Die Kultur des Spendens – Organe, Blut, Stammzellen: So läuft das mit den Spenden

Für einige gehört Blutspenden zur Routine, andere haben es noch nie gemacht. Auch Stammzellen können wir zu Lebzeiten spenden. Und über den Tod hinaus kann man seine Organe spenden.
Blutspenden
2025 sind laut dem Schweizerischen Roten Kreuz insgesamt 252'703 Blutspenden gemacht worden. Frauen dürfen viermal pro Jahr Blut spenden, Männer dreimal. Zusätzlich muss man volljährig sein und mindestens 50 Kilogramm wiegen. Eine Spende muss zudem freiwillig und gratis sein. Abgezapft werden jeweils 450 Milliliter Blut. Erholen tut man sich davon grundsätzlich rasch.
Regelmässig gibt es rund um Feier- oder Festtage Appelle, Blut zu spenden. Woran liegt das? Nehmen in dieser Zeit Unfälle zu und es braucht mehr Blut? Bernhard Wegmüller, Direktor bei Blutspende Schweiz des Schweizerischen Roten Kreuzes, verneint: «Während dieser Zeit haben die Leute oft viel um die Ohren und keine Zeit, Blut zu spenden, deshalb die Aufrufe.»
Seit 2025 dürfen alle Personen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, Blut spenden. Mittlerweile ist auch eine Chemotherapie kein Ausschlussgrund mehr. Das Schweizerische Rote Kreuz schreibt auf Anfrage, eine Spende sei fünf Jahre nach der letzten therapeutischen Behandlung eines bösartigen Krebses wie einer Operation, Bestrahlung, Chemotherapie oder einer Hormontherapie möglich, «vorausgesetzt, dass der Spender als geheilt gilt und eine vollständige Remission besteht.»
Organspende
Der Grossteil der Organspenden stammt von verstorbenen Menschen. In der Schweiz spendeten letztes Jahr 185 verstorbene Personen ihre Organe. Im selben Jahr erhielten 643 eines oder mehrere Organe.
Was oft vergessen wird: Es gibt auch sogenannte Lebendtransplantationen. «Das ist vor allem bei Nieren und Lebern der Fall», sagt Franz Immer, Direktor von Swiss Transplant. Meist passiert eine solche innerfamiliär oder im Bekanntenkreis. Allerdings bedarf es dazu einer psychiatrischen Abklärung – auf der Seite des Empfängers und der Spenderin. Denn wie die Blut- oder Stammzellenspende muss auch eine Lebendspende unentgeltlich und völlig freiwillig sein. Hier zudem noch frei von innerfamiliärem Druck.
Die vom Volk 2022 angenommene sogenannte Widerspruchsregelung wird voraussichtlich Mitte 2028 umgesetzt.
Ab diesem Zeitpunkt ist jede Person automatisch Organspender, es sei denn, er oder sie verweigert zu Lebzeiten die Spende ihrer Organe.
Wie heute im Spenderausweis, kann man auch in der Widerspruchsregelung oder in der Patientenverfügung einzelne Organe von der Transplantation ausschliessen.
Eine verstorbene Person vermag bis zu neun Menschen mit neuen Organen zu versehen.
Blutstammzellenspende
Das Gleiche gilt bei der Blutstammzellenspende innerhalb der Familie. Hier ist die Spende – wie die Lebendspende – nicht mehr anonym und es kann zu Interessenkonflikten kommen. Die Empfängerin etwa könnte sich Sorgen machen, dass die Stammzellenspende nicht zur Genesung führt. Oder der Spender, dass seine Blutstammzellen keine Heilung bringen.
Blutstammzellenspender oder -spenderin wird man, indem man sich bei Swiss Blood Stem Cells registriert und einen Abstrich der Mundschleimhaut hinterlegt.
«Blutstammzellen werden in 90 Prozent der Fälle über das Blut ausgerichtet», sagt Oliver Kürsteiner von Swiss Blood Stem Cells des Schweizerischen Roten Kreuzes. Dabei wird beim Spender medikamentös die Bildung von Blutstammzellen angeregt und diese werden dann via Blut entnommen. Das Blut wird im gleichen Vorgang wieder zurück in den Spender geführt. Nur in zehn Prozent der Fälle werden Blutstammzellen über den Beckenknochen entnommen. Das passiert während einer Vollnarkose.
«Unter Philanthropie verstehen wir jede freiwillige Handlung für einen gemeinnützigen Zweck», sagt Georg von Schnurbein, Professor am Center for Philanthropy Studies der Universität Basel. Dieser Zweck sei sehr weit gefasst, jede Form menschlichen Helfens fällt darunter.
«Das ist in jeder Zivilisation verankert. Es geht darum, über die eigene Familie, den eigenen Clan hinaus, anderen Menschen zu helfen.» Kein Wunder hat Philanthropie Eingang in sämtliche Weltreligionen gefunden. «Das ist schlussendlich ein Grundwesenszug von Zivilisation.»
Menschen helfen, die man nicht kennt
Philanthropie sei zutiefst menschlich, sagt Schnurbein. «Man hilft auch Menschen, die man gar nicht kennt.» Trotzdem: Geht es beim Spenden um das Spenden oder gar um den Spender oder die Spenderin? «Spenden bewirkt einen sogenannten ‹warm glow›», so der Experte. Das warme Gefühl wirkt oft nachhaltig. Besonders dann, wenn man etwa eine Dankeskarte bekommt. Oder wie beim Blutspenden – je nach Anzahl der Spenden – ein kleines Werbegeschenk.
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