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Wednesday, August 26, 2026

70 Jahre «Bravo» – So wild war die «Bravo» früher – und so anders ist sie heute

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70 Jahre «Bravo» So wild war die «Bravo» früher – und so anders ist sie heute

Die «Bravo» klärte auf, machte Stars – und überschritt Grenzen. Damit prägte das Magazin die Jugend über Jahrzehnte. Heute ist sie eine Stimme unter vielen.

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26.08.2026, 13:49

Marilyn Monroe prangt auf dem Cover, daneben die Frage: «Haben auch Marilyns Kurven geheiratet?» So startet die «Bravo» am 26. August 1956. Die Schlagzeile deutet schon an, was das Magazin lange prägen wird: die Nähe zu Stars – zu ihrem Privatleben und auch zu ihrem Körper.

Altes Zeitschriften-Cover mit zwei Personen: eine lachende Frau und ein Mann mit einer Pistole.
Legende: «Bravo»-Titelbild der Ausgabe Nummer 1: Aus diesem Filmheft wird später ein Magazin, das Millionen Jugendliche erreicht und Karrieren ebenso prägt wie Gespräche über Liebe und Sexualität. www.bravo-archiv.de

Zum Start ist «Bravo» eine «Zeitschrift für Film und Fernsehen». Doch rasch entdeckt die Redaktion die neue Jugendkultur aus den USA. Schon Ende 1956 berichtet sie über Elvis Presley. Drei Jahre später kommt der erste Starschnitt.

Zehn Jahre nach der Erstausgabe knackt die Auflage bereits die Million. Auf dem Höhepunkt Mitte der 1990er-Jahre wurden wöchentlich über 1.5 Millionen Hefte verkauft. Das Heft beeinflusste Trends und baute ganze Karrieren auf.

Beim Thema Sex und Beziehungen ist das Blatt anfänglich fast schon konservativ. Die «Bravo» spiegelt dabei das gesellschaftliche Klima der Nachkriegszeit: So warnt das Heft 1966 vor Selbstbefriedigung als «Selbstbefleckung», und ein Ratgeber bezeichnet Homosexualität als «abartig» und empfiehlt betroffenen Jungen einen Psychiater oder Hormone.

Und dann kam der (Doktor) Sommer

Doch die Jugend wird liberaler: 1968 geben in einer «Bravo»-Umfrage 89 Prozent der 15- bis 20-jährigen Jungen an, sie würden auch ein Mädchen heiraten, das keine Jungfrau mehr ist.

«Bravo» zieht nach: 1969 erklärt eine Aufklärungsserie die sexuelle Doppelmoral gegenüber Mädchen für beendet, im selben Jahr etabliert sich die Beratungs- und Aufklärungsrubrik «Dr. Sommer». Noch 1972 werden zwei Ausgaben als jugendgefährdend indiziert, weil sie Selbstbefriedigung sachlich positiv behandeln.

In den 1990er-Jahren lebt «Bravo» von einem Versprechen: den Stars und den grossen Fragen der Pubertät so nahe zu kommen wie kaum ein anderes Medium. Diese Nähe wird allerdings auch inszeniert.

Auch bei «Dr. Sommer» rückt die Kamera immer näher. Aus heutiger Sicht oftmals auch zu nahe: 1996 etwa zeigte eine Doppelseite ein 16-jähriges Paar komplett nackt in diversen Sexpositionen. Die Bundesprüfstelle prüft die Darstellung, lehnt eine Indizierung aber ab: Im Zentrum stünden Zärtlichkeit, Partnerschaft und Gleichberechtigung.

Was damals Teil eines millionenfach gelesenen Jugendmagazins war, wirkt heute teils befremdlich. Das zeigt auch der Umgang mit der Musikerin Jasmin Wagner alias Blümchen. Über den damals minderjährigen Eurodance-Star schreibt «Bravo» etwa: «Blümchens Knospen blühen».

Im Jahr 2026 gibt es die «Bravo» noch immer, aber sie ist eine andere geworden. Zwar sind die Fragen ähnlich geblieben: Noch immer beantwortet «Dr. Sommer» Fragen dazu, ob die eigenen Brüste zu klein sind und ob Pickel normal sind oder ob der Penis die richtige Grösse hat.

Verändert hat sich vielmehr, wie die «Bravo» über diese Themen spricht: Über der heutigen «Dr. Sommer»-Seite steht: «Dein Körper – Deine Regeln!» Wo früher häufig die Frage mitschwang, was normal, attraktiv oder richtig sei, rückt das Magazin heute stärker Selbstbestimmung und Vielfalt in den Vordergrund.

Die «Bravo» damals und heute

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Auf dem Höhepunkt in den 1990er-Jahren verkauft «Bravo» über 1.5 Millionen Hefte pro Ausgabe. Rund ein Drittel der 14- bis 19-Jährigen im deutschsprachigen Raum las damals die «Bravo».

Heute verkauft das Magazin nur noch rund 45'000 Exemplare pro Ausgabe. Trotzdem bleibt sie Deutschlands auflagenstärkste Jugendzeitschrift. Geschrumpft ist vor allem der Markt selbst – und damit die Bedeutung des gedruckten Jugendmagazins.

Im Jahr 2026 ist «Bravo» eine Jugendmarke, die ihre Inhalte längst auch über digitale Plattformen verbreitet.

Früher prägte das Heft mit, welche Idole, Körperbilder und Antworten Jugendliche erreichten. Heute ist «Bravo» eine Stimme unter vielen: Stars, Trends und Ratschläge bietet «Bravo» heute nicht mehr exklusiv.

Geblieben ist der Anspruch auf Nähe zur Jugend. Nur führt der Weg dorthin nicht mehr über den Starschnitt an der Kinderzimmerwand, sondern durch einen endlosen digitalen Feed.

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