Generelle Lohnerhöhung – Gewerkschaftsbund fordert 2.5 Prozent mehr Lohn ab 2027

- Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) fordert für 2027 generelle Lohnerhöhungen von 2.5 Prozent.
- Die Gewerkschaften begründen die Forderung mit einer schwachen Lohnentwicklung im letzten Jahrzehnt und der verbesserten Konjunktur.
- Bereits vor einem Monat forderte Travailsuisse eine Lohnerhöhung von 2 Prozent. Der Arbeitgeberverband bezeichnete dies damals als überhöht.
Höhere Löhne seien auch notwendig, um die Kaufkraft zu verteidigen, sagte SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard an einer Medienkonferenz. Vor diesem Hintergrund müsse es auch bei den Arbeitnehmenden aufwärtsgehen.
In der Schweiz sehe man sich einer Kaufkraftkrise gegenüber. Immer mehr Familien könnten angesichts der aufgelaufenen Teuerung und der stetig steigenden Krankenkassenprämien kein Geld mehr zur Seite legen, so Maillard.
Seit Jahren hinkten die Reallöhne der Produktivität hinterher, sagte SGB-Ökonom und Zentralsekretär David Gallusser. Wäre der mittlere Lohn entsprechend mitgewachsen, müsste er heute monatlich um fast 500 Franken höher liegen.
Hoher Anteil im Tieflohnbereich
Gallusser begründete die Forderung nach 2.5 Prozent mehr Lohn mit einer Rechnung: Ein Plus um 0.6 Prozent sei nötig, um die Teuerung auszugleichen, und 0.3 Prozent mehr Lohn, um den Anstieg der Krankenkassenprämien abzufedern. 1 Prozent mehr Lohn begründete er mit der erhöhten Produktivität der Arbeitnehmenden. Und zusätzliche Erhöhungen seien angebracht, um einen Teil des Nachholbedarfs aus den letzten zehn Jahren zu decken. Und schliesslich gelte es, Tiefstlöhne von unter 4500 Franken anzuheben.
SGB-Vizepräsidentin und Unia-Präsidentin Vania Alleva verdeutlichte, dass jeder dritte Monatslohn in der Schweiz unter 5000 Franken liege. Bei den Frauen seien es gar 40 Prozent. Wer einen Lehrabschluss habe, müsse mindestens 5000 Franken im Monat verdienen, so die Forderung des SGB.
In vielen Branchen befänden sich die Löhne real auf dem Niveau von 2016 oder gar darunter, sagte sie weiter. Besonders treffe dies auf das Gastgewerbe, das Gesundheitswesen, auf Teile der Industrie sowie auf den Bau und den Detailhandel zu.
Nicht Ausdruck von Gier
Lohnerhöhungen im Bereich zwischen 2 und 3 Prozent bezeichnete Matthias Hartwich, Präsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV), für angebracht. Beim Verkehrspersonal gebe es aber keine zentrale Lohnforderung für alle Unternehmungen.
Das Personal trage viel zur Effizienzsteigerung bei den Verkehrsbetrieben bei, so Hartwich. Die geforderten Lohnerhöhungen seien also nicht Ausdruck von Gier, sondern entsprächen einem Nachholbedarf.
Arbeitgeber: «Überhöhte Forderungen»
Der Schweizerische Arbeitgeberverband (SAV) stellte sich bereits vor einem Monat gegen die damals vom Arbeitnehmenden-Verband Travailsuisse vorgebrachten Forderungen für den Lohnherbst. Diese seien überhöht und fussten auf altbekannten falschen Behauptungen, schrieb er damals. Die Aussage, dass die Unternehmen die Produktivitätsgewinne für sich behielten, weist der Verband zurück.
Der SAV beruft sich auf die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, die eine Nominallohnerhöhung für 2027 von 1 Prozent prognostiziert. Das sei mehr als die auf 0.6 Prozent geschätzte Teuerung. Zwar würden die Krankenkassenprämien prozentual stärker anwachsen als die Löhne. Bei einem durchschnittlichen Haushalt sei der Lohnzuwachs in Franken jedoch grösser als der Anstieg der Krankenkassenprämien.
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