Betrugsmasche – So schützen Sie sich vor KI-Stimmklonen

KI ermöglicht täuschend echte Stimmkopien und wird zunehmend für Betrugsversuche eingesetzt. So können Sie sich schützen.
18.10.2026, 13:02
Eine italienische Privatbank soll durch einen Betrug mit einer KI-generierten Stimme 95 Millionen Euro verloren haben. In der Schweiz wurde ein Unternehmen im Kanton Schwyz nach ähnlichen Anrufen um mehrere Millionen Franken gebracht.
Fachleute empfehlen deshalb, auch bei vertraut klingenden Stimmen vorsichtig zu bleiben.
«Selbst wenn man die Stimme erkennt, sollte man den Kontakt über einen anderen Kanal überprüfen und die Person zurückrufen», sagt Sandy Lavorel gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). Lavorel betreibt die kostenlose Plattform FlairSafe, die bei der Erkennung von Betrugsversuchen hilft.
Ob es um eine Zahlung, einen Bestätigungscode oder ein Passwort gehe: Entscheidend sei, die Identität der Person unabhängig zu prüfen.
Nicht unter Druck setzen lassen
Nach Angaben von Lavorel gehört dazu auch eine grundlegende Regel der «digitalen Hygiene»: Tempo herausnehmen.
Betrüger erzeugten oft künstlichen Zeitdruck und vermittelten den Eindruck, sofort handeln zu müssen. Gerade in solchen Situationen sei besondere Vorsicht geboten.
«Man sollte nicht in der Hektik reagieren und immer einen zweiten Kommunikationskanal nutzen – auch wenn die Stimme einer Person täuschend echt klingt», betont Lavorel.
Derzeit erkennt FlairSafe noch keine Stimmklone. Die Plattform analysiert jedoch das Risiko von Nachrichten anhand von Bildschirmfotos oder kopierten Texten. Laut Lavorel laufen Gespräche über die Entwicklung entsprechender Funktionen zur Verifizierung von Stimmen.
Mehr Betrugsversuche mit KI
Der Einsatz von KI bei Betrugsmaschen nimmt weiter zu. Darauf weist der Bericht des Bundesamts für Cybersicherheit (BACS) zum ersten Halbjahr 2026 hin.
«Angreifer nutzen KI systematisch, um ihren Opfern glaubwürdige und auf sie zugeschnittene Inhalte zu präsentieren», hält das Amt fest. Im Fokus stehen dabei häufig Mitarbeitende von Unternehmen. Ziel ist es, hohe Geldbeträge zu erschleichen.
Als Beispiel nennt das BACS sogenannte CEO-Betrugsfälle. Dabei wird die Stimme einer vorgesetzten Person nachgeahmt, um Mitarbeitende zu einer Überweisung zu bewegen. Solche Angriffe seien zwar aufwendiger, hätten aber oft höhere Erfolgschancen.
Kriminelle nutzen KI nicht nur für Stimmklone. Immer häufiger werden auch Identitäten bekannter Personen missbraucht.
So wurde die Identität der Lastwagenfahrerin und Influencerin Lexie für Hunderte gefälschter Profile verwendet. Betrüger boten nicht existierende Lastwagenfahrten an, erfanden Pannen oder gründeten Scheinfirmen. Einige Betroffene verloren dabei Hunderte bis Zehntausende Franken.
Zunehmend verbreitet ist auch das sogenannte «Dream Job Playbook». Dabei geben sich Betrüger auf LinkedIn als Headhunter aus und locken ihre Opfer mit attraktiven Stellenangeboten.
Laut BACS dienen die fingierten Bewerbungsprozesse dazu, Kryptovermögen von Privatpersonen und Unternehmen zu stehlen. Die entstandenen Schäden gehen inzwischen in die Millionen.
Warnsignale ernst nehmen
Das BACS empfiehlt privaten Personen, Unternehmen und Behörden, bei verdächtigen Kontakten aufmerksam zu bleiben.
Besonders Zeitdruck und Drohungen gelten als typische Warnzeichen. Werden Forderungen zunehmend dringlicher oder erscheinen ungewöhnlich, sollte der Kontakt abgebrochen werden.
Zudem empfiehlt das Amt, Anfragen stets über offizielle Kanäle zu überprüfen, etwa über die bekannte Telefonnummer oder die Website einer Organisation.
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