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Friday, October 2, 2026

Walfangverbot geplant – Walfang in Island: Ende einer vermeintlichen Tradition?

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Das lange Starren aufs Meer hat sich gelohnt, die Touristinnen und Touristen drängen sich an die Reeling des Whalewatching-Boots vor der Küste Reykjaviks. Gleich taucht der Wal nochmals auf, bläst eine Fontäne in die Luft und verschwindet wieder. Langsam windet sich dabei der mächtige Walkörper durch das Wasser. Als wäre es zur Belohnung für die Zuschauenden, zieht er beim Abtauchen seine Flosse hinter sich durch die Luft.

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  • Bild 1 von 4. Eine Walflosse im Meer: Dieser Anblick ist vor den Küsten Islands nicht selten. Bildquelle: SRF/ Felicie Notter.

    Ein Wal bricht die Wasseroberfläche im offenen Meer.
  • Bild 2 von 4. Lange Ausschau halten muss man in Island meist nicht, bis man einen Wal sieht (hier bei Elding Whalewatching). Wirtschaftlich ist Whalewatching für Island längst bedeutsamer als der Walfang. Bildquelle: SRF/ Felicie Notter.

  • Bild 3 von 4. Vor den Küsten Islands tummeln sich Hunderte Wale. Sie zu sichten, ist eine Attraktion für viele Touristen. Bildquelle: SRF/ Felicie Notter.

  • Bild 4 von 4. Die isländische Regierung hat angekündigt, kommenden Februar eine Gesetzesrevision für ein dauerhaftes Verbot des Walfangs vorzulegen. Der Entwurf muss 2027 noch durch das Althing, das isländische Parlament. Bildquelle: SRF/ Felicie Notter.

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Es ist der Glücksmoment der Tour. Doch es kann vorkommen, dass sich dem Tourboot noch ein ganz anderer Anblick bietet: jener eines frisch getöteten Wals, befestigt an der Seite eines Walfang-Schiffs, das die Beute an Land bringt. 93 Finnwale wurden diesen Sommer gejagt. Walbeobachtung und Walfang – in Island existiert beides nebeneinander. Doch könnte damit bald Schluss sein.

Die Tierschützerin

Valgerður Árnadóttir kämpft seit Jahren gegen den kommerziellen Walfang. Wale werden dabei als Nutztiere betrachtet. Das Problem sei, dass bei der Jagd die Tierschutzgesetze nicht eingehalten würden. «Das Gesetz verlangt, dass man das Tier so schiesst, dass es sofort stirbt», sagt sie. «Aber die Realität ist anders.»

Verfechter des Walfangs berufen sich oft auf eine «Tradition» des Walfangs in Island. Allerdings findet sich Walfleisch heute nirgends im Supermarkt – dafür in touristischen Restaurants. Diese bieten jedoch vor allem Zwergwalfleisch an, welches zumeist aus Norwegen importiert wird.

In der Geschichte waren hauptsächlich Walfänger aus anderen Nationen in Island aktiv. Bis ins 20. Jahrhundert gab es keinen breiten inländischen Walfang. Seit 1948 steht Kristján Loftssons Firma «Hvalur hf.» praktisch alleine für die Jagd der grossen Finnwale.

In Umfragen hat die Unterstützung des Walfangs in den letzten Jahren stark abgenommen, von 2013 bis heute von 85 Prozent auf rund 30 Prozent – der Rest sind nicht nur «Gegner», es gibt auch einige Unentschlossene. Bei jungen Menschen und Frauen hat der Walfang die geringste Unterstützung.

Berichte zeigten: «In mehr als der Hälfte der Fälle braucht es mehr als einen Schuss, um ein Tier zu töten. Die Tiere leiden bis zu zwei Stunden, bevor sie sterben», so die Präsidentin der Wal- und Meeresschutzorganisation «Hvalavinir Vernd Hafsins». Es sei unmöglich, Wale auf «humane» Art zu töten.

Für Árnadóttir ist der Walfang besonders unverständlich, da es für das Fleisch der in Island gejagten Finnwale kaum noch einen Absatzmarkt gebe – weder im In- noch im Ausland.

Der letzte Walfänger

Am alten Hafen von Reyjkavik treffen wir Kristján Loftsson, den «letzten Walfänger» Islands. Er ist Geschäftsführer der Walfangfirma «Hvalur hf.», die noch mit zwei Schiffen Walfang betreibt. «Wir sind auf Finnwale ausgerichtet», sagt Loftsson. Im Nordatlantik bei Island sei der Bestand der Tiere gross genug. «Wir wollen ihn nutzen und daraus Güter produzieren. Es ist einfach ein Business», sagt er. Auf seinen Schiffen arbeiteten Profis – diese täten ihr Bestes für die schnelle Tötung der Wale, so wie es das Gesetz verlange.

Der über 80-jährige Multimillionär gilt in Island als äusserst einflussreich. Für Kritiker ist das der Hauptgrund, warum er den Walfang aufrechterhalten kann.

Loftsson bestätigt gegenüber SRF die Absatzprobleme: «Unser Hauptmarkt ist Japan, aber der Handel ist schwierig momentan, man verdient kaum daran», so Loftsson. Deshalb wolle er nun die Verarbeitung umstellen: «Wir wollen ein hämoglobinreiches Pulver aus dem Walfleisch machen. Es gibt einen so grossen Eisenmangel weltweit, da muss ein Markt sein.»

Für Tierschützerin Árnadóttir ist das eine Ausrede. Loftsson habe bereits versucht, das nicht verkaufte Walfleisch als Tierfutter loszuwerden. «Eisen aus Walfleisch zu produzieren, macht keinen Sinn, das gäbe nur etwa 20 kg Eisen aus einem etwa 70 Tonnen schweren Finnwal.»

Verbot auf dem Weg

Nun könnte die isländische Regierung dem Walfang ein Ende bereiten. Das zuständige Industrieministerium angekündigt, im Februar eine entsprechende Gesetzesrevision vorzulegen. Noch muss diese durchs Parlament. Walfänger Loftsson droht bereits damit, die Regierung im Falle eines Verbots zu verklagen.

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