Nach Tod von Streamer Adam Wolke (36): Kann es auch mich treffen?

- Der Streamer Adam Wolke (36) starb an einer Hirnblutung infolge eines geplatzten Hirnaneurysmas.
- Schätzungen zufolge haben rund zwei bis drei Prozent der Bevölkerung ein solches.
- Kleine, stabile Aneurysmen müssen nicht zwingend behandelt, aber regelmässig kontrolliert werden.
- Ein Hirnaneurysma ist tückisch, weil es oft unbemerkt bleibt. Platzt es, besteht Lebensgefahr.
Zwei Wochen, so heisst es aus dem Umfeld, hat Adam Wolke um sein Überleben gekämpft. Doch der 36-Jährige schaffte es nicht: Der Streamer, der als SkylineTV bekannt war, starb am Sonntag nach einer schweren Hirnblutung infolge eines geplatzten Hirnaneurysmas. Dabei handelt es sich um eine Gefässerkrankung, die laut Unispital Zürich (USZ) «schätzungsweise etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung betrifft».
Gefässerkrankung: Was bedeutet die Diagnose Hirnaneurysma konkret?
Ein Hirnaneurysma ist eine örtlich begrenzte arterielle Gefässerweiterung im Hirn. Konkret beschreibt es eine sack- oder beerenförmige Ausbuchtung, die sich häufig an Verzweigungsstellen der Blutgefässe bildet.
Sie entsteht infolge einer Schwächung der Gefässwand. Dadurch kann sich das betroffene Blutgefäss ballonartig erweitern. Platzt es, kann es wie bei Adam Wolke zu einer lebensgefährlichen oder sogar tödlichen Hirnblutung kommen. Fachleute sprechen dann auch von einem hämorrhagischen Schlaganfall. Ein solcher ist immer ein akuter Notfall.
Wie äussert sich ein gerissenes Hirnaneurysma?
Typisch ist ein plötzlich einsetzender, extrem starker Kopfschmerz, der häufig als «stärkster Kopfschmerz des Lebens» beschrieben wird, so das USZ. Wie die Nachrichtenagentur DPA schreibt, beginnt dieser oft am Hinterkopf und Nacken, breitet sich über den ganzen Kopf aus und zieht bis in den Rücken. Weitere Symptome sind:
- Übelkeit und Erbrechen
- Lichtempfindlichkeit
- Bewusstseinsstörungen
- Verwirrtheit
- Sprachstörungen
- Lähmungserscheinungen
«Bei diesen Beschwerden sollte umgehend der Notruf alarmiert werden», betont das USZ.
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Platzt ein Aneurysma im Kopf, ist dies lebensbedrohlich: «Etwa 30 Prozent der Betroffenen versterben an der Blutung oder ihren Folgen», hält das Inselspital Bern fest. Doch auch wer überlebt, sei nicht unbedingt gesund: «Weniger als 20 Prozent überleben ohne bleibende Schäden.»
Hirnaneurysmen gelten als tückisch: Warum?
Ein Hirnaneurysma verursacht in der Regel keine Beschwerden und wird meist zufällig entdeckt. Etwa im Rahmen von anderen Untersuchungen, zum Beispiel als Zufallsbefund bei einer MRI-Untersuchung des Gehirns, heisst es bei der Hirslanden-Gruppe. Erst wenn das Aneurysma an Grösse zunimmt oder sich in seiner Form verändert, kann es auf benachbarte Hirnstrukturen drücken, schreibt das USZ. Das könne sich dann in Form von Kopfschmerzen, Doppelbildern und Sehstörungen äussern. Selten komme es zu neurologischen Ausfällen.
Kennst du jemanden mit Gehirnaneurysma?
Ich habe ein Aneurysma, muss ich operiert werden?
Das kommt darauf an. «Bleiben Aneurysmen klein und stabil, ist keine Behandlung nötig», teilt das Inselspital Bern mit. Wichtig seien nach der Feststellung eines Gehirnaneurysmas regelmässige Verlaufskontrollen. Denn «auch wenn ein Aneurysma über Jahre stabil bleibt, besteht immer ein gewisses Risiko, dass es wächst». Man empfehle generell jährliche Check-ups, allerdings werde die Häufigkeit individuell angepasst – «abhängig von Patientenalter sowie Grösse und Form des Aneurysmas». Bei der Abwägung des Vorgehens würden auch Risikofaktoren berücksichtigt.
Laut USZ ist die Prognose bei frühzeitig erkannten, nicht rupturierten – also nicht gerissenen – Aneurysmen «in der Regel günstig». Wenn sich die Gefässerweiterung vergrössert, bestehen Handlungsmöglichkeiten. Bei den bekannten Verfahren (siehe Box) geht es darum, die Aussackung dauerhaft vom Blutkreislauf zu trennen, damit sie nicht platzt und eine Hirnblutung verursacht.
Diese Verfahren kommen in der Schweiz zum Einsatz
Clipping: Operativer Verschluss des Aneurysmas durch die Neurochirurgie.
Coiling: Verschluss über einen Katheter in den Blutgefässen durch die interventionelle Neuroradiologie.
Welche Risikofaktoren gibt es?
Mehrere Faktoren können zu einer Schwächung der Arterienwand führen. Diese Faktoren können das Risiko eines Hirnaneurysmas oder einer Aneurysmaruptur (Reissen des Aneurysmas) erhöhen. Dazu zählen laut Mayo Clinic etwa:
- Bluthochdruck: Schwächt Arterien und begünstigt die Bildung sowie das Platzen von Aneurysmen.
- Rauchen: Erhöht das Risiko für die Entstehung und das Platzen eines Hirnaneurysmas.
- Weibliches Geschlecht: Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
- Familiäre Häufung: Das Risiko steigt, insbesondere wenn zwei oder mehr Verwandte ersten Grades betroffen sind.
- Starker Alkoholkonsum: Kann den Blutdruck erhöhen.
- Drogenkonsum, insbesondere Kokain: Kann den Blutdruck stark erhöhen sowie Infektionen und dadurch Aneurysmen verursachen.
- Bestimmte Erkrankungen wie eine polyzystische Nierenerkrankung (kann den Blutdruck erhöhen) oder Bindegewebserkrankungen (können Gefässe schwächen)
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Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
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