«Eigentlich ein Skandal, wie viel Geld da verbraten wird»

Leser zu teuren Verwaltungskosten
«Eigentlich ein Skandal, wie viel Geld da verbraten wird»
Im Schnitt 191 Franken pro Prämienzahler: Krankenkassen leisten sich teils hohe Verwaltungs- und Werbekosten. Das sorgt bei der Community für Unmut. Neben einem Werbeverbot fordern viele auch eine Einheitskasse.
Publiziert: vor 26 Minuten
- Krankenkassen gaben 2025 rund 74 Millionen Franken für Werbung aus
- Die Verwaltung kostete pro Versicherten im Schnitt 191 Franken
- Viele Blick-Leser wollen ein Werbeverbot und eine Einheitskasse, andere warnen
Eva KunzSenior Community Editorin
Krankenkassen lassen sich ihre Verwaltung mitunter einiges kosten. Besonders hoch sind die Werbeausgaben: Rund 74 Millionen Franken gaben Krankenkassen im Jahr 2025 dafür aus. Das geht aus einer Auswertung des Vergleichsdiensts Moneyland hervor. Für die Prämienzahler heisst das: Jede versicherte Person zahlte 2025 im Schnitt 191 Franken für die Verwaltung der Grundversicherung. Zu den Verwaltungskosten zählen etwa Löhne, IT, Büros und Werbung. Die medizinischen Leistungen sind nicht eingerechnet.
Zwischen den einzelnen Versicherern gibt es allerdings grosse Unterschiede: Bei der günstigsten Kasse liegen die Verwaltungskosten deutlich tiefer als der Schnitt – 103 Franken verbuchte etwa der Versicherer Sodalis. Bei der teuersten unter den verglichenen Krankenkassen lagen die Pro-Kopf-Kosten für die Verwaltung bei 445 Franken.
«Und Madame Baume-Schneider schaut zu»
Die Reaktionen in der Community fallen deutlich aus: Die Empörung ist gross, gerade angesichts der erneut gestiegenen Prämien und der ohnehin hohen Gesundheitskosten. «Eigentlich ein Skandal, wie viel Geld da verbraten wird», schreibt Alexander Meier. «Und Madame Baume-Schneider schaut diesem Treiben zu. Unglaublich», echauffiert sich Harry Winkler.
«Die Krankenkassen sind ein Selbstbedienungsladen geworden», ist für Hansruedi Ilg klar. Einige in der Leserschaft schlagen mindestens ein Werbeverbot vor. «Das gehört verboten – und Sponsoren auch», schreibt etwa Martin Burgherr. Alexander Meier sieht hier ebenfalls Handlungsbedarf und fordert eine klare Obergrenze für Werbung und Verwaltung.
«Wann kommt endlich die Einheitskasse?»
Doch damit nicht genug. Viele in der Community sehen nur noch eine Lösung und wünschen eine Reform: «Wann kommt endlich die überfällige Einheitskasse?», fragt Marcel Vogel. Damit würden unter anderem Werbung, Provisionen und Personal- sowie Mietkosten wegfallen, so der Tenor in vielen weiteren Kommentaren, die sich für eine Einheitskasse aussprechen.
Für Paul Bühler führt nichts mehr daran vorbei. «Die Einheitskasse ist tatsächlich überfällig», kommentiert er, «die Krankenkassen liefern sich in der Grundversicherung einen Pseudowettbewerb. Also entweder Einheitskasse oder wirklich freier Markt. Das heutige System ist bloss ein teurer Etikettenschwindel.»
«Die Hand, die füttert, wird nicht gebissen»
Doch dieser Ansicht widerspricht eine Gruppe von Leserinnen und Lesern vehement. «Eine Einheitskasse löst das Problem nicht», schreibt etwa Thomas Moser. Sie könne für viele sogar höhere Prämien bedeuten, befürchtet er. Mit dieser Annahme ist er nicht allein. «Niemals!», macht Peter Widmer-Bader seine Ablehnung einer Einheitskasse unmissverständlich deutlich. «Die Kosten würden explodieren, mangels Konkurrenz.»
Simon Suter plädiert derweil für Sachlichkeit und warnt davor, die Krankenkassen zum Hauptverursacher zu machen: «Die Pharma, Medizin, Ärzte, Spitäler, Spitex usw. sind das Problem. Die verursachen die Kosten. Nicht die Krankenkassen.» André Blau pflichtet mit seinem Kommentar bei: «Der Elefant im Raum ist und bleibt die Pharmaindustrie. Da getraut sich aber keiner dran.»
In der Kommentarspalte ist die Stimmung bei vielen pessimistisch. Armin Brüsch sieht wenig Hoffnung: «Wir werden alle nur immer mehr abgezockt und niemand tut was dagegen. Möglichkeiten gäbe es genug, wenn die Politiker nicht überall in den Verwaltungen sitzen würden. Die Hand, die füttert, wird nicht gebissen.»
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