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Sunday, November 8, 2026

700-jähriges Haus in Steinen – Hinter dieser Fassade steckt ein grosses Stück Mittelalter

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Graue Fassade, rote Jalousien, weiss gerahmte 0815-Fenster: Von aussen wirkt der «Adler» in Steinen SZ unscheinbar. Beim verwaisten Gasthaus lohnt es sich aber, hinter die Fassade zu blicken. Buchstäblich. Denn dort verbirgt sich eine kleine Sensation aus dem Jahr 1322.

Was für Laien nach einem blossen Loch im Boden aussieht, lässt Fachleute wie Ulrike Gollnick jubeln. Im Adler ist die Bauforscherin auf eine alte Steinmauer mit Ascheresten gestossen – einen mittelalterlichen Herd. «Erstmals haben wir eine Feuerstelle aus der Erbauungszeit eines Gebäudes gefunden.»

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  • Bild 1 von 11. Dokumentiert aktuell das einstige Gasthaus Adler in Steinen: Bauforscherin Ulrike Gollnick. Bildquelle: SRF / Christian Oechslin.

    Person in gelbem Mantel steht in rustikalem Holzgebäude.
  • Bild 2 von 11. Unter anderem wegen der Feuerstelle im Hinterhausbereich, die noch aus dem 14. Jahrhundert stammt. Bildquelle: Ulrike Gollnick.

  • Bild 3 von 11. Auch Brandspuren der ehemaligen Kachelöfen in der Hauptstube sind noch erhalten. Bildquelle: Ulrike Gollnick.

  • Bild 4 von 11. Das Bijou der Hauptstube: die sogenannte Balken-Bohlen-Decke, aufwendige und repräsentative Handwerkskunst. Bildquelle: Ulrike Gollnick.

  • Bild 5 von 11. Denkmalpflegerin Monika Twerenbold zeigt eingebrannte «Flämmchen», Zeichen für Volksfrömmigkeit. Sie sollten vermutlich das Gute im Haus behalten und das Böse abwehren. Bildquelle: SRF / Christian Oechslin.

  • Bild 6 von 11. Im zweiten Wohngeschoss befindet sich eine Schlafkammer, das ist der Eingang dazu – hier einmal geschlossen … Bildquelle: Ulrike Gollnick.

  • Bild 7 von 11. … und einmal offen. Bildquelle: Jean-Jacques Auf der Maur.

  • Bild 8 von 11. Bis auf den Boden befindet sich die Schlafkammer noch im Originalzustand. Bildquelle: Ulrike Gollnick.

  • Bild 9 von 11. Ausbrucharbeiten sind bereits im Gange … Bildquelle: Beat Auf der Maur.

  • Bild 10 von 11. … so wurden Verkleidungen an Böden, Wänden und Decken entfernt. Bildquelle: Beat Auf der Maur.

  • Bild 11 von 11. Wird den Umbau umsetzen: Architekt Jean-Jacques Auf der Maur. Bildquelle: SRF / Christian Oechslin.

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Sie habe schon «gegen 500 Häuser angeschaut» – einen solchen Fund habe sie noch nie dokumentieren können. Denn normalerweise sei die Feuerstelle ein Bereich, der durch die Jahrhunderte durch Umbauten stark verändert werde.

Im Mittelalter-Bau ist ein Hotel geplant

Dass Bauforscherin Ulrike Gollnick im Adler am Werk ist, hat seinen Grund: Auch der Besitzer der Liegenschaft, Beat Auf der Maur, hat ein Faible für Historisches. Der Inhaber eines Holzbauunternehmens hat schon mehrfach Altbauten saniert – und hat dies nun auch mit dem Adler vor.

Als gelernter Zimmermann staune er, wie exakt vor 700 Jahren gebaut worden sei. Den Wert dieser Handwerkskunst wolle er auch nach aussen tragen. Gelingen soll dies, indem der Adler dereinst als Hotel wieder öffnet. «Wir möchten die Leute für die Qualität dieser Häuser sensibilisieren. Das ist Kulturgut.»

Für den Brandschutz brauchts Speziallösung

Schon länger ist bekannt: Im Talkessel Schwyz stehen die ältesten Holzhäuser Europas. Rund 70 Blockbauten aus der Zeit um 1300 sind bekannt. Mit dem Adler in Steinen kommt nun ein weiteres Exemplar dazu. «Der Kanton Schwyz ist bekannt für seine mittelalterlichen Häuser», sagt Denkmalpflegerin Monika Twerenbold. Sie freue sich über jedes neue, das man finden und erhalten könne.

An einem Haus zu arbeiten, das 700 Jahre alt ist, macht einen beinahe etwas ehrfürchtig.

Beeindruckt zeigt sich auch Architekt Jean-Jacques Auf der Maur. «An einem Haus zu arbeiten, das 700 Jahre alt ist, macht einen beinahe etwas ehrfürchtig.» Als Architekt wünsche man sich ja, dass das, was man selbst mache, auch mal so alt werde. «Hier hat es einer geschafft. Das ist höchste Qualität.»

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  • Bild 1 von 5. So kommt der Adler samt Anbau heute daher. Bildquelle: Beat Auf der Maur.

  • Bild 2 von 5. Der Gebäudekomplex ist seit einigen Jahren im Besitz des Steiners Beat Auf der Maur. Bildquelle: Beat Auf der Maur.

  • Bild 3 von 5. Bevor es ein Gasthaus war, hat das stattliche Gebäude wahrscheinlich als Versammlungslokal gedient – oder als Umschlagort von Säumern. Bildquelle: Beat Auf der Maur.

  • Bild 4 von 5. Das Gebäude steht in der Herrengasse von Steinen – hier in einem alten Stich. Bildquelle: Staatsarchiv Schwyz.

  • Bild 5 von 5. Eine Aufnahme, wie das Restaurant Adler in den 1930er-Jahren ausgesehen hat. Bildquelle: Beat Auf der Maur.

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Um die mittelalterliche Substanz für die Zukunft zu rüsten, müssen der Bauherr, die Bauforscherin, die Denkmalpflegerin und der Architekt zusammenspannen.

Eine grosse Herausforderung sei beispielsweise der Brandschutz, sagt Architekt Jean-Jacques Auf der Maur und zeigt auf eine Türe. «Diese leistet seit 700 Jahren ihren Dienst und wir möchten sie gerne weiternutzen.» Es gelte daher, die Anforderungen der Denkmalpflege mit den heutigen Normen in Einklang zu bringen. Auch beim Schallschutz oder bei der Statik brauche es Speziallösungen.

Sanierung kostet wohl bis zu vier Millionen

Ein Prozess, der Zeit braucht. Und kostet. Für die Bestandssicherung hat Immobilienbesitzer Beat Auf der Maur rund 1.2 Millionen Franken ausgegeben. Für die Sanierung und den Umbau in ein Hotel werden wohl nochmals drei bis vier Millionen nötig.

Wenn ich eine Chance sehe, ein Haus zu erhalten, dann packe ich es an.

«Das kann ich nicht mehr alleine stemmen», sagt Auf der Maur. Er werde nun unter anderem auf Stiftungen zugehen. Da es sich um ein geschütztes Objekt handelt, kann Auf der Maur auch mit einem Betrag von Kanton und Bund rechnen.

Obwohl die Finanzierung eine Knacknuss darstellt: Beat Auf der Maur will sich davon nicht abschrecken lassen. «Wenn ich eine Chance sehe, ein Haus zu erhalten, dann packe ich es an.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 2.11.2026, 17:30 Uhr ;  oecc/fise;buec;wilh

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