt Zanetti mit.
Pläne gebe es jedoch noch keine. Für die künftige Nutzung habe die Gemeinde genügend Zeit, verschiedene Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen. «Dabei sollen auch die Bedürfnisse der jeweiligen Fraktionen berücksichtigt werden.»
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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