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Wednesday, November 4, 2026

Trump verliert: Profitiert die Schweiz jetzt im Zollstreit?

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  • Die Demokraten gewinnen bei den US-Zwischenwahlen sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat.
  • Präsident Donald Trump verliert damit die Kontrolle über den Kongress und hat es ab Januar schwerer mit neuen Gesetzen.
  • Schweizer Politiker von SP bis SVP erwarten im Zollstreit keine schnelle Entspannung, da der Präsident handelspolitisch am Drücker bleibt.

Für die nächsten zwei Jahre sind das Repräsentantenhaus und der Senat in blauer Hand: Bei den Midterms mussten die Republikaner deutliche Verluste hinnehmen – die Demokraten konnten zahlreiche Sitze übernehmen.

US-Präsident Donald Trump verliert damit die Kontrolle über die beiden Kongresskammern. Neue Gesetze durchzubringen, dürfte für Trump ab Januar deutlich schwieriger werden.

Auch in der Schweizer Politik verfolgte man die Midterms mit grossem Interesse.

Was bedeutet der «blaue Tsunami» für die Schweiz und ihre derzeit angespannte Beziehung mit den USA?

SP-Wermuth: «Dämpfer für trumpistische Rechte, guter Tag für die Welt»

Einer, der sich am Mittwochmorgen besonders erfreut zeigt, ist SP-Co-Präsident Cédric Wermuth. «Das ist ein massiver Dämpfer für die trumpistische Rechte weltweit und ein guter Tag für die Welt», sagt er zu 20 Minuten. Es zeige, dass es sich lohne, für «soziale Gerechtigkeit zu kämpfen» – und gebe «sicher auch Hoffnung» in Europa.

«Hoffnung» für Europa und «ein guter Tag für die Welt»: SP-Co-Präsident Cédric Wermuth zeigt sich über das Wahlergebnis in den USA erfreut.

«Hoffnung» für Europa und «ein guter Tag für die Welt»: SP-Co-Präsident Cédric Wermuth zeigt sich über das Wahlergebnis in den USA erfreut.Franziska Rothenbühler

Für die Schweiz werde sich allerdings so schnell nicht vieles ändern, glaubt Wermuth. «Es kann sogar sein, dass sich Trump nun vermehrt der Aussenpolitik widmen wird, weil er innenpolitisch nicht mehr viel ausrichten kann», spekuliert der SP-Politiker. Das müsse man jedoch abwarten.

SVP-Grüter: «Sollten nicht auf ein Wunder aus dem Kongress warten»

Wenig überrascht ist SVP-Aussenpolitiker und Nationalrat Franz Grüter. «Ich war erst kürzlich in den USA und habe dieses Resultat so prognostiziert», sagt er zu 20 Minuten. Zwischenwahlen seien in den USA traditionell ein Korrektiv gegenüber dem amtierenden Präsidenten. «Für die nächsten zwei Jahre bedeutet dies, dass Präsident Trump für seine Vorhaben deutlich stärker auf den Kongress angewiesen ist», so Grüter. Die Gewaltenteilung funktioniere, das sei «ein gutes Zeichen».

Unabhängig davon, welche Partei gerade die Mehrheit stelle, blieben die USA einer der wichtigsten Handelspartner der Schweiz. «Die Schweiz tut gut daran, mit beiden Lagern in Washington gute und verlässliche Beziehungen zu pflegen», so der Aussenpolitiker.

Grüter warnt jedoch vor allzu grossen Erwartungen, was eine Entspannung im Zollstreit angeht. Zwar erhalte der Kongress mehr Gewicht – doch der Präsident verfüge weiterhin über handelspolitische Instrumente. Und: «Protektionismus ist in den USA längst kein Anliegen einer einzigen Partei mehr», so der Luzerner. Der Bundesrat müsse deshalb die Verhandlungen in Washington «konsequent» weiterführen und auf eine dauerhafte, rechtlich verbindliche Lösung hinarbeiten. «Auf ein Wunder aus dem Kongress sollten wir nicht warten.»

Mitte-Schneider-Schneiter: «Amerikanische Bevölkerung setzt Trumps Politik Grenzen»

Für Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter ist das Ergebnis ein deutliches Signal an Präsident Trump. «Die amerikanische Bevölkerung setzt seiner Politik Grenzen», so die Aussenpolitikerin.

Man dürfe aber nicht vergessen, dass Trump noch immer viel Macht mit seinem Vetorecht habe. Die Demokraten würden aber Trumps Politik künftig stärker kontrollieren und bremsen können. «Das eröffnet Chancen für eine berechenbarere Weltpolitik und damit auch für die Beziehungen zur Schweiz», so Schneider-Schneiter. Die USA blieben für die Schweiz schliesslich ein zentraler Wirtschafts- und Sicherheitspartner.

Die Mitte-Politikerin erhoffe sich nun eine Entspannung im Zollstreit und eine «pragmatischere Handelspolitik» der USA. Sie stellt jedoch klar: «Die Zollpolitik bleibt weitgehend in den Händen des Präsidenten.» Die Schweiz müsse deshalb weiterhin konsequent ihre wirtschaftlichen Interessen vertreten und ihre Handelsbeziehungen diversifizieren.

FDP-Cottier: «Darf keine Wunder erwarten»

Damien Cottier, FDP-Fraktionschef und Präsident der parlamentarischen Gesellschaft Schweiz-USA, nennt das Wahlergebnis eine «Abstrafung» für die Politik, die Trump verfolge. Das zeige sich besonders deutlich daran, dass die Demokraten «sogar den Senat gewonnen» haben. Durch den Machtwechsel im Kongress käme es nun zu mehr Korrekturen und Gegenmacht, glaubt Cottier – aber das werde die politische Linie nicht grundlegend ändern.

Für die Schweiz erwartet Cottier deshalb auch keine grossen Veränderungen: «Die Demokraten standen dem Freihandel schon immer weniger positiv gegenüber als die Republikaner. Die Demokraten werden also nicht plötzlich sagen: ‹Das ist grossartig, senken wir die Zölle auf null Prozent.›» Die Schweiz müsse nun im Zollstreit weiterverhandeln – das Resultat der Zwischenwahlen sei «eher eine Atempause» für die Schweiz. «Aber man darf keine Wunder erwarten, denn das wird nicht der Fall sein», ist Cottier überzeugt.

Christina Pirskanen

Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.

Christof Vuille

Christof Vuille (vuc) leitet seit 2023 das Ressort Politik und ist Mitglied der Redaktionsleitung. Er berichtet für 20 Minuten nah am Puls der Bundespolitik.

Aira Flückiger

Aira Flückiger (fla) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie ist Praktikantin im Ressort Politik.

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