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Monday, August 24, 2026

Umstrittene Aktion – Wirbel um Wagner-Projekt von Milo Rau in Israel

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Milo Rau sorgt zuverlässig für Debatten. Diese Woche hat der Schweizer Theatermacher Musik von Richard Wagner nach Israel gebracht, wo er auf Recherchereise war. Der Komponist aus dem 19. Jahrhundert wird in Israel weitgehend boykottiert. Er war Antisemit.

Für Aufregung sorgt in Israel aber nicht Wagners Musik, sondern die Interventionen israelischer Kunstschaffender auf der Bühne. So sagte die israelische Theatermacherin Einat Weitzmann, man müsse die Musik stoppen, um das Summen der Drohnen über Gaza und die Stimmen der Kinder dort zu hören. Und was sagt Milo Rau?

Milo Rau

Regisseur und Theaterautor

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Milo Rau ist einer der bedeutendsten Theaterschaffenden der Gegenwart. Seit 2023 ist er Intendant der Wiener Festwochen. Seine Inszenierungen, Filme und theatralischen Schauprozesse erhalten international grosse Aufmerksamkeit.

Seit 2002 veröffentlichte er über 50 Theaterstücke, Filme und Bücher und sein einflussreiches künstlerisches Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. So erhielt er u.a. die Saarbrücker Poetikdozentur für Dramatik, die 2019 im Alexander Verlag erschien.

SRF: Was wollten Sie mit dem Projekt erreichen? Wagners Musik nach Israel zu bringen?

Milo Rau: Das Projekt ist Teil einer Inszenierung des «Fliegenden Holländer» von Richard Wagner, die ich im Oktober an der Deutschen Oper Berlin mache. Ich habe mich gefragt: Wie wird diese Figur heute in Israel wahrgenommen?

Wagners Antisemitismus, die Beziehung zwischen Deutschland und Israel und die Geschichte der deutschen Schuld sollen in meiner Inszenierung eine zentrale Rolle spielen. Deshalb kam es zu dieser Vorrecherche, zu der auch verschiedene Aufführungen von Wagners Musik zusammen mit der Wagner Society Israel in Israel gehören.

Jetzt schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung»: «Das grössere Tabu ist nicht mehr Wagner, sondern die Rede von Gaza, von den Palästinensern und von gleichen Rechten für alle.» Ist Wagner für Sie nur ein Deckmantel, um über aktuelle Politik zu sprechen?

Eigentlich nicht. Ich war seit 13 Jahren nicht mehr in Israel. Diese Recherche war für mich auch eine Wiederbegegnung mit der israelischen und palästinensischen Gesellschaft. Ich habe mich durch Israel bewegt, viele Menschen aus allen politischen Lagern getroffen und schnell gemerkt, dass Wagner kein Thema mehr ist.

Person in einem dunklen Sakko zieht einen handgezogenen Wagen mit Strohdach durch eine Strasse.
Legende: Will immer etwas anschieben – am liebsten eine Diskussion: Milo Rau, hier 2022 bei einer Aktion in seiner Heimatstadt St. Gallen, die ihm ihren Kulturpreis zusprach. Keystone / GIAN EHRENZELLER

Im Zentrum des Interesses steht die aktuelle Kriegslage, die humanitäre Krise in Gaza. Jedes Thema dreht sich sofort in diese Richtung. Das ist interessant. Ich befinde mich da noch in einer Aufarbeitungsphase, um das alles genau nachzuvollziehen.

Buhrufe, manche Konzertbesucher sollen Ihre Veranstaltung verlassen haben: Vom Publikum gab es laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», aber auch der «Neuen Zürcher Zeitung» gemischte Reaktionen. Wie haben Sie das vor Ort erlebt?

Das war so. Es gab viele Wortmeldungen, die Wagner sehr direkt auf heute bezogen. Etwa von der israelischen Theatermacherin Einat Weitzmann, die in ihrer Rede eine sehr kritische Position zur Politik Israels einnimmt und auf Widerspruch stiess. Es gab aber auch andere Voten – in alle möglichen Richtungen.

Jetzt erwähnt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» auch Jonathan Livni. Livni ist Präsident der israelischen Wagner-Gesellschaft. Er kam zur Veranstaltung, um Richard Wagners Musik zu hören, zeigte sich aber sehr enttäuscht. Er sagt über Sie und Ihr Team: «Sie haben es nicht für uns gemacht, sondern für sich.»

Jonathan ist ein guter Freund von mir geworden. Wir werden ihn auch nach Berlin einladen. Ich glaube tatsächlich, dass er im Grunde gern vor allem über Wagner und ausschliesslich über Wagner gehört hätte. Das ist seit vielen Jahren ein Kampf. Er versucht als Musikliebhaber und Anwalt, Wagner aufzuführen. Diese politischen Sachen haben ihn gestört. Das kann ich verstehen.

Die Aktion wurde von manchen als Provokation erlebt. Tragen Sie damit konstruktiv zur Lösung des Nahostkonflikts bei?

Ich würde mir nicht anmassen, zur Lösung beizutragen. Tatsächlich war ich eher da, um Fragen zu stellen. Und um zuzuhören.

Das Gespräch führte Simon Burri.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 21.08.2026, 17:20 Uhr. ;  burs/gust

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