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Tuesday, September 15, 2026

Israel: Aufgeladene Debatte über Gaza-Doku "Naza"

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Yuval Abraham und Rachel Szor bei den Filmfestspielen in Venedig

Stand: 15.09.2026 • 01:34 Uhr

Die Doku "Naza" über den israelischen Gaza-Einsatz ist bei den Filmfestspielen in Venedig mit Standing Ovations bedacht worden. In Israel dagegen sind die Filmemacher massiver Kritik und einer Drohung des Kulturministers ausgesetzt.

Bettina Meier

In Israel ist der Dokumentarfilm "Naza", was so viel wie "Kollateralschaden" bedeutet, von Yuval Abraham und Rachel Szor noch nicht öffentlich zu sehen. Doch die Reaktionen vor allem aus dem rechten Lager der Regierung von Benjamin Netanjahu fallen heftig aus.

Der Premier selbst postete am Abend ein Video, in dem er den Film aus Venedig, von dem er gehört habe, als "schockierend und unerträglich" bezeichnete und die Wahlkampfgegner der Opposition angriff.

Kulturminister sieht "Verrat am Staat"

Vor allem aber wird in den Sozialen Medien über die Drohung des israelischen Kulturministers Miki Zohar diskutiert, der den Film als "Verrat am Staat" bezeichnet. Er droht den Filmemachern mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft.

Das allerdings halten Vertreter der Opposition für Wahlkampftheater, so auch Oppositionspolitiker Avigdor Lieberman, der den Film dennoch scharf kritisierte. Er sagte einem israelischen Radiosender:

Es gibt keinen Zweifel, dass es sich beim Inhalt des Films um Verrat an unseren Werten und den Menschen im Land handelt. Aber wir sind auch mitten im Wahlkampf in Israel. Es ist unmöglich, den Regisseuren die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Der Kulturminister weiß dass, das nicht geht. Aber er hat die Schlagzeile, die er wollte.

Avigdor Lieberman

Diskussionen im Zeichen der Parlamentswahl

Am 27. Oktober wird in Israel ein neues Parlament gewählt. Fast täglich lösten Äußerungen aus dem Regierungslager, aber auch Vorwürfe der Opposition Diskussionen aus, bei denen es darum gehe, sich ins Gespräch zu bringen, sagen Wahlbeobachter.

Zwar ist der Entzug der israelischen Staatsbürgerschaft seit einigen Jahren im Land rechtlich möglich, allerdings sind die Hürden extrem hoch. Laut Rechtsexperten müsste tatsächlich Landesverrat, Spionage oder Terrorismus nachgewiesen werden.

"Das Wichtigste sind die Aussagen der Soldaten"

Filme fallen unter die Kunst- und Meinungsfreiheit. Die Debatte dreht sich in Israel eher um die Drohung, einem Israeli die Staatsbürgerschaft zu entziehen. Weniger geht es um den Inhalt des Films, der im Land noch nicht gezeigt wurde. "Naza"-Regisseur Yuval Abraham will genau das ändern:

Das Wichtige für mich sind die Aussagen der Soldaten und Offiziere im Film. Sie sprechen Hebräisch, weil sie die israelische Bevölkerung erreichen wollen. Sie wollen, dass die Menschen zu Hause hören, was sie in Gaza getan haben. Wir werden alles tun, damit der Film in Israel verbreitet wird. Alle, die uns jetzt angreifen und den Inhalt verleugnen - schauen Sie ihn an!

Yuval Abraham

Israelische Armee weist Vorwürfe zurück

Lediglich kurze Auszüge sind in israelischen Fernsehberichten zu sehen, in denen ehemalige Militär- und Geheimdienstmitarbeiter anonymisiert über ihre Erfahrungen im Gaza Krieg sprechen. Die 80-minütige Doku untersucht, wie Israel im Gaza Krieg Ziele auswählt und Angriffe durchführt, vor allem mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Der Film stellt die Frage, ob zivile Opfer systematisch einkalkuliert werden. Die israelische Armee weist die Vorwürfe entschieden zurück und kritisiert, dass Quellen anonym und nicht überprüfbar seien. Der Film sei noch nicht vollständig veröffentlicht. Die im Trailer präsentierten Vorwürfe seien nicht korrekt und einige von ihnen würden verzerrt, verfälscht und losgelöst von der Realität vor Ort dargestellt, so Armeesprecher Effie Defrin.

Auch der rechte Minister für Nationale Sicherheit, Ben Gvir, nannte den Film Verleumdung. Das israelische Dokumentarfilmer-Forum stellte sich hinter die Filmemacher. Es warnt seit längerem vor politischen Eingriffen in die künstlerische Freiheit und sieht darin eine Gefahr für die Demokratie in Israel.

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