Klimapolitik in Down Under: Australien bleibt der Kohle verpflichtet

Der australische Premier warnt in New York vor der Klimakatastrophe. Zugleich exportiert Australien mehr Fossile, als es seinen Klimazielen entspräche.
Foto: Dan Himbrechts/imago
Australien will die Erderhitzung bekämpfen und zugleich an einem der profitabelsten Geschäfte des fossilen Zeitalters festhalten. Dieser Widerspruch beschreibt präzise die Klimapolitik der Regierung von Anthony Albanese. Während der Premier Anfang der Woche bei der Climate Week in New York vor den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels warnte, bleibt sein Land einer der weltweit führenden Exporteure von klimaschädigender Kohle und Gas.
„Klimasicherheit ist die neue nationale Sicherheit“, meinte Albanese in den USA. Australien kenne die Folgen der Erderwärmung aus eigener Erfahrung, von Buschbränden bis zu Überschwemmungen. Was in der Rede fehlte, ist für die internationale Klimabilanz Australiens jedoch entscheidend: Ein großer Teil der fossilen Energieträger, die das Land fördert, wird nicht in Australien verbrannt, sondern nach Asien und in andere Weltregionen exportiert.
Australien ist – gemessen an der exportierten Menge – der weltweit drittgrößte Exporteur fossiler Brennstoffe, hinter Russland und den USA. Nach Berechnungen des Klimaforschungsinstituts Climate Analytics waren Australiens Kohle- und Gasexporte 2023 mit rund 1,15 Milliarden Tonnen CO₂ verbunden. Diese Emissionen erscheinen allerdings überwiegend in den Bilanzen jener Länder, in denen die Brennstoffe verbrannt werden.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Geschäfts erklärt die politische Beharrlichkeit. Nach Prognosen des australischen Wirtschaftsministeriums soll Australien 2026/27 rund 65 Milliarden australische Dollar (gut 40 Milliarden Euro) mit Exporten von Flüssiggas verdienen. Dazu kommen etwa 29 Milliarden aus Kraftwerkskohle und 38 Milliarden aus metallurgischer Kohle. Selbst für 2030/31 erwartet Canberra noch rund 98 Milliarden australische Dollar aus diesen drei Sparten.
Labor genehmigte 37 fossile Projekte
Unter dem Sozialdemokraten Albanese ist dieser Gegensatz nicht verschwunden. Seit der Übernahme durch die Labor-Partei 2022 wurden laut Climate Council 37 neue, erweiterte oder verlängerte Kohle-, Öl- und Gasprojekte genehmigt. Einige reichen mit ihren geplanten Laufzeiten weit über die Mitte des Jahrhunderts hinaus.
Gleichzeitig verfolgt Australien ehrgeizige Klimaziele. Bis 2035 sollen die Treibhausgasemissionen gegenüber 2005 um 62 bis 70 Prozent sinken. Im Stromnetz stammen inzwischen etwa 50 Prozent der Elektrizität aus erneuerbaren Quellen. Für die Regierung sind beides keine Gegensätze: Dekarbonisierung im Inland und der Export fossiler Energie werden als parallel mögliche Aufgaben gesehen.
International allerdings wird diese Trennung zunehmend problematisch. Denn für das Klima spielt es keine Rolle, ob die Tonne CO₂ in Brisbane, Tokio oder Schanghai ausgestoßen wird. Australiens fossile Exporte haben gemäß Climate Analytics zwischen 1961 und 2023 rund 30 Milliarden Tonnen CO₂ verursacht. Unter den derzeitigen politischen Vorgaben könnte die Menge bis 2035 auf 45 Milliarden Tonnen steigen.
Das ist die unbequeme Seite von Albaneses Klimabotschaft: Australien kann seinen eigenen Stromsektor schneller dekarbonisieren und zugleich fossile Energie in die Welt liefern. Bei der bevorstehenden globalen Klimakonferenz COP31, die Australien gemeinsam mit den von Klimaerhitzung bereits massiv betroffenen Pazifikstaaten und der Türkei in Antalya durchführen wird, dürfte deshalb weniger im Mittelpunkt stehen, ob Canberra Klimaschutz betreibt. Vielmehr werden andere Länder die Frage stellen, wie lange Australien sich noch als Klimavorreiter präsentieren kann, während sein Wohlstand wesentlich auf dem Export jener Brennstoffe beruht, deren Verbrennung maßgeblich für die Erderhitzung verantwortlich ist.
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