Label soll KI-Stimmen von K-Pop-Stars für immer nutzen dürfen

- Die «New York Times» hat Einblick in die geheimen Verträge der K-Pop-Gruppe NewJeans erhalten.
- Laut Bericht fehlten Schutzklauseln für Minderjährige, dafür gibt es Regeln zu Äusserungen und Beziehungen.
- Das Label Ador soll Namen, Bilder und Stimmen auch nach Vertragsende nutzen dürfen, auch für KI.
- Ador widerspricht: Eine Zusatzvereinbarung garantiere Schlaf, Bildung und Erholung, KI-Nutzung brauche Zustimmung.
Sie waren zwischen 14 und 17 Jahre alt, als die Mitglieder von NewJeans ihre Verträge unterschrieben. Nun hat die «New York Times» Einblick in die bislang geheimen Vereinbarungen erhalten. Demnach sollen mehrere Schutzbestimmungen für minderjährige K-Pop-Stars darin gefehlt haben. Das Label Ador widerspricht dieser Darstellung.
Laut dem Bericht fehlten in den Verträgen Formulierungen aus dem südkoreanischen Standardvertrag, die Minderjährigen unter anderem ausreichend Schlaf, Erholung und Bildung zusichern sollen. Auch Schutzklauseln gegen übermässig lange Arbeitszeiten oder stark sexualisierte Auftritte seien nicht übernommen worden.
Stattdessen enthalten die Verträge laut «New York Times» Regeln, die eine «unaufrichtige Haltung» oder «unangemessene romantische Beziehungen» untersagen. Auch Aussagen, die dem Ruf des Unternehmens schaden könnten, seien eingeschränkt worden – selbst dann, wenn sie wahr sind.
Stimme und Gesicht auch nach Vertragsende
Besonders weitreichend sind offenbar auch die Rechte an der Identität der Sängerinnen. Ador soll Namen, Bilder und Stimmen der Mitglieder selbst nach Ende der Verträge weiter verwenden dürfen. Der Bericht bringt dabei auch mögliche KI-Anwendungen wie virtuelle Abbilder oder Chatbots ins Spiel.
Hinzu kommen Kosten für Schönheitseingriffe und Behandlungen während der Ausbildungszeit, von denen die Mitglieder laut den eingesehenen Verträgen einen beträchtlichen Teil selbst hätten tragen müssen. Hybe, der Mutterkonzern von Ador, betont hingegen, weder Schönheitsoperationen noch andere Eingriffe gegen den Willen seiner Künstlerinnen und Künstler zu verlangen oder zu empfehlen.
Label weist Vorwürfe zurück
Am Freitag reagierte Ador auf die Berichte. Die Schutzrechte für Minderjährige seien keineswegs gestrichen worden. Für junge Künstlerinnen und Künstler gebe es zusätzlich zum eigentlichen Vertrag eine standardisierte Vereinbarung, die unter anderem Rechte auf Schlaf, Bildung und Erholung garantiere. Diese gelte bis zur Volljährigkeit.
Auch seien die Verträge nicht einfach vorgelegt und unterschrieben worden. Laut Ador wurde rund drei Monate lang darüber verhandelt. Eltern und teilweise auch Anwälte der Mitglieder seien in die Gespräche eingebunden gewesen.
Beim Thema KI widerspricht das Unternehmen ebenfalls: Für die Nutzung von Stimme oder Aussehen in KI-Inhalten brauche es die individuelle Zustimmung der jeweiligen Person.
Girlgroup hat seit Jahren Streit mit dem Label
Die Enthüllungen fallen mitten in einen erbitterten Konflikt zwischen NewJeans und Ador. Die Gruppe erklärte Ende 2024, ihre Verträge beenden zu wollen, und warf dem Unternehmen unter anderem Missmanagement und Manipulation vor. Ador wies die Anschuldigungen zurück.
Ein Gericht entschied später, dass die Verträge weiterhin gültig sind. Vier Mitglieder blieben damit an Ador gebunden. Danielles Vertrag wurde Ende 2025 vom Label beendet; gegen sie, ein Familienmitglied und die frühere Produzentin der Gruppe läuft eine Schadenersatzklage in Millionenhöhe.
Wie findest du es, wenn ein Label die Stimme und das Gesicht von Künstlerinnen auch nach Vertragsende weiter nutzen darf?
Ammar Jusufi (amj), Jahrgang 2001, arbeitet seit November 2024 für 20 Minuten. Nach seinem Praktikum im Ressort Ostschweiz ist er nun Redakteur im Ressort People.
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