Mercedes-Baukasten für die 2030er: Was über die Modulpläne bekannt ist
Mercedes-Benz will seine Autos in den 30er-Jahren offenbar nach einem neuen Baukastenprinzip konstruieren und fertigen. Front, Heck, Seiten und Boden sollen als separate Module entstehen, die sich je nach Fahrzeuggröße unterschiedlich kombinieren lassen. Ziel seien niedrigere Kosten, höhere Effizienz und schnellere Produktionsabläufe. Intern laufe die Modularisierung unter dem Begriff „Tech-Stacks“. Die Pläne hat das Handelsblatt unter Berufung auf das Umfeld des Aufsichtsrats am Donnerstag öffentlich gemacht. Mercedes selbst bestätigte der Zeitung nur knapp: „Wir arbeiten da an einem sehr ambitionierten Zukunftsplan.“
(Bild:
Florian Pillau
)Plattform oder Karosseriebaukasten?
Was Mercedes genau unter Modulen versteht, ist im Konzern wohl noch nicht festgelegt. Bisher ist laut Handelsblatt nur von einer Grobgliederung in vier Fahrzeugbereiche die Rede. Eine Plattform legt technische Grundlagen wie Batterieanordnung, Achsen, Antriebe und Elektronikarchitektur fest. Für unterschiedliche Fahrzeuggrößen wären dagegen konkrete, separat entwickelte oder gefertigte Karosseriemodule nötig. Eine modulare Architektur kann beides verbinden. Der skalierbare Ansatz dürfte zu weniger verschiedene Plattformen führen.
Das wichtigste Ziel dürfte eine höhere Agilität bei der Entwicklung neuer Modelle und eine höhere Flexibilität bei folgenden Modellpflegen sein. Chinesische Hersteller entwickeln neue Modelle in deutlich kürzeren Zyklen und können so schneller auf Markttrends reagieren – respektive solche setzen. Standardisierte Module könnten die Entwicklung von Varianten, den Einkauf und das Umrüsten von Fertigungslinien vereinfachen. Zielwerte für kürzere Entwicklungszyklen oder schnellere Modellwechsel nennt Mercedes nicht.
Nach MMA, MB.EA und AMG.EA
Derzeit produziert Mercedes auf Basis mehrerer technischer Plattformen. Die Mercedes-Benz Modular Architecture (MMA) ist Basis für die kompakteren Einstiegsmodelle, darunter den CLA, den Mercedes elektrisch und mit 48-Volt-Hybridantrieb anbietet. Die Mercedes-Benz Electric Architecture (MB.EA) beschreibt Mercedes als skalierbares System für mittelgroße und große Elektro-Pkw. Die Elektroauto-Architektur für leistungsorientierte AMG-Modelle heißt AMG.EA und VAN.EA ist der Name der technischen Basis für die Transporter.
Offen ist, welche Antriebe der kommende Baukasten unterstützen soll. Mercedes fertigt zurzeit im herausfordernden Mischbetrieb: Im Werk Bremen sollte der elektrische GLC laut einer Mercedes-Mitteilung zum Programm Next Level Production auf derselben Linie entstehen wie der EQE und der GLC mit Verbrenner und Hybridantrieb. Die Serienfertigung ist am 6. Mai 2026 angelaufen. Das belegt die Flexibilität der Produktion, denn Elektroautos und Verbrenner stellen sehr unterschiedliche Anforderungen an Boden, Crashstruktur und Packaging. Gerade das Bodenmodul dürfte deshalb zeigen, wie weit die Vereinheitlichung tatsächlich gehen kann.
Vorbilder in den USA, China und Europa
Mercedes folgt mit seinen Plänen einem Branchentrend: Tesla und chinesische Hersteller haben Produktion und Plattformen bereits stark vereinheitlicht, Stellantis baut Fahrzeuge verschiedener Marken, unterschiedlicher Größe und mit verschiedenen Antrieben auf gemeinsamen Plattformen.
Zunächst steckt Mercedes aber mitten in der umfangreichsten Produktoffensive seiner Geschichte: Bis etwa 2028 sollen mehr als 40 neue Modelle anlaufen. In seine europäischen Werke hat der Hersteller dafür mehr als zwei Milliarden Euro investiert. Der modulare Baukasten ist ein Projekt für die übernächste Modellgeneration.
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