«Schande!» – aber Klopp hat ein gutes Gewissen

Darum gehts
- Deutschland und die Niederlande trennen sich in Amsterdam 1:1 in der Nations League.
- Das Führungstor von Felix Nmecha sorgt für Streit: Oranje-Captain Virgil van Dijk bezeichnet es als «Schande», weil die Deutschen den Ball nicht ins Aus gespielt hatten.
- Bundestrainer Jürgen Klopp und DFB-Captain Joshua Kimmich weisen den Vorwurf zurück – das Tor sei vollkommen legitim.
Unfair oder clever? Auch nach dem Spiel ging der Disput um das deutsche Führungstor beim 1:1 gegen die Niederlande in den Katakomben der Arena in Amsterdam weiter. Oranje-Captain Virgil van Dijk nannte den Treffer von Felix Nmecha eine «Schande», weil die deutschen Spieler den Ball zuvor nicht ins Aus gespielt hatten, obwohl Stürmer Brian Brobbey sich ohne gegnerische Einwirkung verletzt hatte und auf dem Rasen sass.
Den Vorwurf seines ehemaligen Captains beim FC Liverpool wies Bundestrainer Jürgen Klopp nach dem wilden Nations-League-Auftakt deutlich zurück, ebenso wie DFB-Captain Joshua Kimmich. Die Regel sei nun mal, dass der Schiedsrichter die Partie unterbreche, nicht die Spieler, sagten beide unisono.
«Das Tor ist vollkommen legitim»
Kimmich hatte den Ball in der Szene nach rechts zu Philipp Treu gespielt und damit – trotz Reklamationen der Niederländer – den Angriff eingeleitet, der schliesslich in Nmechas Treffer mündete. Beim Torjubel kam es zu Rangeleien auf dem Rasen.
«Es war sicherlich keine Schande», sagte Klopp später in der Pressekonferenz. «Das Tor ist vollkommen legitim. Ich habe kein schlechtes Gewissen. Und ich hätte eines, wenn es nicht legitim wäre. Ich hätte es trotzdem genommen, aber hätte ein schlechtes Gewissen. Das habe ich nicht.» Wäre es seiner Mannschaft so passiert, «hätte ich meinen Spielern gesagt, ihr müsst weiterspielen».
«Ich habe einen Pass zum Philipp gespielt, er hat geflankt – und wir haben ein Tor gemacht», beschrieb Kimmich seine Sicht auf die Aufreger-Szene. «Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel, vor allem wenn ein Spieler eine Kopfverletzung hat. Es ist die Aufgabe des Schiedsrichters, zu erkennen, ob der Spieler seriös verletzt ist.»
Kimmich an van Dijk: «Keine reflektierte Antwort»
Er habe «keinen Pfiff gehört, deswegen ging es völlig korrekt weiter», sagte Kimmich in den Katakomben. Nur wenige Meter entfernt stand van Dijk vor den Reportern. Zum Vorwurf der «Schande» bemerkte Kimmich auf Nachfrage: «Das finde ich keine reflektierte Antwort von ihm.»
Vor allem, wenn man in der Verteidigung sei, müsse man eben weiterspielen, sagte Klopp. «Haben sie nicht getan. Und wir haben das ganz, ganz toll genutzt mit einer ganz tollen Aktion. Gute Flanke, guter Laufweg. Felix war da, wo er sein muss – und haut den Ball rein.» Van Dijks Reaktion sei überzogen gewesen: «Es war sicher keine Schande, aber aus der Emotion heraus ist immer erst mal alles erlaubt zu sagen.»
«Das ist eine Schande. Unglaublich»
Apropos: Auch Ex-Star Rafael van der Vaart polterte im niederländischen TV über die Schiri-Leistung.
Dem Niederländer ging es um das aberkannte Tor der Niederländer in der 13. Minute. Nach einer Ecke stieg van Dijk im Zentrum am höchsten und drückte den Ball am Ende ins Tor. Torhüter Marc-André ter Stegen sah dabei unglücklich aus. Schiri Alejandro Hernández gab den Treffer zunächst. Doch dann meldete sich der VAR und pfiff die Szene wegen Behinderung zurück.
Beim niederländischen Sender NOS schimpfte van der Vaart in der Halbzeitpause der Nations-League-Partie: «Das ist eine Schande. Unglaublich. Brobbey macht doch kaum etwas. Man darf ihn doch wohl berühren. Es ist nicht so, dass der Torhüter machen kann, was er will.»
Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
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