Bahnhofs-Bier wird verboten – und in der Schweiz?

- In Deutschland gilt ab Donnerstag in allen Bahnhöfen ein Alkoholverbot. Auslöser dafür war ein gewalttätiger Angriff auf einen Sicherheitsmitarbeiter.
- Nun stellt Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt ein solches mit einer Interpellation auch für die Schweiz zur Debatte.
- Die SBB teilen mit: «Die SBB setzt auf klare Regeln, Präsenz und gezieltes Einschreiten und nicht auf ein generelles Alkoholverbot.»
- Einem generellen Alkoholverbot stehen sowohl SP-Nationalrätin Min Li Marti als auch SVP-Nationalrat Thomas Hurter kritisch gegenüber.
Die Deutsche Bahn verbannt Bier, Wein und Co. aus ihren Hallen und Perrons. Ab Donnerstag darf an allen 5400 deutschen Bahnhöfen kein Alkohol mehr getrunken werden. Mit dem Verbot reagierte die Bahnchefin auf einen gewalttätigen Angriff auf einen Sicherheitsmitarbeiter durch einen Fahrgast, der alkoholisiert gewesen sein soll.
Auch in der Schweiz kommt es zu Zwischenfällen mit alkoholisierten Reisenden. «Die SBB führt keine Statistik, die Vorfälle spezifisch nach der Ursache Alkohol ausweist», teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Es gebe Schulungen zum Umgang mit schwierigen Situationen. Zunächst werde der Dialog gesucht, bei Bedarf würden die Personen weggewiesen oder die zuständigen Behörden beigezogen: «Aggressives oder respektloses Verhalten gegenüber Mitarbeitenden akzeptieren wir nicht.»
Kontaktiert von SBB-Mitarbeitenden
Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt war bis 2020 Präsident des Personalverbands Transfair für den Service Public. In einem neuen Vorstoss wirft er die Frage auf, ob auch in der Schweiz ein generelles Alkoholverbot an Bahnhöfen eingeführt oder zumindest alkoholfreie Zonen an besonders belasteten Bahnhöfen errichtet werden sollen.
«Sehr positiv»: Brugg führte ein Alkoholverbot am Bahnhof ein
Er sei von SBB-Mitarbeitenden kontaktiert worden, erzählt Müller-Altermatt: «Sie sagten, ein Verbot an Bahnhöfen würde ihnen nützen, auch um notorisches Klientel zu verbannen.» Geprägt hat ihn auch ein Ferienerlebnis im Sommer am bereits alkoholfreien Bahnhof Köln: «Es war eine unheimlich schöne Stimmung.»
Ziel der Interpellation sei es, in einem ersten Schritt die besten Optionen abzuwägen. Stand heute sei er für ein Verbot: «Aber ich gebe zu, dass es Gegenargumente gibt.»
Alkoholverbot stösst auf Skepsis in der Politik
«Ich bin eher skeptisch bei einem Verbot», sagt SP-Nationalrätin Min Li Marti auf Anfrage. Der Alkoholkonsum nehme ab: «Daher bin ich nicht sicher, wie gross das Problem überhaupt noch ist.» Nun müsse man die Antwort des Bundesrats auf die Interpellation abwarten.
Auch SVP-Nationalrat Thomas Hurter äussert sich kritisch: «Ich finde solche Verbote nicht zielführend», sagt er. Diesbezüglich gebe es hierzulande weniger Probleme als in Deutschland.
«Allerdings empfinde ich die Schweizer Bahnhöfe am Abend eher unsicherer als auch schon», so Hurter. Er würde es darum begrüssen, wenn abends und in der Nacht mehr Sicherheitspersonal präsent wäre: «Damit hätten auch Frauen nachts weniger Angst.»
Unterstützung erhält Müller-Altermatt von den grünen Nationalrätinnen Greta Gysin (Präsidentin von Transfair) und Léonore Porchet (Vizepräsidentin von Travail-Suisse) sowie von den Mitte-Fraktionskollegen Nik Gugger und Marc Jost, wobei Letzterer ein vollständiges Verbot im Sommer noch als unnötig bezeichnete. Die heutige Regelung reiche aus.
SBB: «Wir schreiten gezielt ein»
Tatsächlich sind der übermässige Alkoholkonsum am Bahnhof sowie der Aufenthalt in offensichtlich betrunkenem Zustand bereits heute untersagt. Nach 22 Uhr wird kein Alkohol mehr verkauft.
Soll das Trinken von Alkohol an Schweizer Bahnhöfen verboten werden?
Auf Anfrage teilen die SBB mit: «Wir setzen auf klare Regeln, Präsenz und gezieltes Einschreiten dort, wo störendes oder gefährdendes Verhalten andere Reisende oder Mitarbeitende beeinträchtigt, und nicht auf ein generelles Alkoholverbot an Bahnhöfen oder in Zügen.»
Delia Bachmann (dba), Jahrgang 1993, arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Als Redaktorin im Ressort Politik berichtet sie über das Geschehen in Bundesbern.
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