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Tuesday, October 20, 2026

"Einfach pünktlich sein": So trainiert G2 das Selbstvertrauen für den WM-Titel

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Wer Weltmeister werden will, muss erst mal pünktlich sein. Das ist kein Kalenderspruch, sondern Teil des Plans, mit dem G2 bei Worlds 2026 bestehen will. Performance-Coach Ismael Pedraza erklärt kicker eSport, warum Europas bestes Team sein Selbstvertrauen nicht an Siege knüpfen darf. Und gibt offen zu: Wo G2 wirklich steht, weiß noch niemand.

Daran zu glauben, dass G2 Worlds 2026 gewinnen kann, ist für Ismael Pedraza, Performance-Coach des LoL-Teams, nur der Anfang. Dieser Glaube benötige ein Fundament, sagt er kicker eSport: Gute Vorbereitung, Konstanz und eine Mannschaft, die einander stützt, wenn es schwierig wird.

"Ich bin sehr zuversichtlich, dass Stab und Spieler - egal, in welcher Situation wir sind - alles dafür geben, dass es klappt. Deshalb ist es möglich."

Als Nummer 1 der LEC reist G2 mit hohen Erwartungen an. Pedraza weiß aber: Ob das Team Erfolg hat, hängt davon ab, wie gut es die unterjährige Arbeit abruft, wenn der Druck am größten ist.

Erst am 20. September sicherten sich Jungler 'Skewmond' und G2 die nächste Trophäe. Jetzt muss sich der Erfolg auf die internationale Bühne übertragen. Wojciech Wandzel/Riot Games

Glaube, der nicht an Ergebnissen hängt

"Natürlich ist das die zentrale Erzählung: Wir können Worlds gewinnen", antwortet Pedraza auf die Frage nach dem Selbstverständnis von G2 vor dem Turnier. "Darauf sollte jeder Einzelne vertrauen. Aber dahinter müssen Taten stehen."

Als Performance-Coach hilft Pedraza den Spielern, die Gewohnheiten und die Einstellung zu entwickeln, die sie benötigen, um unter Druck konstant gut zu spielen - in der Kluft und außerhalb.

kicker eSport begleitet G2 Esports

  • Vor, während und nach Worlds zeigen wir in je einem Hintergrundbericht, wie Europas erfolgreichstes Team das größte Event des Jahres angeht.

Ihr Selbstvertrauen darf für Pedraza nicht allein davon abhängen, ob das Team seine Matches gewinnt. Spieler würden aus Ergebnissen in Solo-Queue oder Training schnell auf ihr eigenes Niveau schließen.

Wer langfristig an sich glauben wolle, könne darauf aber nicht bauen. Stattdessen setze G2 auf tägliche Routinen und Gewohnheiten, aus denen die Spieler verlässlicher Selbstvertrauen ziehen: Morgens Sport treiben, ausgewogen essen oder auch "einfach pünktlich sein". All das präge das Umfeld, das sich die Organisation schaffen will.

"Diese Taten sind superwichtig, damit die Spieler bei Worlds im Moment bleiben", erklärt Pedraza. Auf diesen Prozess müsse das Trainerteam konstant achten. Weil die Coaches ihre Spieler gut kennen, merken sie, wenn jemand nicht an sein gewohntes Niveau heranreicht.

Dann schaffe das Team den Rahmen, um zu reden, Spiele zu analysieren und zu den Grundlagen zurückzukehren, die den Spielern Halt geben. Es gehe nicht darum, jeden Zweifel auszuräumen. Vorübergehende Rückschläge sollen nur nicht bestimmen, wie die Spieler sich selbst und ihre Mannschaft generell sehen.

Sich anpassen, in der Kluft und außerhalb

Dass G2 im Laufe des Jahres 'Perkz' als Cheftrainer geholt hat, habe das Selbstvertrauen des Teams ebenfalls geprägt. Er brachte frische Ideen in die Vorbereitung, die bei Worlds bald zu sehen sein sollen, sagt Pedraza. Er sieht den Wechsel nicht als Störfaktor, sondern als Chance, eingespielte Gewohnheiten zu hinterfragen und das Spiel aus einem anderen Blickwinkel anzugehen. "Auch die Spieler lieben Perkz, weil er selbst ein sehr erfolgreicher eSportler war, viele Ideen hat und man mit ihm jederzeit über League reden kann", sagt er.

