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Monday, August 24, 2026

Roman von Micha Lewinsky – Vom Glück, nicht mehr alles besser zu wissen

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Ein Haus kaufen. Oder genauer: die Möglichkeit haben, vielleicht ein Haus zu kaufen. So beginnt Micha Lewinskys neuer Roman «Freunde von früher». Eine Gruppe von Leuten lebte in den 1990er-Jahren in einer Zürcher Wohngemeinschaft und das Haus von damals ist zu haben.

Die ehemaligen Mitbewohnerinnen und Mitbewohner treffen sich als 50-Jährige wieder. Jetzt reden sie über Eigenkapital – statt wie damals über politische Ideale.

Verbinden und vergessen

Die Ausgangslage von «Freunde von früher» klingt nach Nostalgie. Genau dafür interessiert sich Lewinsky aber wenig. Zwar führt sein Roman zurück in ein Zürich der improvisierten Bars und halblegalen Lokale. «Es war damals ein bisschen einfacher, noch wild zu sein, weil es halt so wild war», sagt der Schriftsteller.

Person in einem grünen Hemd sitzt auf Treppenstufen in einem dunklen Raum.
Legende: Da sitzt einer, dem es ganz gut läuft: Micha Lewinsky hat sich als Filmemacher einen Namen gemacht. Mit «Freunde von früher» legt er seinen zweiten Roman vor. Keystone / ENNIO LEANZA

Wie ist es Lewinsky gelungen, ohne Pathos über diese Zeit zu schreiben? «Das ist mir passiert. Ich bin nur schon zu vergesslich. Ich weiss vieles auch gar nicht mehr.»

Gedanklich hat er die Uhr zurückgedreht. «Ich bin so ein bisschen in den 1990er-Jahren geschwommen.» Aber nicht mit dem Gefühl, dass früher alles besser gewesen sei. «Ich wollte einfach die Verbindung herstellen zwischen denen, die wir heute sind, und denen, die wir damals waren.»

Die Gewissheiten von gestern

Im Zentrum des Romans steht Béla, Dokumentarfilmer und derzeit Aushilfslehrer an einer Sekundarschule. Lewinsky beschreibt seine Figur als jemanden, der «erschrocken feststellt, dass er gar nicht schlecht ist, aber doch ein sehr durchschnittliches Leben führt».

Béla lebt jetzt mit seiner jüngeren Freundin Kaja in einer Genossenschaftswohnung. Er denkt über seine früheren Ideale nach. Der Kauf dieses Wohnhauses würde bedeuten, «vom Mieter zum Hausbesitzer» zu werden. Und vielleicht «vom Idealisten zum Kapitalisten».

Micha Lewinsky sagt, dass das Älterwerden nicht ein Verrat an den eigenen Überzeugungen bedeuten muss. «Die, die wir als 20-Jährige waren, sind ganz schlechte Berater für uns heute», sagt er. «Was soll der wissen davon, wie es sich anfühlt, 50 zu sein?»

Ich wollte die Verbindung herstellen zwischen denen, die wir heute sind, und denen, die wir damals waren.

Lewinsky selbst erinnert sich an seine langen Haare, Bandproben und politische Gewissheiten. «Ich wusste alles besser», sagt er. Vieles davon würde er heute noch unterschreiben. «Aber nicht mehr mit dem Gefühl von: Die anderen sind doof.»

Béla ist kein gescheiterter Künstler, aber auch kein Erfolgstyp. Er verdient sein Geld als Aushilfslehrer, mit einem Beruf, für den er sich früher vielleicht geschämt hätte. «Oder könnte man sich auch damit versöhnen und sagen: Ist doch okay. Eigentlich schön», fragt Lewinsky im Gespräch.

Neues im Blick

«Freunde von früher» erzählt von ersten Lieben, langen Gesprächen am Küchentisch, Beziehung zu den Eltern, Idealismus, den Kompromissen des Erwachsenwerdens und von der Einsicht, dass ein gewöhnliches Leben nicht automatisch ein gescheitertes Leben ist.

Micha Lewinsky gelingt das mit viel Humor, präzisen Beobachtungen und lebendigen Dialogen. Nach der Lektüre lacht man und blickt vielleicht gelassen auf die Zumutungen des Älterwerdens.

Am Ende des Gesprächs erzählt Lewinsky, wie er auf seiner Terrasse steht und fasziniert beobachtet, wie eine Rebe wächst. «Etwas, was mich noch nie interessiert hätte früher. Das muss eine Alterserscheinung sein.»

Buchhinweis

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Micha Lewinsky: «Freunde von früher». Diogenes Verlag, 2026.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 21.08.2026, 08:06 Uhr.

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