Russisches Medium droht Litauen mit Atomschlag – und löscht Post

- Die russische Staatsagentur RIA Novosti veröffentlichte einen Kommentar, in dem ein möglicher russischer Angriff auf Litauen mit Atomwaffen beschrieben wurde.
- Autor Alexander Nosowitsch brachte dabei einen Angriff ohne Bodentruppen und mit Raketen als «blitzschnelle» Lösung ins Spiel.
- Nur wenige Stunden später wurde der Artikel gelöscht. RIA Novosti distanzierte sich vom Inhalt und erklärte, dieser entspreche nicht der russischen Staatspolitik.
Erst veröffentlicht, wenige Stunden später wieder gelöscht: Die russische Staatsagentur RIA Novosti schaltete am Freitag einen Kommentar auf, in dem der Autor einen möglichen russischen Angriff auf Litauen mit Atomwaffen ins Spiel brachte. Danach distanzierte sich die Redaktion von dem Artikel, wie das russische Medium «Meduza» berichtet.
«Russland steht vor einer weiteren militärischen Spezialoperation. Sie wird sehr kurz sein», lautete der Titel des Kommentars. Geschrieben wurde er vom russischen Journalisten Alexander Nosowitsch.
Nosowitsch zieht Vergleich zur Ukraine
Anlass für den Artikel war ein Entscheid des litauischen Parlaments. Dieses unterstützte einen Vorstoss, das bisherige Verbot der Stationierung von Atomwaffen im Land aufzuheben. Der Autor behauptete, europäische Staaten wollten Atomwaffen immer näher an die russische Grenze bringen. Nosowitsch stellte Litauen dabei als möglichen künftigen Standort für Atomwaffen dar.
Nosowitsch bezeichnete Litauen unter anderem als «Selbstmordstaat ohne Verstand», als «nützlichen Idioten» und als «kleinen, aber stolzen Kamikaze». Zudem zog er Parallelen zur Ukraine.
«Blitzschnelle» Lösung mit Raketen
Nosowitsch beschrieb auch, wie Russland im Fall einer Stationierung von Atomwaffen reagieren könnte. Ein militärischer Konflikt im Baltikum wäre seiner Ansicht nach aufgrund der geografischen Lage schnell vorbei. Russland könnte dabei sogar auf Bodentruppen verzichten und stattdessen Atomwaffen einsetzen.
«Nur Raketen mit entsprechender Ladung», schrieb er. «Die Lösung ist nicht nur schnell, sondern blitzschnell.» Und weiter: «Denken Sie nicht zu lange an Sekunden.»
RIA Novosti distanziert sich
Nur wenige Stunden nach der Veröffentlichung wurde der Kommentar gelöscht. Auf der ursprünglichen Artikelseite distanzierte sich RIA Novosti von dem Beitrag. Dessen Inhalt entspreche «nicht der Meinung der Redaktion, der redaktionellen Linie oder der Staatspolitik der Russischen Föderation».
Warum der Kommentar auf der Website veröffentlicht wurde und wer ihn freigegeben hatte, ist nicht bekannt. Eine Kopie des Originalartikels ist weiterhin im Internet-Archiv abrufbar.
Nosowitsch ist Chefredaktor des prorussischen Portals RuBaltic.ru und Mitglied des russischen Rats für Aussen- und Verteidigungspolitik. Wie «Meduza» unter Berufung auf Recherchen des Dossier Center schreibt, wurde er 2020 zudem mit einer russischen Einflussstruktur in Verbindung gebracht.
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