Trockenheit und Futternot – Mehr Tiere im Ring: Die Folgen des trockenen Sommers

Das Muhen der Rinder hallt durch die Arena in Cazis. Bauern lehnen am Geländer und beobachten ihre Tiere, Händler prüfen Gewicht, Körperbau und Fleischansatz. Wenig später fällt der Zuschlag. Solche Szenen gibt es hier alle zwei Wochen. Doch diesen Sommer stehen auffallend mehr Tiere in der Halle als sonst. Ein aussergewöhnlich trockener Sommer hat seine Spuren hinterlassen.
176 Tiere werden an diesem Montag vermarktet. Das ist kein Rekord. Auffällig ist aber die Entwicklung der vergangenen Monate: Per Ende September liegen die Verkaufszahlen zum Vorjahr um 20 Prozent höher. Viele Bauern reduzieren ihre Bestände, weil das Futter knapp geworden ist.
Man schlachtet nicht gerne Tiere, die eigentlich für die Weiterzucht vorgesehen waren.
Felix Beeli aus Molinis weiss, was das bedeutet. Normalerweise lagern auf seinem Betrieb rund 100 Siloballen. «Dieses Jahr sind es gerade noch 34.» Auch das Hochsilo, sonst voll gefüllt, sei weitgehend leer. Um seine rund 60 Tiere durch den Winter zu bringen, muss der Landwirt Futter zukaufen. Es ist teurer als sonst und oft von schlechterer Qualität, sagt er. Deshalb wird er seinen Bestand verkleinern. «Man schlachtet nicht gerne Tiere, die eigentlich für die Weiterzucht vorgesehen waren.»
Mit dieser Situation steht Felix Beeli nicht allein da. Auch Stefan Battaglia aus Feldis muss Tiere verkaufen, weil das Futter nicht für alle reicht. Viele Landwirte berichten von deutlich geringeren Erträgen auf Wiesen und Weiden. Niklaus Zimmermann aus Saas im Prättigau zieht deshalb ebenfalls Konsequenzen. Er wird seinen Bestand von bis zu 25 Kühen auf rund 15 Tiere reduzieren. «Das tut weh», sagt er.
Wir hoffen auf Regen, bevor der Winter kommt – ohne Regen geht nichts
Die Folgen des trockenen Sommers beschäftigen die Bauern weit über den Winter hinaus. Niemand weiss, wie sich die Situation im nächsten Frühling präsentieren wird. Viel hängt davon ab, ob jetzt genügend Regen fällt und die ausgetrockneten Böden Wasser aufnehmen können. «Wir hoffen auf Regen, bevor der Winter kommt. Ohne Regen geht nichts», sagt Felix Beeli.
Auf dem Markt bleibt die Trockenheit nicht ohne Folgen. Der Aufwand für Transport und Vermarktung nimmt zu, weil mehr Tiere angeboten werden. Die Fleischpreise bleiben jedoch stabil, sagt der selbstständige Viehhändler und Präsident der Ostschweizer Viehhändler, Albert Brühwiler. Jedes Schlachttier werde gebraucht, weil die Inlandproduktion die Nachfrage nicht vollständig decke.
In Cazis wechseln an diesem Morgen viele Tiere den Besitzer. Für die Bauern ist es ein Verkaufstag wie viele andere. Und doch steckt hinter manchem Tier im Ring in diesem Herbst eine Entscheidung, die sie lieber nicht hätten treffen müssen.
Regionaljournal Graubünden, 5.10.2026, 17:30 Uhr ; kelk;buec;wilh
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