«Hier endet mein Leben»: Jared bekommt an Konzert Pfefferspray ab

- Für Jared (22) endete der Konzertabend im Hallenstadion in Panik und mit einem Hustenanfall.
- Gegen Ende des Don-Toliver-Konzerts am Montag wurde bei den Stehplätzen Pfefferspray versprüht.
- Jared kritisiert, dass Pfefferspray durch die Sicherheitskontrolle gelangen konnte, die er als chaotisch erlebte.
- Direktor Philipp Musshafen bestätigt gegenüber 20 Minuten, vom Vorfall zu wissen.
«Ich dachte kurz, mein letztes Stündchen hat geschlagen», sagt Jared zu 20 Minuten. Zuvor hatte er sich sehr auf das Konzert von Rapper Don Toliver im Zürcher Hallenstadion gefreut. Doch gegen Ende des Konzerts am Montag kippte die Stimmung plötzlich, als der 22-Jährige und die Konzertbesucher um ihn herum bei den Stehplätzen vorne an der Bühne stark zu husten begannen. Jemand hatte wohl Pfefferspray versprüht, wie er erzählt.
«Meine Augen und meine Nase brannten plötzlich. Ich musste so stark husten, dass ich dachte, ich werde ohnmächtig. Dann rannten plötzlich alle los, also rannte ich mit», erzählt Jared. Glücklicherweise hatte das Sicherheitspersonal zuvor die Türen zum Saal geöffnet.
«Hier endet mein Leben»
Doch auch ausserhalb des Saals habe sich die Situation nicht verbessert: «Alle waren in Panik. Beim Rennen verlor ich meinen Kollegen und war völlig desorientiert.» Als passionierter Konzertgänger sei er brenzlige Situationen an Konzerten eigentlich gewohnt. «Normalerweise gerate ich auch nicht schnell in Panik. Doch in diesem Moment habe ich wirklich kurz gedacht: ‹Hier endet mein Leben›», so Jared.
Als der Husten ein wenig abgeflacht war, habe sich Jared nach langer Überlegung dazu entschieden, zurück in den Konzertsaal zu gehen: «Eigentlich wollte ich mir das Konzert nicht entgehen lassen – zumal er meine Lieblingstracks noch gar nicht gespielt hatte.» Nach dem Vorfall sei die Energie im Saal allerdings verpufft. «Es war nicht das Gleiche», so Jared.
«Das darf nicht passieren»
Bevor diese ganze Hektik ausbrach, habe Jared bereits wahrgenommen, dass viele – insbesondere sehr junge Konzertgäste – in der Konzerthalle E-Zigaretten rauchten. «Es stank nach Durchfall. Wieso macht man das?», fragt der 22-Jährige.
Auch störte er sich an der Vielzahl an Moshpits – offenen Bereichen bei den Stehplätzen, die Fans freilassen, um beim Beatdrop wild herumzuspringen und sich gegenseitig anzurempeln. «Eigentlich mag ich diese aufgeladene Konzertstimmung, aber es entstanden ständig Moshpits während Liedern, zu denen Moshpits gar nicht passen. Das nervt einfach.»
Rückblickend fragt sich Jared, wie solch ein Vorfall passieren konnte: «Das soll zwar kein Vorwurf an das Hallenstadion oder sein Personal sein, aber dass Leute Pfefferspray durch die Sicherheitskontrolle schmuggeln können, darf nicht passieren.» Der ganze Ablauf bei der Eingangskontrolle sei sehr chaotisch und hektisch gewesen, wie er schildert.
Hallenstadion hat Kenntnis von Vorfall
Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Philipp Musshafen, Direktor des Hallenstadions, vom Vorfall des gestrigen Abends Kenntnis zu haben. Im Bereich links neben der Bühne sei Pfefferspray eingesetzt worden. «Die Gesundheit und Sicherheit unserer Gäste hatten bei der unmittelbaren Reaktion oberste Priorität. Unser Sicherheitsdienst war umgehend vor Ort, die betroffenen Besucherinnen und Besucher wurden über die Lastwagenausfahrt an die frische Luft geführt», erklärt Musshafen.
«Wir bedauern sehr, dass Gäste durch diesen Vorfall Beschwerden hatten und eine belastende Situation erleben mussten.» Zusammen mit der Polizei habe der Sicherheitsdienst des Hallenstadions eine Gruppe ermitteln und festnehmen können. «Bei den Personen wurden Pfeffersprays und mutmassliches Diebesgut sichergestellt.» Es bestehe der Verdacht, dass der Pfefferspray eingesetzt wurde, um Entreissdiebstähle zu ermöglichen.
«Nehmen den Vorfall ernst»
Die weiteren Ermittlungen und das weitere Vorgehen würden bei den zuständigen Strafverfolgungsbehörden liegen. Wie die Pfeffersprays im konkreten Fall ins Gebäude gelangten, werde derzeit geprüft.
«Trotz umfassender Massnahmen lässt sich leider nie vollständig ausschliessen, dass kleine verbotene Gegenstände ins Gebäude gelangen. Wir nehmen den Vorfall dennoch sehr ernst und werden die Erkenntnisse aus der Aufarbeitung nutzen, um unsere Sicherheitsmassnahmen und Abläufe weiter zu verbessern», so der Direktor des Hallenstadions.
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Lisa Arnold (lia) arbeitet seit März 2026 bei 20 Minuten als Praktikantin im Ressort Zürich.
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