Laut Pedraza fand 'Perkz' dank seiner Erfahrung sofort einen Draht zum Kader. Mit ihm stellten sich bei G2 aber auch Fragen zu Struktur und Führung. Der Trainerstab habe die Mannschaft gemeinsam durch die Umstellung begleitet, sagt der Performance-Coach. Geholfen habe auch, dass 'Perkz' bereit sei, weiter dazuzulernen und in die Trainerrolle hineinzuwachsen.

G2s Trainerteam von links nach rechts: Co-Trainer 'Memento', Performance-Coach 'Isma', Chefanalyst 'Rodrigo' und Cheftrainer 'Perkz'. Michal Konkol/Riot Games

Neue Verantwortliche, andere Gegner, die Herausforderungen auf internationaler Bühne: All das verlange, dass sich G2 anpasst. Auch deshalb lässt sich für Pedraza schwer sagen, wo das Team vor Worlds genau steht.

"Das wissen wir noch nicht", sagt er und räumt ein: Gut vorbereitet zu sein, heißt nicht automatisch, auch gut zu spielen. G2 könne der eigenen Arbeit vertrauen, müsse aber noch beweisen, dass es auch auf der internationalen Bühne als Mannschaft funktioniert. Im Bootcamp in Los Angeles hatten die Europäer gegen "starke nordamerikanische Teams" trainiert. Solange G2 aber nicht gegen Organisationen aus Asien gespielt habe, zeige das nur einen Teil des Bildes, betont Pedraza.

Aus Potenzial einen Titel machen

So wie G2 in diesem Jahr bislang aufgetreten war, ist es durchaus möglich, dass das Team Weltmeister wird. Die Dominanz in der LEC und der Aufwärtstrend beim First Stand zeigen: G2 bringt einiges mit, um bei Worlds um den Pokal zu kämpfen.

Pedraza bleibt dennoch realistisch: "Glück ist ein großer Teil der Leistung bei Worlds. Selbst wenn Leute sagen, das sei nur eine Ausrede: Glück spielt eine Rolle", erklärt er.

Und ja, er glaube daran, dass G2 gewinnen könne, wenn die Spieler das Beste aus der restlichen Vorbereitung herausholen und sich an die Bedingungen anpassen. Zur Erinnerung: Genau so hat T1 dreimal in Folge den Titel geholt.

Bei der Auslosung für die erste Runde der Swiss Stage hat es G2 direkt ordentlich erwischt. Gleich zu Beginn treffen sie auf die Koreaner von Dplus Kia. Stefan Wisnoski/Riot Games

Umso wichtiger sei es, Ursachen zu verstehen, statt jedes Ergebnis überzubewerten. Denn kleine Rückschläge im Training können das Selbstbild eines Teams ins Wanken bringen. Deshalb geht es Pedraza bei Worlds um mehr als um die Frage, wo G2 am Ende landet.

"Ich glaube, es geht darum, am Spieltag wirklich so fokussiert und lösungsorientiert wie möglich aufzutreten", sagt er. Für G2 hieße das, alles zusammenzubringen, woran das ganze Jahr gearbeitet wurde: Die Routinen, die das Selbstvertrauen tragen, die Flexibilität, mit Veränderungen umzugehen, und die gemeinsame Verantwortung, die die Mannschaft zu mehr mache als zur Summe ihrer Spieler.

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kicker eSport Worlds-Team

© v.l.: Florian, Lars, Holm, Cecilia kicker eSport

kicker eSport geht 2026 gleich mit vier Leute an den Start: Florian, Lars, Holm und Cecilia begleiten Worlds für euch mit Einschätzungen, Spielberichten und immer auch kommentierend. Wir ordnen ein und erklären, was in der Kluft passiert. Dabei haben wir geballte Kompetenz versammelt: Florian ist unser LoL- und Valorant-Redakteur, Lars verfolgt jedes Spiel der LEC und zockt neuerdings auch in der Prime League. Holm ist seit 10 Jahren Worlds-Redakteur und leitet kicker eSport. Cecilia schreibt seit vielen Jahren intensiv und oft auch investigativ über Riot und deren Kosmos. Spielerisch hängt das Team immer irgendwo zwischen Platin und Smaragd.

Die Erwartungen sind groß -und sie kommen nicht nur aus dem Team selbst. Ganz Europa schaut auf G2. Scheitert ein Kader mit diesen Ambitionen vor der K.-o.-Phase, wäre das eine Enttäuschung. Doch so wie G2 bisher gespielt hat, dürfen die Fans zu Recht von mehr träumen. Den Glauben hat das Team. Was er taugt, kann das Team gleich im ersten Match unter Beweis stellen: Zum Auftakt geht es gegen Dplus KIA aus Korea, den amtierenden Sieger des Esports World Cup.

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