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Wednesday, September 23, 2026

Russlands hybride Angriffe auf Europa werden immer dreister

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Fotografie: Alamy

Russlands Sabotagekampagne gegen Europa hat in den vergangenen Monaten so drastisch zugenommen, dass der französische Präsident Emmanuel Macron am 18. September die Parteivorsitzenden und Präsidentschaftskandidaten in den Élysée-Palast einbestellte, um sie über die Gefahr ziviler Opfer zu informieren.

«Niemand ist sicher», sagte Macron ihnen laut der Tageszeitung «Le Monde». Die Russen, so Macron, zielten darauf ab, «uns einzuschüchtern und unsere Unterstützung für die Ukrainer zu untergraben».

Einen Tag zuvor hatte der polnische Premierminister Donald Tusk erklärt, er verfüge über Geheimdienstinformationen, wonach Russland beabsichtige, europäische Länder, die die Ukraine unterstützen, mit Drohnen oder Raketen anzugreifen und anschliessend zu behaupten, die Angriffe seien versehentlich erfolgt.

Russland wolle die NATO «lähmen», sagte er, indem es Artikel 5 des NATO-Vertrags auf die Probe stelle, der vorsieht, dass ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle betrachtet wird. Eine verhaltene Reaktion der Verbündeten würde Zweifel an dieser Verpflichtung aufkommen lassen.

Drei Ziele der russischen Operationen

Seit vielen Jahren führt Russland gegen europäische Länder verdeckte Operationen und Provokationen durch, deren Urheberschaft sich nur schwer nachweisen lässt. Seit Beginn seiner gross angelegten Invasion in die Ukraine im Jahr 2022 haben diese zugenommen.

Dazu gehörten Einsätze von Aufklärungsdrohnen, Hackerangriffe, Brandstiftung, Paketbomben, die auf Frachtflüge abzielten, sowie Komplotte zur Ermordung von Führungskräften führender europäischer Rüstungsunternehmen. In den vergangenen Monaten scheint die Häufigkeit solcher verdeckten Angriffe erneut zugenommen zu haben.

Analysten und Sicherheitsbeamten zufolge verfolgen die russischen Operationen drei Hauptziele: europäische Länder dazu zu zwingen, ihre Unterstützung für die Ukraine einzustellen; die Kosten dieser Unterstützung in die Höhe zu treiben; und die NATO machtlos erscheinen zu lassen.

«Es scheint, als würden wir von Vorfällen in der Grauzone zu einer fortlaufenden Kampagne übergehen.»

Andrew Thomson, britischer Diplomat a.D.

Von einzelnen Vorfällen zur Kampagne

«Es scheint, als würden wir von einer Reihe von Vorfällen in der Grauzone zu einer fortlaufenden Kampagne übergehen», sagt Andrew Thomson, ein ehemaliger britischer Diplomat, der heute bei Monarch, einem deutschen Sicherheitsdienstleister, tätig ist.

Allein in der Woche vor den Äusserungen von Tusk und Macron schossen italienische Jets im Rahmen eines NATO-Einsatzes eine mit Sprengstoff beladene Drohne ab, die aus Weissrussland nach Litauen geflogen war. Andere Kampfjets wurden alarmiert, um zwei russische Flugzeuge abzufangen, die in den NATO-Luftraum eingedrungen waren.

In derselben Woche trafen russische Drohnen einen Zug in der Ukraine, nur 2 km von einem polnischen Grenzübergang entfernt, kurz nachdem der ehemalige britische Premierminister Boris Johnson und mehrere europäische Sicherheitsbeamte dort vorbeigefahren waren.

In den Niederlanden kam es kürzlich zu Störungen im Eisenbahnnetz, nachdem landesweit koordiniert Rohre und Kabel auf den Gleisen platziert worden waren.

«Kriegsführung in der Grauzone»

Noch schwerwiegender war ein Vorfall im August am deutschen Flughafen Leipzig-Halle: Eine mit Sprengstoff beladene Drohne flog in ein Frachtflugzeug, das Waffen für die Ukraine transportierte. Der Sprengstoff detonierte jedoch nicht. Die deutschen Behörden machten Russland für den Angriff verantwortlich und schlossen als Vergeltungsmassnahme ein russisches Kulturzentrum in Berlin.

