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Sunday, October 11, 2026

"Think big" beim Wohnungsbau

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Großbritanniens Rezept gegen Wohnungsnot: einfach neue Städte bauen. Was in der Nachkriegszeit geklappt hat, soll auch in der neuen Wohnungskrise helfen. Aber Experten warnen vor den Kosten.

07.10.2026 | 6:03 min

Wer kein unverbesserlicher Optimist ist, spricht von einer unerreichbaren Illusion. Doch die Briten haben es schon häufig unter Beweis gestellt, dass sie komplette Städte am Reißbrett entwerfen und auch bauen können. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg.

Berühmtes Beispiel etwa ist Stevenage von 1949, geplant für 80.000 ausgebombte Londoner Bürger. Hemel Hempstead von 1947, für 100.000 Einwohner vor den Toren Londons. Oder Milton Keynes für fast 300.000 Menschen, in den späten 60er Jahren. Damals erlebte der kommunale, also geförderte, Wohnungsbau ein Hoch: Mehr als 190.000 Einheiten im Jahr.

Seither ging es bergab. Im vergangenen Jahr schafften englische Kommunen noch rund 10.500 bezahlbare Wohnungen. Manche gar keine. Dabei ist die Wohnungsnot groß.

Das Stadtentwicklungsprogramm "New Towns"

Um die Milliarden des "New Towns"-Programms der Regierung haben sich mehr als 100 Kommunen beworben, sieben davon sind ausgewählt. Bedingung: Mindestens 10.000 Häuser müssen dort entstehen.

Erst wenige Tage im Amt, hat Andy Burnham große Pläne: Umfangreiche Reformvorhaben im britischen Bildungssystem und ein umfassender Social-Care-Plan nehmen Ausbildung und Pflege in den Fokus.

04.08.2026 | 4:23 min

Und der neue Premierminister gibt der Idee viel politischen Rückenwind, will, dass es wieder mehr demokratische Kontrolle gibt über den Wohnungsbestand im Land.

Wir werden den Kommunen helfen, wieder zu bauen. Und das machen wir bezahlbar auf ungenutztem öffentlichen Land.

Andy Burnham, britischer Premierminister

Eine von den sieben neuen Städten liegt vor den Toren Manchesters: Victoria North hatte Burnham in seiner Zeit als Bürgermeister von Greater Manchester vorangetrieben. Hier bauen sie 15.000 Wohnungen. Eine Mischung aus Wohnraum zu regulären Marktpreisen, in privatem Eigentum. 20 Prozent der Wohnungen aber sollen für jeden erschwinglich sein, gefördert vom Staat.

Waren in den frühen Jahren der britischen New Towns vor allem öffentliche Bauträger beteiligt, lässt sich heute eine Stadterweiterung wie Victoria North nur noch in privatwirtschaftlicher Kooperation verwirklichen.

Der heutige Premier Burnham hatte als Bürgermeister von Greater Manchester stets eine Mischung aus öffentlicher Steuerung und privater Finanzierung angestrebt, ein Modell, das als "Manchesterismus" bekannt ist. Doch sie wollen, dass der Staat den Ton angibt.

Wir müssen zwar mit privaten Investoren zusammenarbeiten, aber weiterhin die Vision, die Strategie und die Ziele vorgeben.

Gavin White, Wohnungsbau-Stadtrat in Manchester

Seit Andy Burnham im Juli das Amt des Premierministers übernommen hat, liegt seine Labour-Partei im Umfragehoch.

29.09.2026 | 1:40 min

Baubranche in der Krise

Bei Northcot Brick Company in den idyllischen Cotswolds sind sie stolz auf ihre große Tradition. Vor mehr als 100 Jahren gegründet von einem Abkömmling der Familie Churchill, hat die Firma Ziegel für so ikonische Bauten wie die Battersea Powerstation am Londoner Themse-Ufer geliefert.

Seit der Finanzkrise leiden sie wirtschaftlich, so wie viele Unternehmen in der Branche. Jetzt kommen hohe Inflation und Kostenschübe durch die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten hinzu.

All das bremst die Bautätigkeit im Land, trotz der politischen Ambitionen. Und die Energiekosten für das Brennen der Ziegel seien in Großbritannien drei- bis viermal so hoch wie die der Wettbewerber in Europa, sagt Graham Irving von Northcot Brick.

Es kommen aber auch Ziegel aus Indien, Pakistan und anderen Teilen der Welt, wo sie nur wenig für ihren Brennstoff bezahlen.

Graham Irving von Northcot Brick

In London steigen die Mietpreise weiter, Zach Sharif wohnt deswegen auf dem Gefängnisgelände. Seine Miete von 680 Pfund liegt damit deutlich unter dem Londoner Durchschnitt.

01.09.2026 | 2:01 min

Leben an Cornwalls Küste - auf royalem Grund

Auch vor den Toren der Surfer-Hochburg Newquay in Cornwall wird gebaut. Die Stadt bekommt einen neuen Vorort: Nansledan. 4.000 Häuser sollen es im Jahr 2045 sein. Alles entsteht auf dem Land des Herzogtums Cornwall.

Das gehört dem Prinzen von Wales. William hatte das Stadtentwicklungsprojekt schon von seinem Vater geerbt. Infrastruktur, Schulen, Hausärzte und Fußballplätze, all das haben sie in der Modellstadt berücksichtigt. Kurze Wege sollen den Bürgern ein nachhaltiges Leben ermöglichen. 30 Prozent bezahlbare Wohnfläche sind geplant, 3.265 Bäume und 2.850 Meter typischer Cornwall-Hecken.

Perry Hughes ist mit seiner Familie 2017 als einer der ersten hier eingezogen. Sie akzeptieren, dass die Stadt um sie herum erst nach und nach entsteht.

Aber zu wissen, dass alles Teil eines Plans ist, ist wirklich beruhigend. Dass meine Kinder darin aufwachsen, ist großartig.

Perry Hughes, Einwohner von Nansledan

Prinz William hat Hochwassergebiete in Wales besucht. Während er sich vor Ort über die Überschwemmungen austauschte, überwand der Thronfolger behende einen Zaun.

02.10.2026 | 0:27 min

Die Unterstützung durch die königliche Familie würde dem Projekt Sicherheit geben, findet Perry Hughes.

Das Herzogtum finanziert als Grundeigentümer und Projektentwickler die Erschließung der Flächen und vergibt Baugebiete an Unternehmen, die dort Häuser errichten und dann verkaufen. Das Besondere an dieser Art, eine Stadt zu bauen, ist, dass Nansledan nicht auf politisch bewilligte Wohnungsbauprogramme angewiesen ist. Dafür haben sie Prinz William.

Hilke Petersen ist Korrespondentin und Studioleiterin im ZDF- Studio London.

Über dieses Thema berichtete die Sendung auslandsjournal am 7.10. 2026 ab 22:15 Uhr.

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