Arbeitslos zum Berufsstart? Drastisch weniger Einstiegsjobs für ITler
Das Stellenangebot für Einstiegsjobs in Deutschland ist laut einer Auswertung des Karriereportals Indeed seit 2022 um mehr als zwei Drittel gesunken. Besonders hart trifft es dabei die Wissensberufe und Bürojobs, vor allem die IT. Von allen untersuchten Berufsgruppen verzeichnet der Bereich IT-Anwendungen und -Lösungen mit 77 Prozent das größte Minus. Felder wie Daten und Analytics, IT-Infrastruktur und Support sowie Software-Entwicklung verzeichnen nur wenig geringere Abstriche.
Indeed sieht aber auch in anderen Berufsfeldern wie Marketing (minus 75 Prozent) und Projektmanagement (minus 60 Prozent) einen drastischen Rückgang im Angebot für Berufseinsteiger. Insgesamt ist in 26 der 28 untersuchten Berufsgruppen das Angebot seit 2022 gesunken, in 23 davon stärker als im Gesamtmarkt. Nur in den Bereichen Pflege, Medizin und Pharmazie (plus 18 Prozent) sowie Lebensmittel, Gastronomie und Hotellerie (plus 10 Prozent) legte das Angebot für Einstiegsjobs zu.
(Bild: Indeed)
Nicht ganz so starke, aber dennoch deutliche Verluste verzeichnet Indeed auch bei Praktika und Werkstudentenstellen während des Studiums. Felder wie Softwareentwicklung sowie IT-Anwendungen und -Lösungen kommen hier auch auf ein Minus von rund 50 Prozent.
Mit Startnachteil ins Arbeitsleben?
Bis 2022 war das Angebot an Einstiegsjobs noch stark gestiegen und hatte laut Indeed im Juli 2022 seinen Höhepunkt erreicht, danach begannen die Rücksetzer. Auch der Gesamtmarkt gab im selben Zeitraum nach, verlor aber nur etwas über ein Drittel (39 Prozent) und damit deutlich weniger als die Einstiegsstellen.
„Wer heute ins Berufsleben startet, hat nur noch gut halb so viele Stellen zur Auswahl wie vor wenigen Jahren“, erklärte Dr. Virginia Sondergeld, Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin bei Indeed. „Damit steigt für junge Menschen das Risiko, ihre Karriere mit einer Phase der Beschäftigungslosigkeit zu beginnen.“ Es drohe ein Jahrgang, der mit einem Startnachteil ins Erwerbsleben gehe.
Ausbildungsmarkt deutlich robuster
Deutlich robuster zeigt sich Indeeds Zahlen nach der Ausbildungsmarkt, einschließlich dualer Studiengänge. In 20 von 23 Berufsgruppen stieg das Ausbildungsangebot zwischen 2019 und der letzten Saison von August 2025 bis Juli 2026 stärker als die Einstiegsjobs. In der Softwareentwicklung gingen etwa Einstiegsjobs seit 2019 um 70 Prozent zurück, während Ausbildungen wie Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung weiterhin 27 Prozent über dem Niveau von 2019 lagen.
Immer wieder wird stark debattiert, ob die Unternehmen lieber künstliche Intelligenz für Routineaufgaben nutzen, statt junge Leute einzustellen. Laut Virginia Sondergeld lässt sich das anhand der aktuellen Datenlage aber nicht belegen: „Berufseinsteiger sind vordergründig das erste Opfer der schwachen Konjunktur, weil Unternehmen in unsicheren Zeiten zuerst dort sparen, wo sie in Nachwuchs investieren müssten. Die wirksamste Hilfe für diese Generation ist deshalb eine Wirtschaft, die wieder wächst.“
Jungen Leuten empfiehlt Sondergeld, zwischen den Wegen Ausbildung und Hochschule genau abzuwägen. Gerade in einer schwachen Konjunktur könne sich das lohnen. „Eine Ausbildung findet im Betrieb statt, der seinen Nachwuchs für den eigenen Bedarf qualifizieren kann und häufig übernimmt. Dass Unternehmen auch in schwachen Jahren an der Ausbildung festhalten und somit jungen Menschen Perspektiven bieten können, trägt dazu bei, dass Deutschland eine der niedrigsten Jugendarbeitslosenquoten in Europa hat.“ Laut Eurostat lag die Jugendarbeitslosenquote 2025 bei 7,1 Prozent, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Allerdings schränkt Sondergeld ein, dass die Inhalte der Ausbildung auch ans KI-Zeitalter angepasst werden müssten, um zukunftsfähig zu sein.
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