Nicht alle derartigen Vorfälle lassen sich eindeutig zuordnen. Viele russische Operationen sind so angelegt, dass Russland seine Verantwortung dafür abstreiten kann. Daher werden sie als «hybride Kriegsführung» oder «Kriegsführung in der Grauzone» bezeichnet.

Es gebe weit mehr solcher Vorfälle, als offiziell gemeldet würden, sagt Thomson. Sie zielen häufig auf kritische Infrastrukturen oder Rüstungsunternehmen und umfassen «Unfälle», bei denen wichtige Ausrüstung beschädigt wird, Einbrüche an sensiblen Standorten sowie Versuche, Agenten einzuschleusen oder zu rekrutieren. Einzelne Vorfälle mögen zufällig erscheinen, doch in ihrer Gesamtheit zeigen sie ein Muster aus Störaktionen und Informationsbeschaffung.

Sabotage durch lokale Handlanger

In vielen Fällen werden Sabotageakte von lokalen Handlangern oder kriminellen Banden ausgeführt. Viele wissen möglicherweise gar nicht, dass ihr Auftraggeber Russland ist.

«Unklarheit ist selbst Teil der Waffe.»

David Cattler, Centre for European Policy Analysis

Der Vorteil angeheuerter Saboteure besteht darin, dass sich eine Verbindung zu den russischen Geheimdiensten schwerer nachweisen lässt. Der Nachteil: Da sie keine ausgebildeten Agenten sind, vermasseln sie ihre Missionen eher.

«Die Unklarheit ist selbst Teil der Waffe», sagt David Cattler, ein ehemaliger NATO-Geheimdienstmitarbeiter, der heute beim Centre for European Policy Analysis, einem Thinktank in Washington, tätig ist.

Die Ungewissheit der Opfer darüber, was genau geschehen ist, erschwert es den europäischen Ländern, einen Konsens über eine Reaktion zu erzielen. Die Vorfälle sind so angelegt, dass sie Wirkung entfalten, zugleich aber unterhalb der Schwelle bleiben, die eine militärische Reaktion der NATO auslösen würde.

Russland profitiert auch vom Zweifel

Die Sabotage des niederländischen Bahnnetzes war ein gutes Beispiel dafür. Die niederländischen Behörden haben nicht mitgeteilt, ob die Sabotage mit Russland in Verbindung stand oder von wütenden Bauern verübt wurde, die am selben Tag im Rahmen von Protesten Strassen blockiert hatten.

Da Russland jedoch mit anderen Vorfällen dieser Art in Verbindung gebracht wurde, profitiert es von Angst und Zweifeln, selbst wenn ihm ein konkreter Vorfall nicht eindeutig zugeschrieben werden kann.

Wie soll Europa reagieren?

Die zentrale Herausforderung für Europa besteht darin, wie es darauf reagieren soll. Viele Länder ergreifen Abwehrmassnahmen, etwa durch die Installation von Schutzsystemen gegen Drohnen an Flughäfen und rund um andere kritische Infrastrukturen.

Einige argumentieren, Europa müsse auch härtere gemeinsame Massnahmen ergreifen, um die Kosten hybrider Angriffe für Russland zu erhöhen. Es könnte mit Vergeltungsmassnahmen reagieren, indem es die Zahl der Visa für russische Staatsbürger begrenzt, Diplomaten ausweist, Konsulate schliesst, strengere Sanktionen verhängt und möglicherweise eigene verdeckte Aktionen gegen russische Interessen durchführt.

Bis etwas schiefgeht

«Was Moskau am meisten respektiert, ist Stärke», sagt Cattler. Solange Europa nicht zeigt, dass es entschlossen genug ist, auf Provokationen zu reagieren, wird Russland weiter eskalieren.

Bislang hatten seine Provokationen keine katastrophalen Folgen – doch das hätte durchaus der Fall sein können. Hindernisse auf den Gleisen könnten einen Zug entgleisen lassen. Drohnenangriffe auf Flughäfen könnten ein Passagierflugzeug zum Absturz bringen. Am riskantesten wäre es, Russland so lange gewähren zu lassen, bis etwas schiefgeht.

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The Economist

Von Economist.com, übersetzt von 20 Minuten, veröffentlicht unter Lizenz. Der Originalartikel in englischer Sprache ist auf www.economist.com verfügbar.

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