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Wednesday, October 21, 2026

Epstein-Files – Epsteins Spuren zu Dutzenden Eliteschulen – auch in der Schweiz

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Diese E-Mail schreibt 2016 eine junge Musikerin an Jeffrey Epstein. Die Musikerin stammt aus dem Baltikum, studiert damals am Musikkonservatorium in Lugano und lässt sich ihr Studium zumindest teilweise von Epstein bezahlen. Zuvor war sie bereits an einer berühmten Musikhochschule in New York, wo Epstein ebenfalls einen Teil ihrer Ausbildung finanzierte. Dies geht aus Mails und Abrechnungen hervor, welche das US-Justizministerium Ende Januar veröffentlichte und als Epstein-Files bekannt wurden.

SRF hat mehr als zwei Millionen Dokumente systematisch durchsucht und Hunderte von Spuren gefunden, die auf Zahlungen Epsteins an Universitäten und Eliteschulen in einem Dutzend Ländern hindeuten – auch in der Schweiz. Bei einem Grossteil davon handelt es sich um die teilweise oder vollständige Begleichung von Studiengebühren oder damit verbundenen Spesen wie Kost und Logis. Bezahlt wurden sie mehrheitlich für junge Frauen oder aber für Mitarbeitende und deren Kinder.

Porträt eines Mannes mit einer lächelnden Schönheitskönigin im Hintergrund, Text darübergelegt.
Legende: «Epsteins Netz – bis in die Schweiz» ist eine Podcastserie von SRF News Plus Hintergründe.

Die Podcastserie von SRF erzählt von Frauen, die in den 1990er-Jahren in ein gefährliches Milieu geraten, in dem superreiche Männer wie Jeffrey Epstein und Donald Trump die Fäden ziehen. Die Geschichten zeigen, wie Epstein die Branche nutzte. Wie Epsteins System funktionierte, zeigen auch die Recherchen von SRF Data, die bis in die Schweiz führen.

Jetzt auf srf.ch/audio unter News Plus Hintergründe und auf den gängigen Podcastplattformen.

Es handelt sich um die erste systematische Analyse von Epsteins Zahlungen an Eliteschulen weltweit. Sie gibt einen Einblick, welche Rolle die Finanzierung von Bildungsleistungen im System Epstein spielte und wie er diese zu seinen Gunsten einsetzte.

«Benimm dich anständig»

Zum Beispiel die talentierte Musikerin aus dem Baltikum. Als sie 2013 einen Platz an einer sehr renommierten Musikschule in New York bekam, verschickte sie in ihrem Bekanntenkreis einen Brief, in dem sie nach einer Gastfamilie in New York suchte, um ihre Kosten tief zu halten. Eine Bekannte von ihr, ein Model, vermittelte sie dann an Jeffrey Epstein. In der Mail des Models an Epstein bittet diese ihn, sich zu «benehmen». Sie käme aus traditioneller Familie und sei verlobt:

Epstein schreibt in seiner kurz angebundenen Art zurück:

Wie die Epstein-Files zeigen, entsteht in der Folge eine Beziehung zwischen der Musikerin und Epstein, auch wenn unklar bleibt, woraus sich diese genau zusammensetzt. Klar ist, dass die Musikerin über Jahre vieles bezahlt bekommt: Teile der Ausbildung, Appartement, teure Zahnarztrechnungen, Flüge nach Europa, Geschenke, Reparatur ihres Instrumentes, sogar ihren Coiffeur, inklusive Instruktionen von Epstein («alles alte Blond muss weg»). Dokumentiert sind Dutzende von E-Mails zwischen den beiden sowie weitere Mails zwischen Epstein und Assistentinnen oder Kumpels von ihm über die Musikerin. So schreibt er wenige Wochen, nachdem sie die Schule begonnen hat, mit einem Kumpel über sie in Mails:

Zu einem späteren Zeitpunkt, als die Musikerin eine weitere Ausbildung beginnt, schreibt sie Epstein mit einem Photo:

Epstein schreibt lapidar zurück:

Epstein geht mit ihr an Konzerte, lädt sie zu einem Essen mit Woody Allen und dem Künstler Jeff Koons ein, überweist ihr immer wieder Tausende von Dollars für Shopping. Als sie ihn per Mail um Geld für Kleider bittet, schreibt er zurück:

Ob die Musikerin für Epstein Frauen findet, lässt sich nicht verifizieren. Über ihren Anwalt bestreitet sie gegenüber Medien, dies gemacht zu haben. Sie sei selbst eines der zahlreichen Opfer Epsteins und habe durch ihn schwere Misshandlungen erlitten.

