«Das ist eine Schande» – jetzt kommt die Bargeld-Initiative

- Berta Caminada reichte in Chur die Volksinitiative «Barzahlung bei öffentlichen Dienstleistungen» ein.
- Die Initiative fordert, öffentliche Dienstleistungen wie Postauto, Parkplätze und WCs weiterhin bar bezahlen zu können.
- Während des Unterschriftensammelns haben Caminada und ihr 40-köpfiges Unterschriftenteam zahlreiche Erfahrungen aus der Bevölkerung aufgezeichnet.
«Questo è una vergogna.» Oder auf Deutsch: «Das ist eine Schande.» So zitiert Berta Caminada (78) Stimmen aus dem Puschlav in ihrem Dokument «Stimmen aus dem Volk». In diesem Dokument hat Caminada zahlreiche bewegende Erfahrungen von den Unterzeichnenden niedergeschrieben.
Anfang der Woche reichte Caminada die Volksinitiative «Barzahlung bei öffentlichen Dienstleistungen (Anti-Diskriminierungsinitiative)» mit 15’781 Unterschriften bei der Standeskanzlei Graubünden ein. Das schreibt die Initiantin in einer Medienmitteilung.
Die Initiative fordert, dass öffentliche Dienstleistungen weiterhin direkt mit Bargeld bezahlt werden können. Das soll etwa auf öffentlichen Toiletten, öffentlichen Parkplätzen, im Postauto und in Bussen möglich sein.
«Wenn die Postautos nicht jede halbe Stunde fahren würden, hätten die Chauffeure mehr Zeit, um wieder Billette zu verkaufen», sagt Caminada zu 20 Minuten. Sie selbst fährt nicht mehr mit dem Postauto. Sie habe aber von zahlreichen Personen gehört, welche Probleme mit den sogenannten Venda-Automaten erleben. Diese Billettautomaten wurden in Bündner Postautos montiert.
«Einige Personen sind am Venda-Automaten gestürzt, weil der Chauffeur aufgrund des viel zu engen Fahrplans bereits losfuhr, bevor das Ticket fertig gelöst werden konnte. Dazu kommen gesundheitliche Gründe wie Zittern, Störungen der Motorik oder Sehbehinderungen, welche die Bedienung des Venda-Automaten verunmöglichen», heisst es in der Medienmitteilung.
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«Soll er nicht Postauto fahren dürfen?»
Zahlreiche Eltern hätten den Unterschriftensammlern gesagt, dass sie ihren Kindern kein Smartphone geben möchten. Sie fühlten sich aber dazu gezwungen, damit ihre Kinder weiterhin mit dem Postauto fahren könnten.
«Meines Wissens nach haben noch nie so viele Menschen ein kantonales Initiativbegehren in Graubünden unterschrieben»
Eine Frau aus Thusis berichtete, dass ihr Mann sehr schlecht sehe und wegen seiner Augenerkrankung nichts an einem Automaten oder auf einer App erledigen könne. «Soll er deshalb nicht Postauto fahren dürfen?» Das sei eine Frechheit.
Die zahlreichen Unterschriften seien in rund zwei Monaten aus allen 100 Bündner Gemeinden zusammengekommen. «Meines Wissens nach haben noch nie so viele Menschen ein kantonales Initiativbegehren in Graubünden unterschrieben», heisst es in der Medienmitteilung.
Die hohe Zahl der Unterschriften zeige deutlich, wie gross das Bedürfnis in der Bevölkerung sei, öffentliche Dienstleistungen weiterhin mit Bargeld bezahlen zu können.
Ob und wann die Initiative zur Abstimmung kommt, ist derzeit noch unklar. Der Bündner Grosse Rat überwies Ende August der Bündner Regierung einen Auftrag, der in dasselbe Horn stösst wie die Initiative, allerdings leicht abgeschwächt, da dieser auch Ausnahmen zulassen würde. Der Auftrag verlangt, bei kantonalen und kommunalen Infrastrukturen grundsätzlich eine Möglichkeit zum Bezahlen mit Bargeld sicherzustellen.
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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