Raphael (29) zog aufs Land: «Ich würde nie in eine Stadt zurück»

- Immer mehr Menschen ziehen von der Stadt weg – so auch einige 20-Minuten-Leserinnen und Leser.
- Raphael (29) zog von Grenchen SO in ein Bauerndorf und nimmt dafür bis zu eine Stunde Arbeitsweg in Kauf.
- Stefanie (40) kehrte ins Glarnerland zurück, da sie der Lärm in der Stadt immer mehr störte und sie gerne in ein Haus ziehen wollte.
- Auch Valeria (47) vermisst das Landleben und will nächstes Jahr von der Stadt Zürich wegziehen.
Lieber Felder als Betonstrassen und Traktoren als Trams. Immer mehr Menschen verlassen die Städte und ziehen aufs Land. Das zeigt eine Analyse der UBS. Auch in der 20-Minuten-Community gibt es zahlreiche Personen, die das Landleben bevorzugen.
Einer davon ist Raphael. Der 29-Jährige lebte rund 20 Jahre in Grenchen SO. Vor knapp zwei Jahren zog er zu seiner Freundin in ein kleines Bauerndorf. «Es fühlte sich sofort viel mehr nach Zuhause an», sagt er gegenüber 20 Minuten. Inzwischen lebt das Paar noch abgelegener.
Die deutlich ruhigere Atmosphäre sei ihm sofort aufgefallen: «In der Stadt wirken die Leute oft gestresst, hässig und nervös. Auf dem Land sind sie entspannter. Die Luft ist frisch, man hört die Kühe des Bauern und sieht ab und zu Wildtiere wie Rehe oder Füchse.» Diese Ruhe schätze er sehr.
Auch die längere Zeit fürs Pendeln nehme er gerne in Kauf: Statt zehn Minuten braucht er heute bis zu einer Stunde zur Arbeit. «Natürlich ist das nicht ideal. Aber für die Ruhe zu Hause und eine nette Nachbarschaft lohnt sich die Fahrt.» Für ihn steht fest: «Ich würde nie wieder in eine Stadt ziehen.»
Stefanie (40): «Durch den Lärm kam ich kaum zur Ruhe»
Als junge Erwachsene wohnte Stefanie für zwei Jahre in der Stadt Zürich, anschliessend fünf Jahre in der Stadt Uster. «Für diesen Lebensabschnitt war es perfekt: Ich arbeitete viel und traf mich in meiner Freizeit mit Freundinnen», erzählt sie. Mit zunehmendem Alter habe sie jedoch der Lärm immer mehr gestört: «Nach einem stressigen Arbeitstag im Spital kam ich auch zu Hause kaum zur Ruhe.»
Als sie und ihr Mann eine Familie gründen und ein Haus kaufen wollten, wurde ihnen klar, dass dies in der Region kaum finanzierbar sein würde. Deshalb zogen sie zurück in Stefanies Heimat, ins Glarnerland. «Ich bin froh, wieder auf dem Land zu sein», sagt die 40-Jährige. «Hier kann ich mit dem Velo zur Arbeit fahren, die Leute grüssen einander und kennen sich beim Namen.»
Auch die Nähe zu ihrer Familie sei ihr immer wichtiger geworden – selbst wenn sie für Erledigungen längere Autowege einplanen müsse. Ganz ausschliessen möchte Stefanie eine Rückkehr in eine städtischere Umgebung jedoch nicht. «Vielleicht, wenn mein Sohn eine Lehrstelle sucht und in unserer Nähe nichts findet», überlegt sie. «Aber im Moment passt es hier perfekt für uns.»
Valeria (47): «Kann es kaum erwarten, wieder aufs Land zu ziehen»
Ihren Umzug in die Stadt hatte sich Valeria anders ausgemalt. Die 47-Jährige lebte zunächst im Berner Seeland und im ländlichen Solothurn. Nach der Pandemie wollte sie in der Stadt wohnen und zog an den Zürcher Stadtrand. Ihre Hoffnung: Sie würde sich dort weniger einsam fühlen. «Fehlanzeige», sagt sie.
Jetzt lebt sie in einem Mehrfamilienhaus mit 30 Parteien – und fühle sich dennoch oft anonym. Zwar begegne sie regelmässig anderen Bewohnerinnen und Bewohnern, doch zu echten Gesprächen oder Bekanntschaften sei es kaum gekommen. «In Dörfern kennt man sich und es gibt einen Zusammenhalt in der Nachbarschaft. Diese Fürsorglichkeit fehlt mir», sagt sie.
Am Stadtleben schätze sie vor allem die kurzen Wege und das breite Angebot. Fast alle ihre Erledigungen könne sie zu Fuss machen. «Auf dem Dorf hatte ich höchstens ein kleines Dorflädeli», sagt sie. Darauf würde sie jedoch sofort verzichten: «Ich kann es kaum erwarten, nächstes Jahr wieder aufs Land zu ziehen.»
Was wäre für dich das stärkste Argument für ein Leben auf dem Land?
Melissa Greiter (mgr) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist seit Februar 2025 Redaktorin im Ressort News, Wirtschaft und Videoreportagen.
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