Nachhaltigere Toiletten – Er beschäftigt sich mit dem WC der Zukunft

Der Hitzesommer 2026 liess die Wasserressourcen in der Schweiz schwinden. Gemeinden, Landwirtschaft und Industrie mussten Wasser sparen. Der Sommer zeigte, wie wichtig ein nachhaltiges Wassermanagement und der sorgsame Umgang mit Trinkwasser sind. Täglich verschwenden wir pro Kopf mit der Notdurft bis zu 40 Liter Trinkwasser.
Bastien Etter, Geschäftsführer des Startups Vuna und ehemaliger Wasserforscher an der ETH Zürich, beschäftigt sich mit der Toilette der Zukunft.
Bastien Etter
Dipl. Umweltingenieur ETH und Gründer
Bastien Etter (43) hat als diplomierter Umweltingenieur zehn Jahre in der Abwasserforschung gearbeitet. Heute ist er Geschäftsführer des Startup-Unternehmens Vuna, das sich mit nachhaltigen Abwassersystemen beschäftigt und Toiletten entwickelt, die ohne Trinkwasser auskommen.
SRF: Spüren Sie nach dem Hitzesommer ein grösseres Interesse an alternativen Abwassersystemen?
Bastien Etter: Wir merken ein grösseres Interesse. Der Hitzesommer hat sicher dazu beigetragen. Seit zehn bis 20 Jahren beobachten wir ein wachsendes Interesse und eine zunehmende Sensibilisierung. Die Leute machen sich vermehrt Gedanken darüber, wofür sie das Trinkwasser verwenden.
Sie haben zehn Jahre in der Abwasserforschung gearbeitet und danach ein Startup gegründet. Sprechen die Menschen gerne mit Ihnen über ihr Abwasser?
Anfangs wirkt das Thema oft irritierend. Schnell merken die Leute jedoch, wie spannend es ist.
Es braucht ein Umdenken, vielleicht auch mehr Leidensdruck.
Das Startup Vuna ist im Bereich WC-Spülungen tätig. Es gibt einige, die in diesem Bereich schon wassersparende Ansätze verfolgt haben. Warum sind wir noch nicht weiter?
Wir sind an ein System gewöhnt, das vor rund 100 Jahren entwickelt wurde. Und es hat sicher auch damit zu tun, dass es ein Tabuthema ist. Zwischenzeitlich gab es Lösungen, die man einsetzen kann. Es braucht ein Umdenken, vielleicht auch mehr Leidensdruck. Was wir zwar nicht hoffen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es braucht viel, um neue Lösungen umzusetzen.
Das sieht gut aus und kühlt im Sommer die Umgebung und Gebäude.
Sie haben ein System entwickelt, das Dusch- und Abwaschwasser reinigt. Wie funktioniert das?
Das System reinigt sogenanntes Grauwasser aus Dusche und Küche, damit es für die Toilettenspülung oder die Gartenbewässerung wiederverwendet werden kann. Unser System lässt sich vertikal in eine grüne Wand oder horizontal in ein Gartenbeet integrieren. Dort reinigen Bakterien auf einem Substrat das Abwasser. Pflanzen versorgen das Substrat mit Sauerstoff. Das sieht gut aus und kühlt im Sommer die Umgebung und Gebäude.
Es gibt auch ein System, das mit einer Art Förderband in der Toilette arbeitet. Was steckt dahinter?
Statt einen Knopf zu drücken, betätigt man nach dem Geschäft zwei- bis dreimal ein Pedal. Durch eine leichte Neigung fliesst der Urin ab, während Kot und Papier über ein Förderband getrennt abtransportiert werden.
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Bild 1 von 2. So funktioniert die Förderbandtoilette. Bildquelle: zVg Vuna.
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Bild 2 von 2. Förderbandtoilette in einem Privathaus in Ferden VS. Bildquelle: zVg Vuna.
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So lassen sich Flüssigkeit und Feststoffe trennen: Aus dem nährstoffreichen Urin wird Dünger gewonnen, während Kot und Papier kompostiert werden können. Am Ende bleibt viel weniger Volumen übrig.
Lässt sich so etwas auch in einer gewöhnlichen Mietwohnung einbauen?
In einer bestehenden Mietwohnung kann man die Toilette nicht einfach austauschen. Es braucht gewisse bauliche Voraussetzungen, und das ist sicher ein Knackpunkt, warum die Systeme noch nicht weiter verbreitet sind. Zum Einsatz kommen solche Lösungen heute vor allem bei Umbauten von Berghütten, bei Bürogebäuden oder dort, wo von Beginn an ausreichend Platz eingeplant werden kann.
Wenn ich Ihnen zuhöre, sind Sie ein Tüftler. Geht da auch mal was schief?
Man muss etwas Tüftler sein und Kreativität mitbringen, um einen Standard aufzubrechen, der sich seit 100 Jahren kaum verändert hat. Wir haben schon Dinge ausprobiert, die überhaupt nicht funktioniert haben. Genau dieses ständige Testen und Optimieren macht die Arbeit so spannend.
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