Italien – So denkt Mailands Bevölkerung nach der Krawallnacht

Nach aussen hin ist in Mailand die Normalität wieder eingekehrt. Doch hinter der Fassade schwelen die Wunden noch immer, wie eine Reportage des Radio und Fernsehens der italienischsprachigen Schweiz RSI zeigt. Während des Wochenendes kam es hier noch zu Strassenschlachten, welche aus landesweiten Demonstrationen heraus entstanden waren. Bei den Ladenbesitzerinnen und -besitzern herrscht noch immer Wut und Besorgnis.
«Wir hatten Angst, sehr grosse Angst. Vor allem hatten wir viel Besuch im Laden, also auch eine entsprechende Verantwortung. Es war uns noch nie passiert, dass wir eine solche Situation bewältigen mussten», erzählt eine Verkäuferin eines Kosmetikgeschäfts, welches nahe dem Epizentrum der Eskalation liegt.
Die Reportage von RSI mit deutschen Untertiteln:
«Sobald wir ungewöhnliche Bewegungen sahen, haben wir sofort geschlossen, um uns nicht zu verletzen. Es war schwierig, Ruhe zu bewahren, aber wir haben es geschafft, das Ganze schadlos zu überstehen und uns vor allem nicht zu verletzen. Aber in meinem Team hatten fast alle Panikattacken. Das müssen wir jetzt bewältigen», so die Verantwortliche eines Kleiderladens.
«Wenn man sich umschaut, ist, abgesehen von einigen zerbrochenen Scheiben, alles sauber. Es scheint fast, als wäre nichts gewesen», so eine Barista, deren Lokal glücklicherweise keine Schäden erlitt, «aber ein bisschen Angst und Anspannung ist noch da.»
Harte Sanktionen gefordert
Bei einem anderen Lokal wurde hingegen die Aussenterrasse zerstört. Den Preis müssen zahlen Ladenbesitzer und Mitarbeitende: «Es ist ärgerlich, am Ende schadet es den arbeitenden Leuten», so ein Anwesender, und findet dabei Zustimmung bei den Anwesenden. Der Konsens hier ist, dass im Grunde nur die Gelegenheit für Vandalismus gesucht wurde: «Es war Wut, ja. Aber auch Unterhaltung für sie. Sie hatten nicht die Absicht, für fehlende Arbeitsplätze oder die Schule zu demonstrieren, das war ihnen vollkommen egal.»
Folglich mangelt es auch nicht an Forderungen nach strengeren Massnahmen – auch gegen Minderjährige, die 80 Prozent der rund 200 am Sonntag festgenommenen Personen ausmachen: «Die üblichen Randalierer, haben beschlossen, diesen Vorwand zu nutzen, um Gewalt auszuüben und eine Stadt zu verwüsten – im vorgeschobenen Namen einer guten Sache. Das ist nicht richtig.»
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