Krawallnacht: «Für meine Generation gibt es keine Perspektive»

- In der Halloween-Nacht ist eine Demonstration im Zürcher Kreis 4 eskaliert: Barrikaden brannten, die Polizei wurde mit Steinen angegriffen.
- Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, die Höhe der Schäden ist noch unklar.
- Die Demonstrantin Alina (24) sieht die Gewalt als Teil eines politischen Protests, Influencer Flavio Leu (27) fordert Gefängnis.
Die Krawallnacht in Zürich spaltet die Schweizer Jugend: Am Samstag brannten an der Zürcher Langstrasse Barrikaden, während die Polizei mit Steinen angegriffen wurde. Die Ordnungskräfte setzten ihrerseits Wasserwerfer ein. Wie hoch die Schäden sind, ist noch unklar.
Derweil spaltet die Art, wie die mehrheitlich jungen Demonstrierenden ihre Wut und Frustration zum Ausdruck brachten, die Schweiz. Wie eine Teilnehmerin gegenüber der «Aargauer Zeitung» berichtet, sei die Stimmung an der Langstrasse zunächst friedlich gewesen.
«Politischer Protest einer revolutionären Bewegung»
Danach eskalierte die Lage. Aus Sicht von Alina* (24) waren aber auch die Ausschreitungen Teil des «politischen Protests einer revolutionären Bewegung, die sich gegen den Kapitalismus stellt und die Rolle des Schweizer Staats kritisiert». Auch Krawall sei ein Ausdruck der Unzufriedenheit, denn: «Für die Jugend und für meine Generation gibt es keine Perspektive.»
Im Gespräch mit der «Aargauer Zeitung» verurteilt die junge Frau die Gewalt gegenüber der Polizei nicht. Zugleich verweist sie darauf, dass aus ihrer Sicht «auch die Zerstörung der Natur oder Hitzetote durch den Klimawandel eine Art von Gewalt darstellen». Sie zieht ein positives Fazit: «Es war ein starker Abend. Die Menschen waren sehr mutig und sehr hässig.»
«Gehören alle in den Knast»
Komplett anders bewertet Influencer Flavio Leu (27) die Krawallnacht und die gewaltbereiten Jugendlichen. «Meiner Meinung nach gehört ihr alle in den Knast», beginnt er sein am Sonntag gepostetes Video. Wer in der Schweiz lebe und das Gefühl habe, man habe in diesem Land «solche Probleme, die solche Aktionen rechtfertigen», leide unter Realitätsverlust, so der Schauspieler.
Er fordert, den Randalierern das «Recht zu entziehen, Teil der Gesellschaft zu sein». Diese sollen sich lieber einen Job suchen. Viele User pflichten Leu bei – einige grundsätzlich, andere differenzierter: «Doch die Demos waren absolut gerechtfertigt. Dass wir uns in einem solchen tollen Land überlegen müssen, ob man sich überhaupt noch etwas leisten kann, wenn die Preise konstant steigen, weiss die Gen Z am besten.»
Die Kernaussage der meisten Kritiker ist klar: Wer für seine Anliegen einstehen will, solle dies mit friedlichen Protesten machen. Dass diese aber weniger mediale und politische Beachtung bekommen als gewaltsame Ausschreitungen, ist den Demonstrierenden ebenfalls bewusst.
* Name von der Aargauer Zeitung geändert
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Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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