Macron lädt zum Lumière-Gipfel – Die Zukunft des Kinos wird zur Chefsache

Kampfansage an Streaming und Hollywood? Der französische Präsident Emmanuel Macron leitete den Lumière-Gipfel, den ersten internationalen Gipfel zur Zukunft des Kinos in Frankreich. Filmexperte Enno Reins erläutert, worum es dabei ging.
Enno Reins
SRF-Filmexperte
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Enno Reins bespricht Filme und Serien auf SRF 3 und bei SRF Online. Er leitet das multimediale Team «Filmkritik». Seit 2009 ist er bei SRF.
Warum gab es den Lumière-Gipfel?
Dem Kino geht es bekanntlich nicht gut – und Emmanuel Macron, der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung und andere machen sich Sorgen. Streamingdienste und Social Media sind eine übermächtige Konkurrenz. Durch den möglichen Zusammenschluss von den grossen Produktionsfirmen Paramount und Warner Brothers befürchten viele eine weitere Machtkonzentration im Film- und Seriengeschäft – mit dem Ergebnis, dass es weniger Filme geben wird. Dazu kommen die Herausforderungen durch die rasante Entwicklung von künstlicher Intelligenz.
Wer war dabei?
Der Gipfel war prominent besetzt, mit rund 200 Entscheidungsträgerinnen und -trägern aus Politik, Film, Medien und Kino aus 65 Ländern. Darunter leitende Führungskräfte von Netflix, Disney, Google, HBO oder Sony Pictures. Aus Europa unter anderem dabei: Thierry Frémaux vom Cannes-Filmfestival und die Berlinale-Direktorin Tricia Tuttle. Ach ja, etwas Glamour gab es auch: George Clooney ist aufgetaucht.
Was war das Ziel?
In der offiziellen Erklärung über die Zukunft des Kinos und des bewegten Bildes heisst es staatstragend: «Wir bekräftigen den bleibenden Wert des Kinoerlebnisses.» Präsident Macron schrieb vor dem Gipfel in der Fachzeitschrift «Variety», dass die Länder zusammenarbeiten sollten, um die Finanzierung und Förderung des lokalen Filmemachens zu sichern, anstatt die Zukunft des Kinos vollständig den Marktkräften und internationalen Konzernen zu überlassen.
Durch die internationale Zusammenarbeit und gleichzeitige Förderung des nationalen Filmschaffens will man das lokale Kino stärken, Vielfalt schaffen und sich gegen eine befürchtete Monopolstellung Hollywoods stellen. Die US-Filmfabrik ist kinotechnisch weltweit eine Grossmacht – auch in der Schweiz. Im Jahr 2025 hatten US-Filme einen Marktanteil von 56 Prozent, wie das Bundesamt für Kultur mitteilte.
Was wurde beschlossen?
Das konkreteste Ergebnis: die «Lumière-Partnerschaft» zwischen Frankreich und Südkorea. Die beiden Länder wollen in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde US-Dollar in den Film- und audiovisuellen Sektor investieren. Emmanuel Macron forderte andere Staaten auf, mitzumachen.
Auch wurde die «Lumière Alliance» gegründet, ein Netzwerk, das öffentliche Einrichtungen zusammenbringt, die für die Filmpolitik zuständig sind. Geleitet wird die Initiative von einem Rat von über 40 Filmschaffenden. Unter anderem mit dabei sind grosse Namen und Stars wie: Juliette Binoche, Jane Campion, Sofia Coppola, Isabelle Huppert, Jim Jarmusch, Hirokazu Kore-eda oder Nanni Moretti. Ausserdem sollen unabhängige Kinos und Verleiher unterstützt werden, Medienkompetenz gefördert und das audiovisuelle Erbe geschützt werden.
Ist die Zukunft des Kinos nun gesichert?
Die Idee, dass man der Dominanz von wenigen US‑Konzernen Vielfalt entgegensetzen will, macht Sinn. Andererseits wirkt der Lumière-Gipfel wie einer dieser Umweltgipfel, wo Probleme angesprochen und Absichtserklärungen formuliert werden – am Ende aber konkrete Ergebnisse oft auf sich warten lassen. Und: Eine Milliarde US-Dollar auf fünf Jahre investiert klingt erst einmal viel, ist es aber nicht. Allein Christopher Nolans Erfolgsfilm «The Odyssey» kostete geschätzte 250 Millionen US-Dollar.
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