US-Open-Bilanz von SRF-Experte – Kratochvil: «Von nun an muss von den Grossen Drei die Rede sein»

Mit dem Finalsieg von Alexander Zverev über Ben Shelton gingen die US Open 2026 am Sonntag kurz vor Mitternacht Schweizer Zeit zu Ende. Ein Turnier, das einmal mehr polarisierte und die Grenzen verschob, etwa mit der Preisgeld-Erhöhung um 20 Prozent auf total 108 Millonen US-Dollar – Rekord. Oder mit Night Sessions, die erst um 03:33 Uhr Ortszeit endeten.
Michel Kratochvil begleitete die beiden Turnierwochen in New York intensiv, ab den Halbfinals auch als Co-Kommentator bei SRF. Der frühere Tennis-Profi und heutige -Experte zieht Bilanz.
Männer
- Die Entscheidung: «Dass Shelton bis in den Final stiess, war sicherlich eine kleine Überraschung. Die Hoffnungen der US-Amerikaner auf einen Heimsieg waren gross, die Sympathien im Final klar verteilt. Doch wie Zverev aufschlug und von der Grundlinie agierte, war zu gut. Statistisch gesehen war er unschlagbar.»
- Bedeutung von Zverevs Sieg: «Man muss ihn nun extrem würdigen. Er hat in diesem Jahr zwei Grand-Slam-Turniere gewonnen. An den Australian Open erreichte er zudem den Halbfinal und in Wimbledon den Final. Für mich ist Zverev eigentlich die neue Nummer 1, auch wenn er es offiziell noch nicht ist. Jetzt muss man von den Grossen Drei sprechen, neben Carlos Alcaraz und Jannik Sinner auch von Zverev.»
- Gründe für Zverevs Aufstieg: «Der erste Major-Titel in Paris hat ihm Raum gegeben, es war eine Befreiung. Seither sieht man einen anderen Zverev. Man darf gespannt sein, wie sich die Grossen Drei schlagen, wenn hoffentlich alle gleichzeitig gesund sind.»
Frauen
- Der Turnierverlauf: «Die vier topgesetzten Spielerinnen erreichten die Halbfinals und die Nummern 1 und 2 den Final, das gibt es auch nicht allzu oft. Das zeigt, dass es nicht allzu viele Überraschungen gab.»
- Duell Sabalenka vs. Rybakina: «Die Kasachin war über das gesamte Jahr gesehen die konstantere, so auch im US-Open-Final. Sabalenka ist vielleicht die beste Spielerin, wenn sie ihr gesamtes Potenzial abrufen kann. Aber ihre Nerven lassen sie ab und an im Stich. Rybakina ist in dieser Hinsicht cooler, profesioneller und somit auch die logische neue Nummer 1.»
Schweizer:innen
- Schwache Bilanz: «Es waren keine guten US Open aus Schweizer Sicht. Andererseits muss man sagen, dass es für ein kleines Land wie die Schweiz eine gute Leistung ist, insgesamt 9 Spielerinnen und Spieler im Hauptfeld und der Qualifikation zu haben.»
- Potenzial: «Von Belinda Bencic konnte man mehr erwarten. Sie hat das Zeug, um auch einmal ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen oder sicher sehr weit zu kommen. Von den anderen Schweizern konnte man nicht dieselben Resultate erwarten. Aber auch sie haben das Potenzial, um an den Majors mehr Spiele zu gewinnen.»
Organisation
- Lange Night Sessions: «Es ist eine schöne Show, Spektakel ist garantiert und das Publikum fiebert mehr mit als an anderen Major-Turnieren. Aber für die Sportlerinnen und Sportler finde ich es inzwischen daneben. Die Endzeiten sind zu spät. Wenn man bis knapp 4 Uhr morgens spielt wie z.B. Shelton, ist die Regeneration weg, der Biorhythmus weg. Das ist nicht gesund.»
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