Wohl Tote bei Drohnenattacke auf Schiffe vor Bulgarien
Erneut sind zwei Handelsschiffe im Schwarzen Meer vor der bulgarischen Küste angegriffen worden. Eines der Schiffe sei gesunken, schrieb Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew auf Facebook. Ein Besatzungsmitglied sei gerettet worden. Weitere Angaben zu diesem Vorfall machte der Regierungschef zunächst nicht. Inzwischen teilten die Behörden mit, fünf Angehörige der Crew seien in Sicherheit; elf Seeleute würden vermisst.
Radew schrieb, das andere, unter maltesischer Flagge fahrende Schiff, das einen ukrainischen Eigner habe, sei offenbar von drei Drohnen getroffen worden. Die 15-köpfige Besatzung der "Chelsea 3" - sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner - habe gerettet werden können. Der bulgarischen Nachrichtenagentur BTA zufolge ereignete sich der Beschuss dieses Schiffes rund 33 Kilometer östlich des Küstenortes Bjala, der des anderen Frachters etwa 31 Kilometer vor dem Ort Krapez nahe der rumänischen Grenze.
Russische Botschafterin einbestellt
Der Ministerpräsident erklärte, auch wenn eindeutige Beweise fehlten, lege "die Logik" nahe, dass die Vorfälle Russland zugutekämen. Daher werde die russische Botschafterin einbestellt. Es handele sich um einen "eklatanten Verstoß gegen das Seerecht und allgemein gegen die Regeln der Schifffahrt".

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha machte Moskau direkt für die Angriffe verantwortlich. "Das Schwarze Meer ist eine Lebensader für die globale Ernährungssicherheit", schrieb er im Onlinedienst X mit Blick auf die Bedeutung des Seegebiets für Getreideexporte. Hier greife Russland an, "um Hunger als Waffe einzusetzen und die Welt als Geisel zu halten".
"Weitere Front in der Eskalation des Ukraine-Kriegs"
EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen verurteilte die Drohnenattacken "aufs Schärfste". Es sei "inakzeptabel", dass das Schwarze Meer zu "einer weiteren Front in der Eskalation des russischen Krieges in der Ukraine" geworden sei, schrieb sie auf X. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte nach einem Telefonat mit Radew, das Militärbündnis habe seine Präsenz an der östlichen Flanke bereits verstärkt. Man werde die Sicherheitslage weiter beobachten und die Verteidigungsbereitschaft "wenn nötig" anpassen.
Zweiter Fall innerhalb weniger Tage
Erst in der vergangenen Woche waren bei einem Drohnenangriff vor der bulgarischen Küste zwei Handelsschiffe getroffen worden. Dabei war einer der Frachter gesunken; die gesamte Besatzung gilt als vermisst. Auf dem zweiten Schiff war nach Angaben der bulgarischen Behörden ein Feuer ausgebrochen; die 18-köpfige Crew konnte in Sicherheit gebracht werden.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 wurden im Schwarzen Meer nach Angaben der türkischen Handelskammer für Seefahrt (IMEAK) fast 230 Zivil- und Handelsschiffe im Schwarzen Meer angegriffen, ein Großteil davon im laufenden Jahr.
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