Ferrari: „Fliegende“ einrümpfige Hypersail-Yacht erreicht letzte Ausbauphase
Der Sportwagenbauer Ferrari hat den Rumpf für seine für Hochseeregatten ausgelegte einrümpfige Hypersail-Yacht fertiggestellt. Zudem seien die nötigen Anbauteile wie Kiel und Ruder sowie die Unterwasser-Tragflügel fertig, die das Boot während der Fahrt aus dem Wasser heben, sodass es widerstandsfreier über die Wellen gleiten kann. Damit beginnt nun die finale Bauphase der Segel-Yacht teilte das Unternehmen am Freitag mit. Die Tragflächen des Bootes werden über das Flugmanagementsystem Flight Control angesteuert. Die Yacht soll dadurch möglichst lange Strecken über das Wasser gleiten können.
Ferrari hatte das Yacht-Projekt bereits im Juni 2025 vorgestellt. Es ist das erste Boot, das Ferrari selbst konstruiert und herstellt. Bisher hatte der Sportwagenbauer lediglich Entwürfe für andere Bootsprojekte erstellt oder Motoren geliefert. Die Hypersail-Yacht, die in Pisa gebaut wird, entsteht unter der Leitung des Schiffsbauingenieurs Enrico Voltolini. Er hatte seinen Vorgänger, den Hochseesegler Giovanni Soldini, im April 2026 abgelöst.
Leichte Konstruktion aus Kohlefaser und Titan
Der Monohull-Rumpf der Ferrari-Yacht ist etwa 30 m lang und besteht aus Kohlefaser, um ein geringes Gewicht zu erreichen und das Boot leichter aus dem Wasser heben zu können. Mehrere Lagen Kohlefaser wurden dazu aufgebracht. Die Ingenieure haben viel Zeit investiert, um die notwendige Steifigkeit der Konstruktion zu erreichen, die den Kräften beim Gleiten über das Wasser bei Hochseeregatten standhalten kann. Besonders stark belastete Bauteile, wie etwa die Tragflügelarme sind aus einem Materialmix aus Kohlefaser und Titanelementen gefertigt. Die Technik haben die Ferrari-Ingenieure aus dem Sportwagenbau übernommen. Verformungen sollen bei den Teilen nicht auftreten, sodass eine präzise Steuerung des Bootes möglich ist.
Der Rumpf ist am 16. Oktober fertiggestellt worden, heißt es von Ferrari. Die zweifarbige Außenlackierung in Gelb und Schwarz sei fertig, sodass nun die Unterwasseranbauteile wie Kiel, Ruder und Tragflächen montiert werden können. Sie verschaffen dem Boot den nötigen Auftrieb, um sich aus dem Wasser zu heben und darüber „fliegen“ zu können, wie Ferrari es beschreibt. Zudem geben sie der Segel-Yacht im Zusammenspiel eine Steuerungsmöglichkeit sowie die notwendige Stabilität und Effizienz im Betrieb.
Speziell angepasste Tragflächen, Kiel und Ruder
Jede der drei Komponenten erfüllt dabei seine spezifische Aufgabe. Die Tragflächen, die Backbord und Steuerbord an Auslegern befestigt sind und das Boot auf eine Breite von 20 m bringen, erzeugen den Auftrieb, um den Rumpf aus dem Wasser zu heben. Der Wasserwiderstand des Bootes wird dadurch verringert. Das Boot soll so eine hohe Endgeschwindigkeit von geplanten 50 Knoten (etwa 92 km/h) erreichen.
Im Kiel der Yacht ist ein weiterer Tragflügel integriert. Er besitzt eine bewegliche Klappe. Die Konstruktion trägt zur Steuerung des Fluges bei und bildet zugleich einen dritten Stützpunkt beim Gleiten über das Wasser. Das verbessert die Fahrstabilität zusätzlich.
Einige Kohlefaser-Komponenten der Hypersail sind mit Titan verstärkt, wie etwa das Ruder.
(Bild: Ferrari)
An dem Ruder, das sich am Heck der Hypersail befindet, ist ein kleiner beweglicher Flügel angebracht. Eine vertikal am Ruder angebrachte Klappe verbessert das Halten des Kurses durch Mikroanpassungen und unterstützt damit die Steuerungsfunktion des Ruders.
Tragflächen, Kiel und Ruder werden von dem elektronischen Steuerungssystem Flight Control geregelt, um das Boot aus dem Wasser zu heben und ihm beim Gleiten über das Wasser eine möglichst hohe Stabilität und Leistung zu verschaffen. Flight Control nutzt dazu Informationen von Sensoren, die im gesamten Boot verteilt sind. Analysiert werden die Lage des Bootes (u. a. die Seitenneigung des Bootes), Wind, Wellengang und die Bootsgeschwindigkeit. Daraus berechnet das System notwendige Korrekturen, die über Aktuatoren etwa die Tragflächen ansteuern und für eine bestmögliche Bootslage im Wasser sorgen.
Einen Motor besitzt die mit Mast insgesamt 40 m hohe Segel-Yacht nicht. Die elektrischen Systeme und die Aktuatoren werden von Batterien befeuert. Solarzellen im Deck und an den Rumpfseiten des Bootes sollen die Energiespeicher nachfüllen können.
Auf Rekordjagd
Die Hypersail-Yacht will Ferrari im ersten Halbjahr 2027 vor Livorno vom Stapel lassen. Danach erfolgen erste Tests und mögliche Anpassungen des Flight-Control-Systems an die realen Bedingungen auf See. Danach soll die Yacht an verschiedenen Wettbewerben teilnehmen. Das von Ferrari gesteckte Hauptziel lautet der Gewinn der Jules Verne Trophy für die schnellste Nonstop-Weltumsegelung ohne jegliche Hilfe von Außen. Darüber hinaus will Ferrari den 24-Stunden-Distanzrekord brechen und sich außer der Wertung in der Ultim-Klasse bei Offshore-Regatten mit den schnellsten Trimanen wie Gitana 18 oder Sobedo messen.
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