Als sie im Sommer 2015 ans Musikkonservatorium nach Lugano geht, um während eines Jahres einen Kurs bei einem bekannten russischen Meister zu besuchen, bezahlt Jeffrey Epstein die gesamten Gebühren von CHF 4200.

Spuren an Eliteschulen in Genf, Montreux und Lugano

In den Epstein-Files finden sich immer wieder Hinweise darauf, dass Epstein jungen Frauen die Gebühren für Schulen in der Schweiz bezahlte. So finden sich Spuren für mindestens neun Frauen, die Tanzschulen, Musikkonservatorien oder Hotelfachschulen in Genf, Montreux oder Lugano besuchten und über Jeffrey Epsteins Konten finanziert wurden. Viele der Zahlungen liefen über eine Strohfirma Epsteins, sodass sein Name nirgends auftauchte. Doch Mails legen nahe: Die Zahlungen hat Epstein alle eigenhändig bewilligt, über Mail.

Ob es bei einer der Frauen, die eine Institution in der Schweiz besuchten, zu sexuellen Übergriffen durch Epstein kam, lässt sich durch die veröffentlichten Dokumente nicht nachweisen.

Hunderte von internationalen Schulen

Eine KI-gestützte Analyse von SRF Data zeigt, dass Epstein in den 2010er-Jahren weltweit mindestens 30 jungen Frauen eine Ausbildung bezahlte. Da die Dokumente vom US-Justizministerium geschwärzt wurden, lassen sich viele Spuren nur ungenügend zusammenbringen. Es ist anzunehmen, dass die wahre Zahl deutlich höher ist.

Mehrere Fotos und Zeitungsseiten mit Schnüren und Stecknadeln verbunden auf einer Tafel.
Legende: Jeffrey Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. KEYSTONE / AFP / Brendan Smialowski

Es handelt sich dabei um jegliche Art von Bildungseinrichtungen: Eliteuniversitäten wie Harvard sind ebenso Teil davon wie Kunsthochschulen, Sprachschulen oder private Massageschulen. SRF konnte Hinweise auf Zahlungen von Epstein an rund 100 (oder 60 nur für Frauen) unterschiedlichen Schulen identifizieren, entweder für junge Frauen oder für die Kinder von Bekannten und Mitarbeitenden. Die wahre Zahl dürfte noch höher liegen. Eine Untersuchung der Deutschen Bank, die während sechs Jahren Epsteins Konten betreute, ergab, dass Epstein in dieser Zeit fast eine Million Dollar an «ausländische Models» bezahlte, unter anderem durch Zahlungen von Schulen.

Schulfinanzierung als Druckmittel oder Belohnung

Wozu hat Jeffrey Epstein so vielen jungen Frauen die Ausbildung finanziert? Aussagen von Missbrauchsopfern gegenüber anderen Medien und Hinweise in E-Mails deuten darauf hin, dass Epstein dies nicht in jedem Fall aus reiner Grosszügigkeit tat, sondern teilweise auch als Druckmittel oder Belohnung benutzte. Gemäss «Guardian» bezahlte er jungen Frauen Schulen, angeblich «ohne jegliche Bedingungen». Aber dann knüpfte er doch viele Bedingungen an ihr Stipendium, sagte ein Opfer: «Als ich nicht alles tat, was er wollte, entzog er es mir.»

In einem Brief an die Eliteuniversitäten Columbia und New York University führte der US-Kongressabgeordnete Jamie Raskin aus: «Herr Epstein lockte wiederholt junge Frauen in sein Netzwerk, indem er ihnen versprach, ihnen bei der Zulassung zu Colleges und Universitäten zu helfen.» Dies habe er mit einem Kalkül gemacht. «Epstein lockte nicht nur junge Frauen an, die er und seine Komplizen sexuell missbrauchten und vergewaltigten, sondern sorgte auch dafür, dass seine Opfer ihm verpflichtet waren und weniger geneigt, die Verbrechen den Strafverfolgungsbehörden zu melden.»

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Mitarbeit: Stefanie Hasler, Maj-Britt Horlacher, Fiona Zellweger

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