Er hat keine Erinnerung mehr – und lebt seit Wochen am Flughafen

- Ein junger Mann, der sich Daniel nennt und Schwede sein will, lebt seit Wochen am Flughafen Neapel-Capodichino.
- Er hat weder Pass noch Geld und sagt, er sei in Rom überfallen und ausgeraubt worden.
- Die schwedische Botschaft in Rom klärt nun seine Identität und will ihn in die Heimat zurückbringen.
Er sagt, er heisse Daniel und sei Schwede. Dokumente oder Geld hat er keine. Seit Wochen lebt der junge Mann am Flughafen Neapel-Capodichino, wie die Zeitung «Il Mattino» und die Nachrichtenagentur Ansa berichten. Laut Ansa gibt er an, 25 Jahre alt zu sein.
Einige Sitze am Flughafen dienen Daniel als Bett, Mitarbeitende und Reisende helfen ihm mit Kleinigkeiten. Zu essen nimmt er, was man ihm anbietet. Sein einziger Wunsch laut «Il Mattino»: ein Paar neue Schuhe. «Er stört niemanden und ist ein höflicher Mensch», sagen Personen, die ihn im Ankunftsterminal sehen. Einige Mitarbeitende wollen ihn bereits im Sommer gesehen haben, andere bemerkten ihn erst im Oktober.
Wurde Daniel in Rom überfallen und ausgeraubt?
Seine Geschichte erzählt Daniel immer gleich: In Rom sei er von einer Gruppe von Personen geschlagen worden, die ihm Dokumente, Pass und Geld abgenommen hätten. Wie er danach nach Neapel kam und warum er überhaupt in Rom war, kann er nicht erklären. Zum Konsul sagte er: «Ich bin Schwede, aber ich erinnere mich an nichts.» Petrone sagt: «Er hat mir nur wenige, völlig verworrene Dinge erzählt.»
Seit Anfang November ist Capodichino wegen Arbeiten an der Landebahn für einen Monat geschlossen. Besorgte Mitarbeitende meldeten Daniel deshalb am 15. Oktober dem schwedischen Konsulat. Kurz vor der Schliessung besuchte Petrone ihn am Flughafen. Weil Daniel nur ein T-Shirt trug, kaufte er ihm eine Sweatshirt-Jacke. «Ich dachte, dass ihm kalt sein könnte.»
Fall erinnert an Film «Terminal»
Der Fall erinnert an Steven Spielbergs Film «Terminal» von 2004. Darin spielt Tom Hanks einen Mann, der weder in die USA einreisen noch in seine Heimat zurückkehren kann.
Die schwedische Botschaft in Rom hat sich der Sache nun angenommen. Jetzt soll geklärt werden, wer Daniel wirklich ist und ob es Vermisstenanzeigen gibt, die zu ihm führen könnten. Danach will die Botschaft ihn in die Heimat zurückbringen. Petrone dankt dem Flughafenpersonal: «Neapel hat erneut seine solidarische Seite gezeigt.» Und: «Wichtig ist, dass er körperlich in guter Verfassung ist.»
Wie solltest du mit jemandem umgehen, der am Flughafen ohne Ausweis und Geld festhängt?
Florian Osterwalder (fos) arbeitet seit 2021 für 20 Minuten und ist stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks.
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