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Saturday, October 3, 2026

Rückkehr oder Rauswurf? «Xhaka und Embolo sind ein grosses Thema»

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Rauswurf oder Rückkehr: Im Schweizer Fanlager werden die Fälle Xhaka und Embolo heiss diskutiert.20min

Darum gehts

  • Granit Xhaka und Breel Embolo fehlen der Schweizer Nati wegen gefälschter Covid-Zertifikate bei den nächsten zwei Spielen.
  • Der SFV um Präsident Peter Knäbel hat die beiden Leistungsträger vorübergehend aus dem Aufgebot ausgeschlossen.
  • Nati-Superfan Marcel Rohner fordert die Rückkehr beider Spieler – und glaubt, dass die meisten Fans das genauso sehen.

Zwei Spiele, sechs Tore und sechs Punkte: Die Nati trumpft in der Nations League gross auf – und das, obwohl derzeit zwei prominente Namen fehlen: Granit Xhaka und Breel Embolo. Zwei Leader, die aufgrund ihrer Verfehlungen während der Pandemie auch für die nächsten beiden Spiele gegen Slowenien und wiederum Nordmazedonien fehlen werden.

So hat das der SFV, die Verbandsspitze um Präsident Peter Knäbel, Nati-Direktor Pierluigi Tami und CSO Marin Jurendic entschieden. Doch was halten eigentlich die Fans davon, dass zwei grosse Leistungsträger aufgrund von juristischen Verfahren wegen gefälschter Covid-Zertifikate kurzfristig ausgeschlossen wurden?

Trennung von Gesetz und Moral

«Xhaka und Embolo sind ein grosses Thema und werden heftig diskutiert», sagt Superfan Marcel Rohner. Er trennt dabei zwischen der rechtlichen und der moralischen Ebene. «Die rechtliche Ebene ist nicht unsere Aufgabe – dafür gibt es Gesetze, die entscheiden und urteilen müssen.»

Im Fokus der Medien: Granit Xhaka dirigiert die Nati am WM-Viertelfinal gegen Argentinien – derzeit fehlt der Captain wegen gefälschter Covid-Zertifikate im Aufgebot.

Im Fokus der Medien: Granit Xhaka dirigiert die Nati am WM-Viertelfinal gegen Argentinien – derzeit fehlt der Captain wegen gefälschter Covid-Zertifikate im Aufgebot.20min

Moralisch sei die Diskussion hingegen eine andere. Und da fällt schnell die Frage: Ausschluss oder Rückkehr in die Nati? «Von vielen höre ich: ‹Ja, sie sind keine Vorbilder.› Das mag sein, aber wir alle haben im Leben schon Fehler gemacht. Und ja, Xhaka und Embolo jetzt auch und es werden wohl nicht die einzigen sein.»

Die Leistung für die Nati im Vordergrund

Das Treffen mit Rohner findet vor dem Schottland-Spiel in Glasgow statt und er stellt gleich zu Beginn des Gesprächs mit 20 Minuten klar, dass er Xhakas und Embolos Verhalten während der Pandemie nicht gutheisst. «Ich goutiere das absolut nicht. Ich selber war ein seriöser Befolger der Covid-Regeln, ich habe mich an alles gehalten», sagt Rohner.

Doch für Rohner, der seit über 30 Jahren die Nati live verfolgt und kaum ein Spiel verpasst hat, darf die aktuelle Debatte den Dienst für die Nati nicht komplett überlagern. «Wir müssen beachten, was Xhaka und Embolo als absolute Aushängeschilder für die Schweiz geleistet und welch grossartige Arbeit sie auf dem Feld erbracht haben.»

Marcel Rohner: «Granit war immer einer, der aneckt»

Gerade Xhaka sei vielleicht der grösste Spieler, den die Schweiz je hatte – begrüsst deshalb auch solidarische Bekundungen wie das Free-Xhaka-Plakat, das ein Schweizer Fan im Stadion von Skopje gegen Nordmazedonien prominent in der Kurve platzierte.

«Man darf die Vergangenheit nicht ausblenden: Xhaka hat extrem viel für uns gemacht», sagt Rohner und hält den Kritikern beim Umgang mit der Pandemie, die mehr als vier Jahre zurückliegt, den Spiegel vor. «Irgendwann reicht es auch langsam mit Covid.»

Wie weit dürfen der SFV und die Medien gehen?

Dass Xhaka schon vor der Covid-Affäre mit beispielsweise Tattoos oder Coiffeurbesuchen während Corona polarisiert hat, ist sich auch Rohner bewusst. «Granit war immer einer, der aneckt – mit den blonden Haaren oder speziellen Autos –, das hat immer für Gesprächsstoff gesorgt.»

Rohner sieht die Covid-Affäre losgelöst vom sportlichen Standpunkt. «Solange das gefälschte Covid-Zertifikat nicht für die Nati-Spiele verwendet wurde, frage ich mich schon, ob es die Aufgabe der Medien oder des Schweizerischen Fussballverbandes ist, darüber den Stab zu brechen.»

Bis dato trägt der Fall aus Sicht des SFV die Etikette einer privaten Angelegenheit. Mit Arsenal nutzte Xhaka das gefälschte Zertifikat allerdings für eine USA-Reise.

Unabhängig davon ist Rohners Forderung eindeutig: «Wir Fans möchten beide Spieler wieder beim Zusammenzug dabeihaben», sagt der 56-jährige Key Account Manager aus St. Gallenkappel. «Ich glaube, das ist die Meinung von sehr vielen.»

Dies, obschon die neue Generation im Spiel gegen Nordmazedonien und Schottland «die beiden Leader hervorragend vertreten hat», findet Rohner: «Einen solchen Abgang haben Granit und Breel nicht verdient.»

Der aktuelle Stand – rechtlich – Xhaka und Embolo

Xhaka gab am 21. September zu, während der Corona-Zeit eine Impfbestätigung erworben zu haben, ohne sich impfen zu lassen. Er bezeichnete dies als Fehler, entschuldigte sich und kündigte an, mit den Behörden zu kooperieren.

Der SFV und Xhaka entschieden daraufhin gemeinsam, dass der Captain den aktuellen Nati-Zusammenzug auslässt. Während des Länderspielfensters wird er von der Luzerner Staatsanwaltschaft einvernommen. Danach entscheidet der SFV, wie es weitergeht.

Bei Embolo ist die Ausgangslage eine andere: Der Stürmer bestätigte Ende September, dass er 2021 gefälschte Covid-Reisezertifikate für sich und eine Bekannte bestellt hatte.

Gegen ihn wurde im November 2025 ein Strafbefehl wegen mehrfacher Anstiftung zu Urkundenfälschung erlassen. Die bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 3000 Franken ist rechtskräftig. Deshalb fehlt auch Embolo beim aktuellen Zusammenzug.

Wie findest du es, dass Xhaka und Embolo vorerst nicht für die Nati spielen dürfen?

Sebastian Rieder

Sebastian Rieder (sri), arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport. Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.

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